Vierzehnheiligen
Wallfahrt

Wallfahrt nach Vierzehnheiligen: Von Mord und Menschenwürde

Sorgen und Nöte von Arbeitnehmern und Arbeitslosen standen bei einer Wallfahrt am Wochenende im Mittelpunkt.
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Kirchenschweizer Daniel Reitz führte die Wallfahrer in die Basilika. Fotos: Andreas Welz
Kirchenschweizer Daniel Reitz führte die Wallfahrer in die Basilika. Fotos: Andreas Welz
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Unter dem Leitmotiv "Arbeit ist Menschenrecht" fand am Samstag die zwölfte Wallfahrt für Arbeitnehmer und Arbeitslose nach Vierzehnheiligen statt.

Eingeladen hatten die Katholische Betriebsseelsorge Bamberg, der Diözesanverband Bamberg und das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen. Die Wallfahrt begann am Seubelsdorfer Kreuz in Lichtenfels. Auf dem Weg zur Basilika wurden an vier Stationen die Sorgen und Nöte der Menschen in der Arbeit und in Arbeitslosigkeit in Gebeten und Meditationen thematisiert. Betroffene entwickelten ihre Vision einer gerechten Welt. Bei jedem Halt wurde die Mahnglocke geschlagen, die auch zu Beginn des Gottesdienstes in der Basilika erklang.

Niedriglohn als Sackgasse

An der ersten Station machten Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz und DGB-Kreisvorsitzender Heinz Gärtner deutlich, dass Niedriglohn in eine Sackgasse führe. 4900 Vollzeitbeschäftigten im Landkreis Lichtenfels drohe Altersarmut.

Mitarbeiter und Ehrenamtliche der Arbeitsloseninitiative unterstrichen an der zweiten Station die Würde des Menschen. Sie werde verletzt, wenn man nur daran gemessen werde, wie viel Vermögen man habe. Oder, wenn man durch Androhung von Sanktionen dazu gezwungen werde, für Hungerlöhne zu arbeiten.

Die Mitglieder der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) stellten an der dritten Station fest, dass soziale Sicherungssysteme schrumpfen und die gesellschaftliche Polarisierung zunehme. Ihre Forderung: soziale Sicherung für soziale Gerechtigkeit. Es gehe inzwischen um die Zukunftsfähigkeit der Bundesrepublik und um den Zusammenhalt der Gesellschaft. Die Digitalisierung der industriellen Produktion habe weitreichende Folgen für die bestehenden Strukturen und Institutionen der Sozialpolitik.

Der Betriebsseelsorger beleuchtete mit Betriebsräten an der vierten Station die Arbeitsbedingungen der Zukunft. Die Arbeit unterläge einem ständigen Wandel. Verunsicherung und Angst seien Begleiterscheinungen, die solch ein Wandel auslöse. Die Grundfrage laute: "Wo bleibt der Mensch in diesem Prozess?" Der Schutz der Arbeitnehmer vor dauerhafter Überbeanspruchung dürfe den Renditeerwartungen der Chefetagen nicht zum Opfer fallen.

Das Gefühl der Solidarität stand im anschließenden Gottesdienst im Mittelpunkt. Ein Zeichen setzte Seelsorgeamtsleiter Domkapitular Peter Wünsche.

Mit scharfen Worten kritisierte er den Missbrauch der Macht und wählte den ungewöhnlich heftigen Siriustext aus dem Alten Testament: "Kärgliches Brot ist das Leben der Armen. Wer es ihnen raubt, ist ein Blutsauger. Den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt wegnimmt und Blut vergießt, wer einem Lohnarbeiter den Lohn raubt."

Harte Worte bei der Predigt

Wer dem Arbeiter um seinen Lohn betrüge, wer auf Kosten der Schwächeren lebe, der sei im Unrecht. "Lohn vorenthalten ist Blutvergießen und Mord", unterstrich der Seelsorger. Für die, die am unteren Rand des Existenzminimums leben, sei Geld kein Spiel, sondern eine Frage von Tod und Leben. Mindestlohn reiche nicht und garantiere keine Menschenwürde. In diesem Kontext kritisierte er auch die Konsumgewohnheiten. "Wenn eine Jeans zehn Euro kostet, wieviel Cent bekommt dann die Näherin?", fragte er und regte zum Nachdenken an. Er forderte faire Preise und faire Vergütung. Wer sich für den gerechten Anteil aller am Brot einsetze, der sei wie einer, der Blut zur Lebensrettung spende. Dem Nächsten schenkt Leben, wer ihm ehrlich gibt, was ihm für seine Arbeit zusteht. "Leben schafft, wer sich für Gerechtigkeit einsetzt, überall auf der Welt."

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