Lichtenfels
Interview

Vertrauen in einen starken Partner

Frank Herzog schied als Geschäftsführer bei Concept Laser aus. Wir fragten ihn, was ihn dazu veranlasste.
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Frank Herzog Foto: Christoph Wiedemann
Frank Herzog Foto: Christoph Wiedemann

Frank Herzog ist zum August als Geschäftsführer aus dem Unternehmen ausgeschieden, das er einst mit gründete und aufbaute: Concept Laser. Wir sprachen mit dem Unternehmer, wie es dazu kam und wie es für ihn weitergeht. Frage:Zu welchem Datum sind Sie ausgeschieden?

Frank Herzog: Der 31.7.2019 war mein letzter Arbeitstag als Vorsitzender Geschäftsführer. Ich bin auf eigenen Wunsch aus der Unternehmensführung ausgeschieden. Ich bleibe aber weiterhin Gesellschafter der Firma und vertrete die Interessen der Altgesellschafter gegenüber General Electric (GE).

Was gab den Anlass?

Als wir 2016 aufgrund des immensen Wachstums der Firma, aber auch der Branche insgesamt, 75 Prozent unserer Firmenanteile an General Electric verkauft haben, taten wir dies, um einen starken Partner an Bord zu holen, der in der Lage ist, die Firma und damit auch die Technologie mit den notwendigen Investitionen für die globalen Herausforderungen aufzustellen. Investitionen, die wir als kleines, mittelständisches Unternehmen im Wettbewerb mit den großen Konzernen nicht hätten leisten können. Wir haben 25 Prozent der Anteile behalten als deutliches Signal an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unsere Lieferanten und Partner, aber auch an die Region, mit der wir verwurzelt sind, dass wir diese Transformation von einem mittelständischen Unternehmen zu einem global agierenden Unternehmen mit all unserer Energie begleiten wollen. Gleichzeitig war auch klar, dass unser Unternehmen sehr auf das Gründerehepaar fixiert war und dass dieser Umstand, um mit dem Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu gehen, geändert werden musste. Deshalb wurde in den letzten ein-, eineinhalb Jahren ein Leadership, eine Führungsmannschaft, im wesentlichen aus den eigenen Mitarbeiterreihen aufgebaut. Ihre Verantwortung ist es jetzt, die Geschicke des Unternehmens zusammen mit dem neuen CEO, Jason Oliver, und seiner Führungsmannschaft zu übernehmen. Wir sind der Meinung, dass sich dieses Führungsteam etabliert hat und jetzt schon eine hohe Akzeptanz im Unternehmen genießt. Dies ist der eine Grund für unsere Entscheidung, uns zurückzuziehen.

Ein wichtiger anderer Grund ist der 3D-Campus: Dafür haben wir in den letzten drei Jahren alles gegeben. Dass die Firma und Technologie da bleibt, wo sie entwickelt und vor allem aus der Taufe gehoben wurde. Dass der 3D-Campus in Lichtenfels entstanden ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Wäre das Industriegebiet just zu dem Zeitpunkt, als es darauf ankam, nicht zur Verfügung gestanden, wäre es aus Platzgründen eng geworden. Ohne die lokale Politik, ohne unsere Partner auf der Baustelle, ohne das wirklich überdimensionale Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ohne das großartige Vertrauen von Seiten General Electrics in uns wäre der 3D-Campus nie entstanden. Jetzt steht er an den Pforten von Lichtenfels und am 13. September 2019 ist Einweihung, und für meine Frau und mich Anlass und wichtiger Milestone für eine wichtige Entscheidung. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freuen sich alle in den 3D-Campus einzuziehen, für uns der richtige Zeitpunkt loszulassen und unser Unternehmen in die neue Struktur übergehen zu lassen. Das war keine leichte Entscheidung, wir sind uns aber einig, die richtige für das Unternehmen und seinen tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Zu welchem Zeitpunkt stand die Entscheidung fest?

Da gab es keinen festen Zeitpunkt, der Zeitpunkt, der für uns maßgeblich war, das Unternehmen in guten Händen zu wissen, gefestigte Strukturen aufgebaut zu haben und das notwendige Umfeld geschaffen zu haben, in dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sich gut aufgehoben fühlen. Solch ein Transformationsprozess ist kein Spaziergang und verlangt von allen alles ab - ab dem Zeitpunkt, als wir das Gefühl hatten, dieser Prozess fängt an, zu gelingen, reifte gleichzeitig auch der Gedanke, sich Stück für Stück im Sinne der Firma zurückzuziehen. Also auch für uns ein Prozess. Wir sind GE dafür sehr dankbar, dass man uns die Gelegenheit gegeben hat, unseren eigenen Prozess selbst gestalten zu dürfen.

Wäre es keine Alternative gewesen, sein Werk als Leiter der Geschäftsführung fortzusetzen?

Sicher gibt es zu Entscheidungen immer auch Alternativen. Mein operatives Tagesgeschäft hat sich aber insofern verändert, dass ich mich in der Zwischenzeit außerhalb der Firma in Netzwerken und ehrenamtlichen Tätigkeiten, aber auch in der Unterstützung und Beteiligung junger Unternehmen engagiere. Die Ausübung einer solch verantwortungsvollen Position, wie die eines Vorsitzenden Geschäftsführers, bedarf der vollen Konzentration auf die Aufgabe. Das war nach meinen eigenen Ansprüchen und der Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht mehr möglich und deshalb auch hier die konsequente Entscheidung den Staffelstab an dieser Stelle an die richtigen Leute zu übergeben.

Sie hatten nach dem Verkauf an GE weiter eine Minderheitsbeteiligung von 25 Prozent? Halten Sie die weiter?

Wir sind nach wie vor Gesellschafter der Concept Laser GmbH zu 25 Prozent, ich vertrete als Sprecher die Interessen der Altgesellschafter weiterhin.

Welchen Aufgaben werden Sie sich künftig widmen?

Da gibt es eine Fülle von Aufgaben. Das sind vor allem die Berufung in den Expertenkreis "Additive Fertigung in Bayern" durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Energie und Technologie. Die Berufung zum Kuratoriumsmitglied der Fraunhofer Gesellschaft, Fördermitglied der Neue Materialien Bayreuth. Und natürlich aktuell das Engagement als Initiator für unser heimisches Leuchtturmprojekt, dem "FADZ" - Forschungs- und Anwendungszentrum für Digitale Zukunftstechnologien. Zusammen mit der Stadt und dem Kreis Lichtenfels, der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Coburg wollen wir ein Zentrum im Herzen von Lichtenfels aufbauen, das in vielerlei Hinsicht für Stadt und Kreis Lichtenfels zukunftsweisend sein soll. Vor allem sollen digitale Zukunftsthemen in den Lichtenfelser Raum gezogen werden und hier für die heimische Bevölkerung, Wirtschaft und Institutionen adressiert werden. Ein künftiger Masterstudiengang "Additive Fertigung und Leichtbau" soll auf mittlere Sicht in Lichtenfels verankert werden, das bedeutet, Lichtenfels wird auch ein Ort des Studierens und Forschens werden. Die kürzlich vorgestellte Kirschbaummühle könnte kein besserer Ort für dieses Vorhaben sein. Sicherlich werde ich auch weiter unternehmerische Ziele außerhalb von Concept Laser verfolgen, dazu gibt es eine Vielzahl von Ideen. Und dann ist da ja noch unsere Firma, die bald komplett nach Seubelsdorf umgezogen sein wird. Wir haben von GE große Wertschätzung erfahren und es besteht auch der Wunsch, dass wir uns weiter für das Unternehmen engagieren und das tun wir, da wo wir unterstützen können, weiterhin sehr gerne.

Das Gespräch führte Tobias Kindermann.

Das Unternehmen

Concept Laser wurde im Jahr 2000 von Kerstin und Frank Herzog gegründet, zunächst als eine Tochterfirma der benachbarten Hofmann-Betriebe in Lichtenfels/Schney.

2016 kaufte der US-Konzern General Electric (GE) für 549 Millionen Euro 75 Prozent des stark expandierenden Unternehmens. Seit 2010 verzeichnete Concept Laser um die 50 Prozent Wachstum, im ersten Halbjahr 2016 sogar 100 Prozent. Die Herzogs entschieden sich deshalb, einen starken Partner zu suchen, um die Zukunft der Firma zu sichern.

Vertraglich fixiert wurde auch eine Arbeitsplatz- und Standortgarantie für fünf Jahre, zudem verpflichtete sich GE, für über 100 Millionen Euro ein neues Fertigungszentrum in Lichtenfels aufzubauen.

Dieses ist aktuell im Bau, demnächst werden die Produktionshallen bezogen, das Office-Gebäude wird 2020 bezugsfertig sein. Insgesamt sollen dort dann 550 Personen arbeiten. Platz gibt es für 700 Beschäftigte.

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