Lichtenfels
Wahlen

Wahlhelfer leisten wertvollen Beitrag zur Demokratie

Ohne sie keine Wahlen: Wahlhelfer betreuen die Wahllokale, geben die Stimmzettel aus und zählen am Abend die abgegebenen Stimmen. Martina Enzmann und Ruth Gärtner erzählen, warum ihnen dieses Ehrenamt wichtig ist.
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Martina Enzmann ist mit einem offiziellen Schreiben zur Wahlhelferin berufen worden.Fotos: Miriam Hegner
Martina Enzmann ist mit einem offiziellen Schreiben zur Wahlhelferin berufen worden.Fotos: Miriam Hegner
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"Wahlhelfer sein ist ein Ehrenamt, das ich wirklich als Ehre empfinde", sagt Martina Enzmann. Die Lichtenfelserin ist seit über zehn Jahren bei jeder Wahl dabei. "Ich werde immer wieder angeschrieben. Ich wurde auch schon gefragt, ob mir das überhaupt recht ist, aber das ist es. Mir macht es Spaß." Dass sie für dieses Ehrenamt bei jeder Wahl einen freien Sonntag opfern muss, und dieses Jahr sogar zwei, macht ihr nichts aus. Sie hat sogar ihre Urlaubsreise verschoben, auf nach der Bundestagswahl. "Das kann man schon mal machen, schließlich ist nicht jede Woche Wahl - nicht mal jedes Jahr."

Ruth Gärtner aus Schney war bisher zwei Mal Wahlhelferin, bei den Bürgerentscheiden zum Lichtenfelser Fachmarktzentrum und zum Rauchverbot. Dieses Jahr wird sie zum ersten Mal auch als Wahlhelferin für Bundestags- und Landtagswahlen im Einsatz sein.
"Ich finde, man sollte nicht nur vom Staat etwas einfordern, sondern auch selbst seinen Beitrag zur Demokratie leisten." Für sie ist es wichtig, sich am politischen Geschehen zu beteiligen, seit über 30 Jahren ist sie Mitglied in der SPD. "Ich habe noch keine Wahl verpasst, seit ich wahlberechtigt bin." Auch Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern versucht sie stets dazu zu bewegen, wählen zu gehen. "Wir haben alle die Möglichkeit mitzubestimmen, und sollten sie auch nutzen. Wer nicht wählt, darf nachher nicht meckern."

Jeder kann Wahlhelfer werden

Wahlhelfer kann jeder werden, der wahlberechtigt ist, erklärt Peter Zillig von der Stadtverwaltung Lichtenfels. Als Mitarbeiter der Personalabteilung, zu der das Wahlamt gehört, ist er für die Organisation der Wahlhelfer zuständig. "Die Kommunen können ihre Bürger sogar zum Amt des Wahlhelfers verpflichten", führt er aus. "Aber wir wollen niemanden zwingen. Wer freiwillig dabei ist, macht seine Aufgabe motiviert und zuverlässig, und das ist schließlich wichtig." Pro Stimmbezirk, in dem es je ein Wahllokal gibt, werden sieben bis acht Wahlhelfer gebraucht. Sie bilden den Wahlvorstand für ihren Stimmbezirk."Das macht bei den 34 Stimmbezirken in Lichtenfels und den Ortsteilen fast 300 Wahlhelfer in unserem Zuständigkeitsbereich." Etwa drei Mal so viele werden im ganzen Landkreis gebraucht, schätzt Zillig. Ganz einfach ist es für ihn und seine Kollegen nie, genügend Wahlhelfer zu finden. "Wir schreiben alle an, die schon bei früheren Wahlen im Einsatz waren, und auch die meisten Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes sollten sich bereit erklären", sagt er. "Aber es springen doch immer wieder Leute ab, wegen Urlaubsplanung, familiären Verpflichtungen oder aus gesundheitlichen Gründen." Deshalb könnten sich, auch wenn die Einteilung der Wahlhelfer bereits stattfand, auch jetzt noch Kurzentschlossene beim Wahlamt ihrer Gemeinde melden. "Wir freuen uns über jeden freiwilligen Wahlhelfer," so Zillig.

Martina Enzmann hat vor über zehn Jahren zum ersten Mal die Einladung in den Wahlvorstand erhalten. "Das waren Kommunalwahlen, da werden immer besonders viele Wahlhelfer zum Auszählen gebraucht." Sie hatte sich zwar nicht von sich aus beim Wahlamt gemeldet, hat das Ehrenamt aber trotzdem gern angetreten. Seitdem ist sie bei jeder Wahl dabei.

Im Wahllokal kennt sie fast jeden

Ruth Gärtner ist durch ihren Mann zur Tätigkeit als Wahlhelferin gekommen. "Er ist schon seit 20 Jahren Wahlhelfer", erzählt sie. "Früher hab ich dann den Sonntag meist mit den Kindern zu Hause verbracht oder für die Wahlhelfer Kaffee gekocht. Jetzt sind die Kinder fast alle aus dem Haus und der Sonntag allein daheim langweilig." Da könne sie genauso gut selbst Wahlhelferin werden, habe sie sich gedacht. "Außerdem ist es eine gute Sache." Zudem mag sie die Arbeit im Wahllokal. "Das Auszählen wird bestimmt spannend. Das war schon beim Bürgerentscheid zum Fachmarktzentrum so, da hielten sie die Ja- und Nein-Stimmen lange die Waage." Auch sonst wird es nicht langweilig, ist sich Ruth Gärtner sicher. "Man kennt ja alle hier im Ort, die, die zum Wählen kommen genauso wie die anderen Wahlhelfer. Da kann man sich über Gott und die Welt unterhalten, es geht da eher locker zu."

Martina Enzmann dagegen findet, dass die Zeit, während der das Wahllokal geöffnet hat, doch manchmal recht lang wird. "Tagsüber, wenn man auf die Wähler wartet und gerade nichts los ist, kann es schon ein bisschen langweilig werden", erzählt sie. "Aber das Auszählen ist spannend." Voll bei der Sache müsse man da sein, um sich nicht zu verzählen. "Das ist schon auch anstrengend. Wenn irgendwo ein Fehler passiert, muss schließlich alles nochmal gezählt werden. Da muss man sich wirklich konzentrieren." Besonders die Kommunalwahlen seien kompliziert zu zählen. "Da hat ja jeder Wähler 30 Stimmen, die beliebig verteilt werden können." Das Auszählen habe da so manches Mal schon bis spät in die Nacht gedauert.

Bis morgens um sechs ausgezählt

Auch Ruth Gärtner kennt dies von ihrem Mann. "Der kam manchmal erst früh um sechs nach Hause. Dann hat er extra für den Montag Urlaub genommen, nach so einer Nacht kann man ja nicht auf die Arbeit." Sie selbst könnte sich, da sie in Teilzeit arbeitet, ihre Schichten so legen, dass sie, wenn nötig, ebenfalls am Montag ausspannen könnte. Martina Enzmann kann als selbstständige Fotografin nicht frei machen. "Ich muss am Montagmorgen den Laden aufsperren, egal wie spät der Wahlabend zu Ende ist."

Ganz so lang wird es aber diesmal nicht gehen, sagt Peter Zillig. "Die Bundestagswahl wird wahrscheinlich nach einer Stunde schon ausgezählt sein. Bei der Landtagswahl wird es etwas länger dauern, so bis 22 oder 23 Uhr", schätzt er. "Da müssen ja auch noch die Stimmzettel für Bezirkswahl und die Volksentscheide ausgezählt werden."

Auf den Korbmarkt werden Ruth Gärtner und Martina Enzmann am Sonntag der Landtagswahl nicht gehen können, aber das bedauern sie nicht. "Den Korbmarkt kenne ich nun wirklich in- und auswendig", meint Ruth Gärtner. "Der Trubel am Sonntag ist mir eh zu groß. Ich geh‘ zur Eröffnung, das reicht mir." Martina Enzmann sieht das ähnlich. "Ich kann ja Freitag oder Samstag gehen."
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