LKR Lichtenfels
Netzausbau

Widerstand gegen Stromtrassen im Landkreis Lichtenfels

Landrat Meißner hat Vertreter der von den Planungen betroffenen Landkreise zum "Gipfeltreffen" am 13. September nach Lichtenfels eingeladen.
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Eindeutige Haltung - gesehen bei der Demonstration gegen neue Stromtrassen Anfang August in Coburg  Foto: Jochen Berger
Eindeutige Haltung - gesehen bei der Demonstration gegen neue Stromtrassen Anfang August in Coburg Foto: Jochen Berger
Auf der Hut sein und geschlossen auftreten, wenn neue Stromtrassenpläne wieder den Landkreis tangieren sollten: Diese Devise hatte Landrat Christian Meißner (CSU) bereits im Oktober vergangenen Jahres ausgegeben. Der Netzentwicklungsplan 2025 sei nur auf Eis gelegt, die umstrittene Trasse von Schalkau über Würgau nach Ludersheim im Raum Nürnberg, unter dem Namen "P44 mod" diskutiert, noch nicht vom Tisch.

Jetzt hat die Bundesnetzagentur tatsächlich angekündigt, wieder alle Varianten zur Stromtrassenplanung dem Bundestag zur Entscheidung vorzulegen. Sogar durch den Netzbetreiber selbst abgelehnte Verläufe sind enthalten, die ein Mehrfaches an Kosten verursachen würden. "Ein Fall für den Bundesrechnungshof", meint Meißner, werde es, wenn wider besseren Wissens die teurere Stromtrasse gewählt wird. "

Unsere Region ist durch die A 73, die ICE-Trasse und die kürzlich bereits in Betrieb genommene Thüringer Strombrücke über das verträgliche Maß hinaus belastet", betont er, und zeigt auf, dass schon neun Überlandleitungen den Landkreis Lichtenfels durchziehen: die fünf 110-kV-Leitungen Redwitz - Oberwallenstadt - Ebensfeld, Redwitz - Friesen, Redwitz - Kulmbach, Ebensfeld - Ebern und Würgau - Kulmbach, die drei 380-kV-Leitungen Redwitz - Würgau - Grafenrheinfeld, Altenfeld - Redwitz und Redwitz - Schwandorf sowie die 380/110-kV-Leitung Redwitz - Landesgrenze (Remptendorf). Dazu kommen Bahnstromleitungen entlang der Bahntrassen wie die 110-kV-Leitungen Lichtenfels - Unterleiterbach und Lichtenfels - Ebersdorf . "Mehr akzeptieren wir einfach nicht", so der Landkreischef. Zusammen mit der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner (CSU) hat er deshalb zu einem "Gipfeltreffen der betroffenen Landkreise" am 13. September nach Lichtenfels eingeladen.

Im Nachbarlandkreis Coburg waren Anfang August rund 2000 Menschen gegen die Trassenpläne der Bundesnetzagentur auf die Straße gegangen. In einem Konsultationsverfahren, dem zweiten in dieser Angelegenheit, können Bürger Einwendungen gegen die Vorhaben zum Netzausbau vorbringen.

Vor knapp zwei Jahren verabschiedete der Kreistag von Lichtenfels eine Resolution, in der jede weitere Beeinträchtigung der Region am Obermain abgelehnt wird. Bei dieser Gelegenheit prangerten Vertreter der Grünen und der SPD an, dass die Energiewende nicht ernsthaft betrieben werde. Der Trassenbau sei Ergebnis "einer Energiepolitik, die nicht auf Regionalität setzt".

Aktuell formiert sich Widerstand besonders in der Gemeinde Redwitz. Durch das dortige Umspannwerk fühlt man sich schon heute von Stromleitungen umzingelt. Noch eine - "da kannst Du bloß mit dem Kopf schütteln", sagt Bürgermeister Christian Mrosek (CSU). Aber man wisse nicht, "was die große Politik macht". Bei dem Treffen im September wird er selbstverständlich dabei sein.

So können Bürger Einwände geltend machen:

Im Zeitraum bis zum 16. Oktober können Bürger ihre Einwände gegen die Stromtrassenplanung vorbringen, und zwar online unter www.netzausbau.de/_tools/Stellungnahme_EWM_DMZ/NEPUB_2030_2017/node.html;jsessionid=E5C2744B07C731BD2D3ABC6D76C5BA7F). Schriftlich ist dies ebenso möglich unter Stichwort: Netzentwicklungs-plan/Umweltbericht, Postfach 80 01, 53105 Bonn.

Interview mit Landrat Christian Meißner

Wurde der Termin für das Gipfeltreffen am 13. September nach der Veröffentlichung der Bundesnetzagentur anberaumt?
Christian Meißner: Ja, da wir mehr als verärgert sind über die Vorschläge der Bundesnetzagentur. Diese haben uns am Freitag, den 4. August, erreicht. Um sicherzustellen, dass alle Partner Möglichkeit haben, zu kommen, wurde der Termin kurz nach den Schulferien gewählt. Der Termin am 13. September kam auf die Initiative der Bundestagsabgeordneten Zeulner zustande.

Wer ist alles zu dem Termin eingeladen? Auch Vertreter der Bundesnetzagentur?
Dieser Termin wird ein deutliches Zeichen der gesamten Region gegen alle Vorschläge der Bundesnetzagentur. Da die Bundesnetzagentur damit ihr Statement gesetzt und das Konsultationsverfahren in Gang gesetzt hat, macht es keinen Sinn, sie zu diesem Termin einzuladen. Von Forchheim bis Lichtenfels werden wir uns geballt gegen die Pläne zur weiteren Belastung unserer Region stemmen.

Wie kam es überhaupt dazu, dass man an Alternativtrassen gedacht hat?
Nachdem die P44 durchweg abgelehnt wurde, kamen die Alternativen ins Gespräch, die jedoch auch von den Netzbetreibern selbst abgelehnt werden, da sie länger und teurer sind. Für mich und den Kreistag von Lichtenfels ist unsere Resolution vom 7. 12. 2015 gültig, sie lautet: "Der Bau weiterer Stromtrassen durch den Landkreis Lichtenfels wird vollumfänglich abgelehnt." Die Fragen stellte Tobias Kindermann
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