Kloster Banz
Geschichte

Wer sind die vergessenen Menschen von Banz?

Von 1945 bis 1966 unterhielt die Caritas in Kloster Banz ein Flüchtlingsaltenheim. Dessen Historie soll nun festgehalten werden. Dazu werden Zeitzeugen gesucht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Brigitte Eichner-Grünbeck und Norbert Moschall beim Sichten historischer Bilder vom Banzer Flüchtlingsaltenheim.Matthias Einwag
Brigitte Eichner-Grünbeck und Norbert Moschall beim Sichten historischer Bilder vom Banzer Flüchtlingsaltenheim.Matthias Einwag
+2 Bilder

Norbert Moschall kann sich gut an Beerdigungen auf dem Banzer Friedhof erinnern. Ende der 1950er Jahre begleitete der heute 69-Jährige die schlichten Zeremonien als Ministrant. Wenn Bewohner des Altenheims beigesetzt wurden, seien häufig keine Angehörigen dabei gewesen, sagt er.

In dem Flüchtlingsaltenheim, das die Caritas von 1945 bis 1966 in Kloster Banz führte, lebten Heimatlose und Entwurzelte. Diese Menschen kamen von überall her. Sie wohnten in Räumen des Abtsbaus, die noch mit Stockbetten des vormaligen Militärlazaretts versehen waren. Sieben oder acht alte Menschen teilten sich ein Zimmer. "Manche Zimmer waren knallvoll", sagt Norbert Moschall. Sogar die Abtskapelle wurde als Doppelzimmer für ein Ehepaar zur Verfügung gestellt. Wohnraum war knapp nach dem Krieg. Der Kaisersaal diente zu dieser Zeit als Speisesaal.

Anfangs betreuten 24 Ordensschwestern die alten Menschen, später waren es um die 20. Im November 1947 befanden sich 200 Bewohner im Altenheim, hat Heinz Pfuhlmann recherchiert, der seit etlichen Jahren zusammen mit Norbert Moschall die jüngste Geschichte von Banz erforscht und dokumentiert. 1949 waren bis zu 228 Menschen dort untergebracht und 1960 etwa 135. Kurz vor der Auflösung, 1965, befanden sich noch rund 60 Personen in diesem Wohnheim.

Für viele dieser alten und ausgezehrten Menschen war Banz die letzte Station ihres Lebenswegs. Rund 440 Bewohner des Altenheims starben zwischen 1945 und 1966, etwa 350 von ihnen wurden auf dem Banzer Friedhof beigesetzt.

"Die alten Leute, so ist mein Eindruck, waren häufig sehr verlassen", erinnert sich Norbert Moschall. Er wuchs in Unnersdorf auf und ging oft hinauf ins Kloster: "Es war ein Labyrinth, aber wir haben uns gut ausgekannt", fährt er fort. Wenn die Patres Linnemann, Kuhn oder Piller die morgendlichen Gottesdienste hielten, lief er vor der Schule von Unnersdorf den Banzberg hinauf, um zu ministrieren. Seine Freude war groß, wenn der Zeitungszusteller zur selben Zeit unterwegs war und ihn mitnahm.

Zeitzeugen, die sich an solche Details erinnern, werden von Museumsleiterin Brigitte Eichner-Grünbeck, Heinz Pfuhlmann und Norbert Moschall gesucht. "Wir wollen an diese Menschen erinnern, die zu Lebzeiten kaum Wertschätzung erfuhren", sagt die Museumsleiterin. "Wir brauchen Zeitzeugen, die eventuell noch Fotos und Erinnerungsstücke haben", fügt Norbert Moschall hinzu. Diese Leute werden dann zu einem Sammeltermin eingeladen und später einzeln befragt. Für 2021 ist eine Ausstellung geplant und eine Gedenkveranstaltung auf dem Banzer Friedhof, der ein Erinnerungsort sein sollte.

Kontakt für Zeitzeugen

Projekt Brigitte Eichner-Grünbeck, Heinz Pfuhlmann und Norbert Moschall sammeln in den nächsten Wochen die Adressen von Menschen, die sich an die Zeit des Altenheims in Banz zwischen 1945 und 1966 erinnern können.

Telefon Die Zeitzeugen werden gebeten, ihren Namen, ihre Adresse und ihre Telefonnummer im Klostermuseum Banz zu hinterlassen (Telefon 09573/ 227-744).

Schriftliche Meldungen sind möglich unter der E- Mail- Adresse eichner@hss.de

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren