Neuensee
Wasserschaden

Werkstätten werden umgesiedelt

Aus einem Abwasserrohr im Gebäude konnte Schmutzwasser lange unbemerkt auslaufen. Nun ist der Aufwand für die Sanierung so groß, dass der Standort Neuensee für mindestens ein halbes Jahr verlassen werden muss.
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Schon am Hoftor der Werkstätten in Neuensee wird auf die Situation hingewiesen.
Schon am Hoftor der Werkstätten in Neuensee wird auf die Situation hingewiesen.
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Eine feuchte Stelle an der Wand im Küchenbereich - da befürchtet man ja nicht gleich das Schlimmste. Doch nach mehrtägiger Ursachenforschung durch eine Fachfirma wurde das ganze Ausmaß des Schadens im zentralen Gebäude der Werkstätten St. Joseph offenbart. Das Leck befand sich in einer Abwasserleitung hinter einer Montagewand. Unbemerkt hatte sich Abwasser der Spülmaschine großflächig unter dem Fußboden verteilt. Und weil es sich nicht um klares Wasser handelte, reicht es nicht aus, betroffene Bereiche zu öffnen und Trocknungsgeräte aufzustellen. Der Estrich muss größtenteils entfernt werden. Das moderne Haus, erst 2013 fertiggestellt, wird damit beinahe wieder auf Rohbaustatus zurückgeführt.

Für Geschäftsführer Hartmut Springfeld hieß es nach dieser Erkenntnis erst einmal Ruhe bewahren, um eine gute Lösung für die 80 Menschen mit Behinderung zu finden, die im Werk Neuensee beschäftigt sind - und für die rund 20 weiteren Mitarbeiter. Auf keinen Fall sollten sie mit Sorgen in den 14-tägigen Betriebsurlaub gehen oder danach gar nicht mehr an ihre Arbeitsplätze zurückkehren dürfen. Deshalb wurde mit kleiner Besetzung aber großem Engagement daran gearbeitet, die Verlagerung des gesamten Betriebs zu organisieren. "Die bestehende Unterbelegung an den anderen Standorten kommt uns jetzt zugute", sagt Springfeld. Man könne Gruppen auf die Werke I und II in Lichtenfels sowie nach Burgkunstadt verteilen, ohne zusätzliche Anmietungen.

Umzug im Oktober

Die Gruppenräume werden neu hergerichtet, was inzwischen fast geschafft ist. Der Umzug ist für Mitte Oktober geplant. "Wir haben gearbeitet ohne Ende", berichtet der Chef und ist dabei seinem Team und vor allem den Handwerkern aus verschiedenen Betrieben sehr dankbar. Trotz voller Auftragsbücher und knapper personeller Ressourcen habe man tolle Unterstützung erfahren. Wenn irgendwo noch ein Mann umdisponiert werden konnte, hätten sie das gemacht und geholfen. Erleichtert zeigt sich der Geschäftsführer auch über den "sehr verständnisvollen Versicherungspartner", der es gestattet, diesen Weg der geordneten Abläufe zu gehen. Es liegt ihm daran, die Menschen mitzunehmen, zeitnah zu informieren, Eltern, Betreuer und Werkstattrat einzubinden. Zwei aus diesem Gremium, Kathrin Kober und Sebastian Frank, nehmen auch an unserem Gespräch teil. Vor allem der Plan, dass Gruppen und Gruppenleitungen wenn irgend möglich beibehalten werden sollen, habe für Beruhigung gesorgt, erklärt Kober - wie auch die Zusage: "Wir finden eine Lösung". Wer möchte, darf im Zuge der notgedrungenen Veränderung aber auch einmal einen neuen Arbeitsbereich kennen lernen, wie der Geschäftsführer anmerkt.

Schätzung: halbe Million Euro

Springfeld sieht in der konsequenten Räumung den einzig praktikablen Weg. Freilich sei darüber gesprochen worden, ob nicht im hinteren Gebäudetrakt weitergearbeitet werden könnte. Doch neben der enormen Geräuschbelästigung müsse man sich vor Augen halten, dass Speisesaal, Küche und IT-Bereich betroffen sind. "Hier läuft alles zusammen." Zudem wolle man auch wegen einer möglichen Keimbelastung beim Öffnen der jetzt noch versiegelten Stellen auf Nummer sicher gehen.

Die Kosten für die Sanierung wurden in einem Gutachten auf eine halbe Million Euro geschätzt. Gut fünf Millionen Euro hatte der Neubau gekostet. Die Fragestellung, wer Schuld daran trägt, dass jenes Abwasserrohr auseinandergerutscht ist, will Springfeld lieber den Experten überlassen. "Unsere Aufgabe ist es, damit umzugehen." Ein mulmiges Gefühl habe er allerdings angesichts der Tatsache, dass es schon der zweite Wasserschaden in Neuensee ist. Der erste betraf eine Frischwasserleitung und verzögerte den Einzug. "Hoffentlich ist es der letzte."

Bei den Werkstätten St. Joseph in Neuensee wird für die Automobil-, Solar- und Verpackungsindustrie sowie für Kinderwagenhersteller produziert. Auch eine kleine Brauerei gibt es, in der die Produktion weitergehen kann. "Für die Vermarktung suchen wir jetzt andere Wege", sagt Thomas Neugeboren, Geschäftsbereichsleiter Produktion. Denn das hauseigene "Glas-Café", eine beliebte Begegnungsstätte, steht auch nicht mehr zur Verfügung. Es wird aber wiedereröffnet. Und dass der Weihnachtsmarkt stattfinden wird, trotz alledem, verspricht der Chef schon heute: "Da wollen wir ein Zeichen setzen: Hurra, wir leben noch!"

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