Bad Staffelstein
Arbeitswelt

Weichenstellung fürs Berufsleben in Bad Staffelstein

Handwerksbetriebe und Mittelschulen schlossen sich zusammen, um jungen Menschen mit einer "Job-Rallye" die Berufsfindung zu erleichtern. Die 16 teilnehmenden Betriebe hoffen, dadurch gut motivierten Nachwuchs zu finden.
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Elvis Avdiji arbeitet in der Staffelsteiner Kfz-Werkstatt von Manfred George. Am 11. Juli dürfen die Mittelschüler auch ihn befragen, wie er mit seinem Job zufrieden ist und welche Voraussetzungen man mitbringen sollte, um ihn auszuüben. Matthias Einwag
Elvis Avdiji arbeitet in der Staffelsteiner Kfz-Werkstatt von Manfred George. Am 11. Juli dürfen die Mittelschüler auch ihn befragen, wie er mit seinem Job zufrieden ist und welche Voraussetzungen man mitbringen sollte, um ihn auszuüben. Matthias Einwag
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Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt rasend schnell. Dieser Wandel wird sich in Zukunft wohl noch verschärfen. Der Kampf um die talentiertesten jungen Leute nimmt zu. Um Mittelschülern aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sie in Handwerksbetrieben haben, wollen Geschäftsleute und Lehrer nun neue Wege gehen. Cornelia Schaller, Kontaktlehrerin der Lichtenfelser Herzog-Otto-Schule, und die Staffelsteiner Fotografin Rosi Jörig beschlossen, mit dem Arbeitskreis Schule-Wirtschaft eine "Job-Rallye" ins Leben zu rufen. Als Schwellenbrecher soll diese Veranstaltung jungen Menschen den Einstieg in die Berufsfindung erleichtern und den Handwerksbetrieben gut motivierten Nachwuchs zuführen.

Angekommen im Digitalzeitalter

"Unser Ziel ist es, das verstaubte Image von Handwerksbetrieben wegzubekommen. Es ist heute kein reines Hobeln und Schrauben mehr im Handwerk, wir sind längst in der digitalen Welt angekommen", sagt Rosi Jörig, die Mitinhaberin des Staffelsteiner Fotostudios "promedia" ist.

Cornelia Schaller, die das Projekt auf der Ebene des Schulamtsbezirks Lichtenfels koordiniert, fügt hinzu: "Weil persönliche Bindungen weniger werden, die früher selbstverständlich waren, fällt es Kindern heute schwerer, Praktikumsstellen zu finden." Um Siebtklässern die Chance zu geben, sich selbst ein Bild von den jeweiligen Berufen und Arbeitsplätzen zu machen, werde das Projekt "Job-Rallye" erstmals im Kreis Lichtenfels auf die Beine gestellt. Damit soll den 13- und 14-Jährigen ermöglicht werden, selbst herauszufinden, für welchen Beruf sie geeignet sind und für welchen nicht. Hintergrund sei auch der hohe Migrationsanteil an den Mittelschulen. Die zugewanderten Familien hätten einfach noch nicht das Netzwerk, das früher ganz selbstverständlich war und das den Eltern bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz für ihre Kinder nützte.

Nachwuchsmangel im Handwerk

"Wir haben Nachwuchsmangel", sagt der Staffelsteiner Kfz-Meister Manfred George. "Nachwuchs haben wir früher durch den guten Kontakt zu den Elternhäusern bekommen, das ist heute nicht mehr so", ergänzt er. Dass die Zahl kleiner Kfz-Werkstätten abnehme, sei auf viele Faktoren zurückzuführen. Für Auszubildende biete der Beruf des Mechatronikers jedoch gute Zukunftschancen, denn in der Branche werde gut bezahlt. Bereits im ersten Lehrjahr seien um die 800 Euro monatlich die Regel.

"Ein Mechatroniker wird heute überall mit Handkuss genommen", ergänzt Manfred George, der in den 42 Jahren seiner Selbstständigkeit 36 Lehrlinge ausbildete. Acht von ihnen seien Kfz-Meister geworden. Viele seiner Lehrlinge seien aber in die Industrie abgewandert, weil sie dort mehr Geld verdienten als im Handwerk.

"Wie kann man solche Entwicklungen auffangen?", fragten sich Cornelia Schaller und andere Kontaktlehrer. "Wir müssen auf die gesellschaftlichen Entwicklungen reagieren", sagt sie. Praktika für die Mittelschüler zu finden, werde schwerer, "deshalb wollten wir etwas ganz Neues machen, was wir im Landkreis noch nie machten".

Betriebe machen gern mit

Bei der "Job-Rallye" am 11. Juli können sich Betriebe vorstellen und für sich werben. Rosi Jörig, die in der Vorbereitungsphase die Handwerksbetriebe angesprochen hat: "Ich war überrascht, wie gerne die alle mitmachen. Wir dachten anfangs gar nicht, dass die Resonanz so gut sein würde." Im nächsten Jahr sei es denkbar, die Liste der Betriebe zu erweitern und auf den ganzen Landkreis auszudehnen.

Job-Rallye am 11. Juli in Bad Staffelstein

Ablauf Die 100 Schüler und ihre Betreuer starten um 8 Uhr am Staffelsteiner Bahnhof in Gruppen zu den Betrieben. Dort werden ihnen die Fachleute von 16 Firmen einen Vormittag lang das jeweilige Gewerbe erklären. Sie werden ferner erläutern, wie ein Arbeitstag in der Regel abläuft und wie die Verdienstmöglichkeiten sowie die Aufstiegschancen sind. Parallel dazu findet in Altenkunstadt eine ähnliche Veranstaltung in sechs Firmen statt.

Berufe Bei der Job-Rallye bekommen die Mittelschüler Informationen zu folgenden Berufen: Friseur, Koch, Hotelfachmann, Fachangestellter für Bäderbetriebe, Bäcker, Konditor, Maurer, Fliesenleger, Schreiner, Steinmetz, Optiker, Einzelhandels- und feinkostkaufmann, Maler, Anlagenmechaniker in der Sanitär-, Heizungsbau- und Klimatechnik, Zimmermann, Metzger sowie Sport- und Fitnesskaufmann. red

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