Kloster Banz
Sozialverband

VdK tritt seit 70 Jahren für Gerechtigkeit ein

Der Sozialverband VdK blickte bei einem Festakt im Kaisersaal von Kloster Banz auf 70 Jahre Engagement für Benachteiligte zurück.
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Für 70 Jahre Mitgliedschaft wurden die Gründungsmitglieder (von links) Reinhard Beck, Berta Palm, Georg Bischoff, Phillipp Dumproff und Andreas Gutgesell geehrt; im Bild mit Kreisvorsitzendem Heinz Wittmann und VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Roland Dietz
Für 70 Jahre Mitgliedschaft wurden die Gründungsmitglieder (von links) Reinhard Beck, Berta Palm, Georg Bischoff, Phillipp Dumproff und Andreas Gutgesell geehrt; im Bild mit Kreisvorsitzendem Heinz Wittmann und VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Roland Dietz
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"Zukunft braucht Menschlichkeit" lautet ein Slogan des Sozialverbandes VdK. Dass in dieser Aussage viel Inhalt steckt, zeigte das Jubiläum 70 Jahre VdK-Kreisverband Lichtenfels in beeindruckender Weise. Im Kaisersaal von Kloster Banz lobten alle Redner die großartige Arbeit des Verbandes. Kreisvorsitzender Heinz Wittmann konnte zur Feier die VdK-Präsidentin Deutschlands und Landesvorsitzende Bayerns, Ulrike Mascher, begrüßen.
Eingeleitet wurde der würdige Festakt durch das Streichquartett der Familie Förner und Mozarts Allegro aus KV 157.

In seiner Chronik über die vergangenen 70 Jahre beschrieb Heinz Wittmann die Entwicklung des ehemaligen Verbands der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschland e.V. zum modernen Sozialverband im Landkreis Lichtenfels. Im Jahr 1945 standen die Menschen vor einem Trümmerhaufen. Um die Not der Kriegsopfer zu lindern, wurde 1946 der VdK- Verband Bayern gegründet. Danach breitete sich die Organisation flächendeckend aus. Im Landkreis Lichtenfels gründeten sich 1947 15 Ortsverbände: Altenkunstadt, Bad Staffelstein, Burgkunstadt Ebensfeld, Hochstadt, Itzgrund, Lichtenfels, Mainroth, Marktzeuln, Michelau, Redwitz, Schney, Schwürbitz, Seubelsdorf und Weismain. Dies machte die Schaffung eines Kreisverbandes nötig. Der konstituierte sich im Dezember 1947, ein Jahr nach Gründung des VdK- Bayerns.

Das erste Protokoll vom 8.Mai 1948 weißt Theodor Lankes als Kreisvorsitzenden aus. Mit Lautergrund und Marktgraitz kamen die nächsten Verbände dazu, und am 24. 7. 1948 wurde mit Josef Sille ein neuer Vorsitzender gewählt. Die Geschäftsstelle war zunächst in der Korbfachschule Lichtenfels untergebracht, 1952 zog man in neue Räume der Gastwirtschaft Böttner um. In den Anfangsjahren gab es viele Veränderungen im Kreisvorstand. 1950 gehörten 28 Ortsverbände dem Kreisverband an. Die Verbände Itzgrund und Neuensorg, die wegen der Gebietsreform in den 70er-Jahren eigentlich zum Landkreis Coburg gehörten, blieben dem Kreisverband Lichtenfels jedoch treu. In den 50er-Jahren kamen an einem Tag oft über 30 Hilfesuchende in die Kreisgeschäftsstelle. Rentenangelegenheiten, Widerspruchsverfahren und Klagen wurden beim Sozialgericht eingereicht. Im Mai wurde das "Zehnjährige" unter Beteiligung der Ortsverbände gefeiert, auch eine sozialpolitische Tagung gehörte dazu.
In den folgenden Jahren wechselten die Kreisvorsitzenden. 1958 bestand der Kreisverband Lichtenfels aus 2864 Mitgliedern, die sich aus 1212 Kriegsbeschädigten, 1376 Hinterbliebenen, 250 Sozialrentnern und 26 Zivilbeschäftigten zusammensetzten. Der im damaligen Landkreis Staffelstein gegründete Kreisverband und der Lichtenfelser Kreisverband wurden 1960 zusammengeschlossen. Zwischen 1964 und 1979 war Martin Tischer Kreisvorsitzender, ihm folgte 1981 der unvergessene Walter Großmann (MdL), der das Amt bis zu seinem Tode 2007 innehatte. Seit den Jahre 2009 ist nun Heinz Wittmann als Vorsitzender tätig. Am längsten als Kreisgeschäftsführer fungierten von 1961 bis 1981 Michael Schubert, von 1981 bis 1995 Wolfgang Dietzel, und seit 2002 leitet Peter Groh die Geschäftsstelle.
Weitere wichtige Ereignisse waren der Umzug aus der Kronacher Straße in das neu eingerichtete Haus in die Viktor-von-Scheffel-Straße 27 im Jahre 1993.
Im Mittelpunkt des Denkens und Handelns müsse immer der Mensch stehen, betonte Heinz Wittmann, egal welcher Nationalität, ob arm, ob reich, ob gesund oder arm, ob alt oder jung. Der VdK stehe für soziale Gerechtigkeit und Verträglichkeit.

Der stellvertretende Bürgermeister Bad Staffelsteins, Hans-Josef Stich (CSU), überbrachte die Glückwünsche der Stadt und erklärte, dass sich die 70-jährige Arbeit des VdK- Kreisverbandes kaum in Worte fassen lasse.
Lichtenfels' Dritter Bürgermeister Winfried Weinbeer (FW) hob den Aspekt der christlichen Nächstenliebe als Grund seines eigenen Engagements beim VdK heraus. Bundestagabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) freute sich über die Menschen, "die in den Verbänden wertvolle Arbeit verrichten". Landrat Christian Meißner (CSU) sah die VdK-Verbände als starke Gemeinschaften, in welchen nicht der Einzelne im Mittelpunkt stehe, sondern das Wir-Gefühl.
Vdk-Bezirksgeschäftsführer Roland Sack sagte, man sollte sich politisch einmischen, damit die entsprechenden Themen im sozialen Bereich weitergetragen werden. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher freute sich über den Kreisverband Lichtenfels mit seinen 24 Ortsverbänden. In Deutschland verleihen inzwischen 18. Millionen Mitglieder ihren Forderungen in politischen Themen wachsendes Gehör, wie sie herausstellte. Deutschland ist 1947 aus Trümmern wieder entstanden. Dies hätten Menschen geschafft, die heute für 70 Jahre Mitgliedschaft im VdK geehrt werden. Die Sorgen damals waren groß, dennoch wurde zusammen angepackt. Bundesversorgungsgesetz, Körperbehindertengesetz, Benachteiligungsverbot, Gleichstellungsgesetz - all das sind Begriffe, so Mascher, die die Handschrift des VdKs tragen. Barrierefreiheit müsse aber auch in die Köpfe der Gesellschaft. Dies bedeute, Menschen gerade im Berufsleben eine Chance zu geben. Die gesetzliche Rente dürfe nicht absinken. Menschen mit Erwerbsminderung reiche ihre Rente oft nicht zum Leben. Frauenrente sollte gerecht angeglichen werden. Im Pflegebereich seien weitere Verbesserungen nötig. Es dürfe auch nicht sein, dass ältere Versicherte gegenüber Jüngeren wie bei Reha- Maßnahmen Nachteile haben. Dies alles zeige, dass Engagement im sozialen Bereich weiterhin nötig ist und ein starker VdK weiter gebraucht werde, um für Benachteiligte viel zu erreichen.

Höhepunkt war dann die Ehrung von sechs Gründungsmitgliedern des VdK. Für 70-jährige Treue und Mitarbeit wurden Reinhard Beck, Berta Palm, Georg Bischoff, Phillipp Dumproff und Andreas Gutgesell ausgezeichnet, die als "Kämpfer der ersten Stunde" bezeichnet wurden.
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