Vierzehnheiligen
Wallfahrtsbasilika

Vierzehnheiligen ist wieder Baustelle

Besucher der Wallfahrtsbasilika sehen das Portal des berühmten Bauwerks derzeit eingerüstet. Und das bleibt noch länger so.
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Die Figur des Apostels Paulus an der Westfassade (hier zwischen den Gerüstflächen) ist ein Fall für die Restauratoren: Die weißen Flecken sind Steinergänzungen, die sich im Laufe der Zeit durch Abwitterung und UV-Licht farblich verändert haben. Foto: Staatliches Bauamt Bamberg.
Die Figur des Apostels Paulus an der Westfassade (hier zwischen den Gerüstflächen) ist ein Fall für die Restauratoren: Die weißen Flecken sind Steinergänzungen, die sich im Laufe der Zeit durch Abwitterung und UV-Licht farblich verändert haben. Foto: Staatliches Bauamt Bamberg.
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Die goldenen Kugeln auf den Turmspitzen leuchten in der Sonne, die Frontfassade gleicht allerdings einer Nebelwand. Sie ist eingerüstet, zum Hauptportal der barocken Basilika geht es durch einen Bretterverschlag unter den Eisenstützen hindurch. Bis 2016 war das noch andersherum: die Türme eingerüstet, Portal und darüberliegender Westgiebel frei. Über drei Jahre hatte sich die damalige Sanierungszeit hingezogen. So lange soll es diesmal nicht dauern. Und doch fragt sich manch einer: Hätte man die Arbeiten, die jetzt anstehen, damals nicht mitmachen können? Hätte man nicht, erklärt Jürgen König, der Chef des Staatlichen Bauamtes Bamberg. Die Behörde ist zuständig, wenn an der bekannten Wallfahrtskirche etwas saniert werden muss. Und das ist beinahe ständig der Fall.

Immer wieder Schadensfälle

Bei einem Bauwerk dieser Dimension gebe es leider immer wieder Schadensfälle, da könne man nicht alles auf einmal machen, betont der Amtsleiter. Abgesehen davon, dass es schon jetzt schwierig sei, Firmen dafür zu finden. Für die aktuellen Steinmetzarbeiten, die vor allem das Giebelrelief und die dort oben stehenden Figuren betreffen, sei ein Gerüst mit höherer Traglast erforderlich. Es ist, wie König erläutert, vergleichsweise teurer als die Art, die an den Türmen angebracht war, wird allerdings auch nicht so lange benötigt. Damals dauerte allein das Auf- und Abbauen des Gerüstes jeweils etwa drei Monate, was dieses Mal in sechs Wochen zu machen ist. Die Kosten für die Sanierung der Türme wurden auf zwei Millionen Euro beziffert, für die aktuellen Restaurierungen sind rund 800 000 Euro veranschlagt.

Der für die Sanierung von 2013 bis 2016 zuständige Architekt des Bauamtes, Walter Christa, ist zwischenzeitlich im Ruhestand. Er hat den Stab an Monika Dierauf (Technische Amtsrätin/ Architektin) übergeben. Eine Liegenschaft wie Vierzehnheiligen ist aber immer auch Chefsache. "Wie beim Bamberger Dom besteht auch hier eine große Verbundenheit", sagt der Behördenleiter. Diese fränkischen Aushängeschilder werden sehr genau beobachtet. Man wisse, dass am Dachstuhl und am Längsschiff ebenfalls Arbeiten anstehen, so Jürgen König, und werde diese bewerten und priorisieren. Wenn in ein, zwei Jahren wieder ein Gerüst aufgebaut werden muss, wird dies also ebenso wenig überraschend sein wie jetzt gerade.

Drei Aufträge stehen an: die Natursteinsanierung von Figuren, Mauerwerk und Fugen sowie die Schadenskartierung am Relief des Giebeldreiecks. Der Zahn der Zeit hat daran genagt. Frühere Eisenbefestigungen und der unvermeidbare Rost hinterließen Spuren - heute nimmt man Edelstahlklammern. Die Witterung ermöglicht nur an etwa sechs Monaten im Jahr ein Arbeiten, denn es muss eine Temperatur von über 6 Grad C herrschen. Im November kann folglich wohl eine Zwangspause eingeläutet werden. Im wahrsten Sinne des Wortes beinahe, denn am 24. November sollen erstmals nach gut sechs Monaten Stille die Glocken der Basilika wieder läuten. Der Glockenstuhl wurde erneuert, Stahl gegen Holz ausgetauscht. Keine einfache Angelegenheit, da die Halterung aus diesem Werkstoff mehr Platz in Anspruch nimmt - aber "besser für die Schwingung" ist, wie der Bauamtsleiter erklärt.

Das Geläut wird verändert und erweitert. Über den Glockenguss wurde bereits mehrfach berichtet. Dies sei allerdings eine "rein kirchliche Maßnahme", betont Jürgen König.

Die wird auch von kirchlicher Seite finanziert, wie Pater Heribert Arens, Guardian des Franziskanerklosters, unterstreicht. Man habe Sponsoren angeschrieben, weitere Spenden seien willkommen. Zwischen 350 000 und 400 000 Euro müssen aufgebracht werden. Man habe die Notwendigkeit, die Glockenstühle erneuern zu müssen, zum Anlass genommen, auch für einen festlicheren Klang zu sorgen. Insgesamt soll die Veränderung im Inneren der Türme auch die Statik schonen. Mit dem Gerüst habe das allerdings nichts zu tun, merkt der Pater an. Höchstens insofern, dass es jetzt natürlich mitgenutzt werde, um nach oben zu gelangen. Die Glocken werden aber wohl mit einem Kran hinauf gebracht.

Derweil wird von den Wallfahrern natürlich das Fehlen des Glockenklangs registriert. Die den 14 Nothelfern geweihte Basilika, eine der herausragenden Stätten im Maintal, verzeichnet um die 500 000 Besucher im Jahr. Mit Gerüsten an verschiedenen Stellen wird auch in Zukunft gerechnet werden müssen. Der zuständige Abteilungsleiter beim Staatlichen Bauamt, Andreas Hetzer, bringt es auf den Punkt: "Wenn man an der einen Seite fertig ist, fängt man an der anderen an."

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