Horsdorf
Inszenierung

Weihnachtswunderstimmung mit Herbergsatmosphäre

"Es wird scho' glei dumpa" in der Horsdorfer Fuchsenmühle berührte die Herzen der Gäste.
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Bernhard Stengele begrüßte die Gäste mit Ukuleleklängen.  Foto: Mario Deller
Bernhard Stengele begrüßte die Gäste mit Ukuleleklängen. Foto: Mario Deller
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Die Besucher der Inszenierung "Es wird scho glei dumpa" in der Fuchsenmühle in Horsdorf konnten sich bei entspannter Atmosphäre mit Gesang, Harmoniumklang und zu Herzen gehenden Geschichten und Gedichten den eigentlichen Sinn der Advents- und Weihnachtszeit wieder einmal vergegenwärtigen.

Dieser Abend mit der aus Horsdorf stammenden und derzeit als Opernsängerin am Freien Landestheater München tätigen Mezzosopranistin Denise Felsecker, dem ausgebildeten Schauspieler Bernhard Stengele als Rezitator und Akkordeonspieler sowie dem unter anderem als Konzertorganisten tätigen Ulrich Pakusch am Harmonium verdiente das Attribut "besonders".

"Macht hoch die Tür"

Das begann schon damit, dass - wie schon bei der gelungenen Premiere im Vorjahr - in der nahen Scheune die Inszenierung ihren Auftakt nahm mit Akkordeon- und Ukuleleklängen. Dann stand auf dem Plan, sich es in der Gaststätte gemütlich zu machen. Jedoch - das war freilich Teil des liebevoll "komponierten" Gesamtkonzepts - war die Tür verschlossen. Maria und Josef bei ihrer Herbergssuche erging es seinerzeit nicht anders, und sie hatten weit mehr als die diesmal "bewältigten" 20 Meter in den Knochen. Es folgte ein gesanglich dargestelltes Zwiegespräch mit Denise Felsecker als anfangs hartherzige Wirtin. Nachdem die Besucher der Veranstaltung tatkräftig das Lied "Macht hoch die Tür" mitsangen, wurde schließlich doch Einlass gewährt.

Glühwein und Bratwurst

In der Mühlenstube duftete es nach Glühwein und Bratwurst, die Gäste machten es sich nun in der urigen Wirtsstube gemütlich. Da klopft es an die Stubentüre - und herein poltert "Knecht Ruprecht" alias Bernhard Stengele mit den berühmten Worten "Von drauß', vom Walde, komm' ich her. Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr". Bei den an die Gäste gerichteten Worten "Sind's gute Kind, sind's böse Kind'?" grinste er die Gäste an, gab sich aber als Rutenmann eher schelmisch denn streng. Denise Felsecker schlüpfte im Rahmen der Inszenierung in die Rolle der singenden Wirtin. "Sei stille dem Herrn und warte auf ihn", hieß es in der von ihr unter anderem zum Vortrage gebrachten Arie "Ein Engel" aus dem Oratorium "Elias" von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Die wahre Weihnachtsbotschaft verkörperte auch die an diesem Abend ebenfalls präsentierte vertonte Geschichte "Die sieben Gaben" von Gerhard Schöne. Die Zeilen des Liedes handeln von einem besonderen Laden, in dem es keine "Artikel" gibt, sondern viel Wichtigeres: "Wonach Sie sich sehnen, was Sie froh machen kann, das biete ich an", erklärt darin der "Händler". Das Lied redet der Gesellschaft teilweise auch unverblümt ins Gewissen: "Mehr Verstand in die Köpfe, aus den Augen die Gier, Eltern Zeit für die Kinder, Achtung vor jedem Tier", nimmt uns alle mit dem Schlusssatz in die Verantwortung: "Doch ich verkauf' keine Früchte, nur die Samen dafür".

Mit Weisen wie "Maria durch ein Dornwald ging" wurde die präsentierte Weihnachtsgeschichte umrahmt. Bei der Auswahl der Musikstücke bot das Künstlertrio einen wohltuenden Mix aus Traditionellem und Modernem. Die Gäste lauschten Konstantin Weckers Lied "Gefrorenes Licht" oder dem österreichischen Weihnachtslied "Es wird scho' glei dumpa", welches basiert auf dem alten Marienlied "Maria zu lieben ist allzeit mein Sinn" - und sangen kräftig mit bei zeitlosen Stücken, die uns in Herz und Blut übergegangen sind wie "Leise rieselt der Schnee" oder der deutschen Fassung des an diesem Abend in drei Sprachen präsentierten Klassikers "Stille Nacht, heilige Nacht".

Dank des hervorragenden und gekonnten Zusammenspiels der drei Akteure genossen die Gäste diesen unterhaltsamen wie gefühlvollen Fingerzeig auf das, was Advent wirklich ausmacht. Genau darauf zielte etwa auch das zitierte Gedicht aus der Feder von Sepp Grünberger in Dialektform ab: "Wos i mir wünschen daat is Weihnachten schee staad". Dass dieser Wunsch eine hohe Aktualität aufweist, wird anno 2019 wohl niemand bestreiten.

Selbst die kurze Pause zwischendurch war eigentlich keine. Ulrich Pakusch, der an diesem Abend an einem historischen Harmonium saß, ließ durch dargebrachte Instrumentalstücke das Gehörte in den Herzen der Gäste nachklingen.

Hier und da wurde die Inszenierung auch mit der gewissen Prise Humor gewürzt, die an einem Abend wie diesem einfach dazu gehört und das ganze Gesamtkunstwerk wunderbar abrundete. Als schönes Beispiel genannt sei an dieser Stelle die von Bernhard Stengele launig interpretierte Geschichte "Die Weihnachtsgans", in der das Federvieh von zwei Damen nur gerupft, aber aus Mitleid nicht geschlachtet wurde und schließlich - mit wärmendem Strickpullover ausgestattet - noch sieben weitere Jahre leben durfte. Die Chancen ihrer heutigen Artgenossen, beim Weihnachtsfest 2019 ebenfalls verschont zu bleiben, sind allerdings eher gering, darf an dieser Stelle angemerkt werden.

Die begeisterten Gäste spendeten den Künstler zum Ende warmherzigen Applaus. Diese bedankten sich hierfür mit einem Andachtsjodler und dem französischen Lied "Cantique noel" in der englischen Fassung "O holy night" als Zugaben.

"Wenn sich in solchen seltnen Stunden des Daseins Schönheit offenbart, dann zögre nicht, dich zu verwandeln, nimm' diese Stund' tief in dich hinein". Diese Worte aus dem in der Fuchsenmühle vorgetragenen Lied eines Konstantin Wecker drücken passend die herzerwärmende Atmosphäre aus, die diesem Abend inne wohnte

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