Ebensfeld

Warum ein Lokalpolitiker mit 60 aufhört

Ebensfelds Zweiter Bürgermeister Hauke Petersen tritt im März bei der Kommunalwahl nicht mehr an. Irgendwann muss man mal was Neues machen, sagt der Landwirt und Agrartechniker, der im April 60 Jahre alt wird.
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Seit 1983 wohnt und arbeitet der gebürtige Schleswig-Holsteiner Hauke Petersen am Obermain. Er engagierte sich auch in der Kommunalpolitik. Mit 60 ist damit Schluss, hatte er sich schon vor sechs Jahren vorgenommen. Deshalb kandidiert er  im März nicht mehr für einen Sitz im Gemeinderat. Foto: Matthias Einwag
Seit 1983 wohnt und arbeitet der gebürtige Schleswig-Holsteiner Hauke Petersen am Obermain. Er engagierte sich auch in der Kommunalpolitik. Mit 60 ist damit Schluss, hatte er sich schon vor sechs Jahren vorgenommen. Deshalb kandidiert er im März nicht mehr für einen Sitz im Gemeinderat. Foto: Matthias Einwag

Seit 24 Jahren gehört Hauke Petersen dem Gemeinderat an, davon zwölf Jahre als Zweiter Bürgermeister. Bei der Kommunalwahl im März tritt der CSU-Lokalpolitiker nicht mehr an. Die Entscheidung, 2020 nicht mehr zu kandidieren, hatte er schon vor sechs Jahren getroffen. Hauke Petersen, der im April 60 Jahre alt wird, hatte sich damals vorgenommen: "Diese Wahlperiode machst du mit vollem Einsatz bis zum Schluss. Aber man muss auch mal was Neues beginnen." Das Amt des Zweiten Bürgermeisters machte ihm zwar sehr viel Spaß, doch das ändert nichts an seinem Entschluss: "Jetzt aufzuhören, das ist für mich persönlich der richtige Zeitpunkt."

"Ich bin gern mit Bauern zusammen, das ist mein A und O", sagt der gelernte Landwirt und Agrartechniker, der in Schleswig-Holstein, zwei Kilometer von der dänischen Grenze entfernt, geboren wurde. Die Familie zog jedoch bald nach seiner Geburt nach Kleinrinderfeld in Unterfranken. Hier wuchs er auf und ergriff den Beruf des Landwirts. Seinen nordischen Akzent verlernte er in Franken nicht. Seine hierzulande exotische Aussprache ist so etwas wie sein Alleinstellungsmerkmal unter Lokalpolitikern im Kreis Lichtenfels.

Nach Staffelstein versetzt

An der Fachakademie für Landwirtschaft in Landsberg am Lech bildete sich Hauke Petersen zum Agrartechniker weiter, um in den Staatsdienst zu gehen. Der Freistaat Bayern schickte den jungen Beamten dann 1983 an das Landwirtschaftsamt Staffelstein. Damals musst er das Städtchen erst einmal auf der Karte suchen, denn er kannte es gar nicht.

Weil die Familienplanung mit seiner damaligen Freundin und heutigen Frau zu jener Zeit anders ausgesehen hat, schrieb er Versetzungsgesuche, um eine Stelle in Unterfranken zu bekommen. Nachdem er jedoch längere Zeit am Staffelsteiner Amt eingesetzt war und am Obermain viele Bekannte und Freunde gefunden hatte, änderte sich seine Einstellung - und er blieb hier, zunächst in Döringstadt, ab 1994 im eigenen Haus in Unterneuses. Inzwischen ist der 59-Jährige bei der Staffelsteiner Dienststelle des Coburger Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als Fachberater für Agrarökologie, Düngeberatung und Düngungsüberwachung eingesetzt und für ganz Oberfranken zuständig.

Identifikation mit der Heimat

In die Lokalpolitik kam Hauke Petersen, als ihn die Jungen Bürger (JB) Ende der 1980er Jahre ansprachen. Zunächst kandidierte er bei einer Kommunalwahl für die JB, anschließend für die CSU. Was für dieses Wahlamt unverzichtbar ist: "Man muss sich mit der Sache identifizieren und man muss ein Heimatgefühl haben." Und wo seine Heimat ist, daran lässt Hauke Petersen keinen Zweifel - hier in Oberfranken, wo er nach über 30 Jahren noch immer neue Orte entdeckt, die ihn positiv überraschen.

Unbürokratische Unterstützung

In seinen zwölf Jahren als Zweiter Bürgermeister Ebensfelds hat er viel Schönes erlebt. Scheinbar ganz banale Dinge erfreuten ihn dabei besonders: Als in Draisdorf ein Haus abgebrannt war, wollten die Jagdgenossen der in Not geratenen Familie helfen. "Geben wir doch etwas aus unserer Kasse dazu", wurde vorgeschlagen. Doch der genannte Betrag war anderen Jagdgenossen zu niedrig; sie waren der Ansicht, damit könne man kaum etwas anfangen und plädierten dafür, die Summe zu verdoppeln. Doch auch das erschien zu wenig, so dass die Jagdgenossen die Spendensumme einvernehmlich noch einmal anhoben. Für Hauke Petersen war das angewandte Nächstenliebe, unbürokratische Unterstützung für Nachbarn, die unverschuldet in Not geraten waren.

Ein Höhepunkt in seiner Zeit als amtierender Bürgermeister sei gewesen, dass er der Feuerwehr einen Einsatzbefehl geben musste. Weil der geringe Sauerstoffgehalt des Unterbrunner Baggersees ein Fischsterben auszulösen drohte, sprach er mit Kreisbrandrat Timm Vogler und den Anglern über eine künstliche Sauerstoffanreicherung des Seewassers - und auch über die Kosten eines Feuerwehreinsatzes. "Dann hab' ich den Einsatzbefehl gegeben", sagt Hauke Petersen, "und ich habe gestaunt, dass kurz darauf Sirenen zu hören waren und nach 20 Minuten zehn Feuerwehren mit rund 100 Mann da waren."

Hauke Petersen ist kein Mann großer Reden. Wenn er jedoch bei einem offiziellen Anlass, etwa beim Volkstrauertag, sprechen sollte, dann stellte er sich vorher ein kleines Manuskript zusammen: "Große Lettern auf mehreren Zetteln, damit ich's auch gut ablesen kann." Einmal bei einem solchen Anlass, als er gerade das letzte Manuskriptblatt zur Hand nahm, schnappte er eine Bemerkung zweier vor Kälte bibbernder Kinder auf: "Jetzt hat der noch anZettel!"

Etwas von den Leuten lernen

Überörtliche Veranstaltungen waren nicht so sein Ding, wie er bekennt. "Feuerwehr- und Jagdversammlungen fand ich immer am besten", resümiert der Zweite Bürgermeister, "denn da lernst was von den Leuten." An seiner Entscheidung, als Lokalpolitiker aufzuhören, ändert das allerdings nichts. "Ich möchte noch etwas anderes machen", sagt der Vater dreier erwachsener Kinder. Denn wenn er in offiziellem Auftrag der Gemeinde jemandem zum Geburtstag gratulierte, nahm er sich dafür gerne etwas mehr Zeit - was von den Senioren und ihren Angehörigen jeweils freudig aufgenommen wurde. Besser als Sekt und Häppchen schmeckte ihm bei diesen Gelegenheiten jedoch ein Presssackbrot und a Seidla Bier, wie er bekennt.

"Andere können's genauso gut"

Mehr Zeit möchte er ab dem 60. Lebensjahr für Familie und Hobbys haben - zum Beispiel für Touren mit dem E-Bike. Sein Fazit in nordischem Understatement fällt unspektakulär aus: "Die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Storath machte mir sehr viel Spaß." Über den eigenen Nachfolger im Ebensfelder Gemeinderat sorgt er sich nicht: "Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es andere Leute genauso gut können wie ich."

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