LKR Lichtenfels
Buslinien

Umweltfreundlich bevorzugt

Bei der Neuausschreibung von Buslinien sollen modernste Abgasnormen berücksichtigt werden. Ob die tatsächlich eingefordert werden, bleibt aber offen.
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Der Bus an sich ist ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, weil er Verkehrsströme bündeln und den Individualverkehr verringern kann. Mit moderner Antriebstechnik kann der Schadstoffausstoß noch erheblich verringert werden.Ronald Rinklef
Der Bus an sich ist ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, weil er Verkehrsströme bündeln und den Individualverkehr verringern kann. Mit moderner Antriebstechnik kann der Schadstoffausstoß noch erheblich verringert werden.Ronald Rinklef

Der Bus an sich ist umweltfreundlich - wenn er von vielen Menschen genutzt wird und somit Individualverkehr einspart. Der Landkreis Lichtenfels hat sich auf den Weg gemacht, das Angebot im ÖPNV (Öffentlichen Personennahverkehr) erheblich auszubauen. Dafür wird Geld in die Hand genommen, die Bürger konnten sich in die Planung einbringen und dürfen sich auf neue und verbesserte Verbindungen freuen. Rund 485 000 Kilometer Linienverkehr und weitere rund 225 000 Kilometer Bedarfsverkehr pro Jahr werden europaweit ausgeschrieben.

Betriebsstart für die ersten Linienbündel wird September dieses Jahres sein. Die Ausschreibungen erfolgen - je nach Ablauf der bisherigen Konzessionen - zeitversetzt. Ein Anwalt mit Arbeitsschwerpunkt Vergaberecht und ÖPNV begleitet die zuständige Abteilung im Landratsamt hierbei, denn es ist aufgrund der Vorgaben ein kompliziertes und langwieriges Verfahren.

2015 wurden die ersten Erhebungen für den neuen Nahverkehrsplan gemacht, im Herbst 2016 beschloss ihn der Kreistag einstimmig. Regionale Busunternehmer wurden einbezogen, auch Vertreter von Kommunen und Wirtschaftsverbänden. Für die ersten Strecken ging allerdings bis zur Abgabefrist Dezember 2018 kein eigenwirtschaftlicher Antrag eines Busunternehmers ein. Nun ist laut Helmut Kurz, Landratsamt Lichtenfels, eine erneute Veröffentlichung im EU-Amtsblatt im September geplant. Kommt kein eigenwirtschaftlicher Betrieb zustande, läuft es darauf hinaus, dass der Landkreis übernimmt. Nach einer gemeinwirtschaftlichen Ausschreibung erbringen Firmen die Leistung unter Verzicht auf staatliche Fördermittel.

Inzwischen kam im Kreistag ein Ausschreibekriterium zur Sprache, das stärkere Gewichtung erfahren soll: die Umweltfreundlichkeit. Bernhard Christoph (Grüne) plädierte dafür, dass bei den Neuausschreibungen modernste Abgasnormen eingefordert werden. Landrat Christian Meißner (CSU) sagte eine Berücksichtigung zu.

Bislang gab es in der Leistungsbeschreibung lediglich die Vorgaben, dass die Busse im Regeltakt maximal zwölf Jahre alt sein dürfen und der EU-Abgasnorm ihres jeweiligen Herstellungsdatums zu entsprechen haben.

Das ist Christoph zu wenig. Eingedenk der Tatsache, dass der Stickstoffausstoß eines Dieselmotors der (aktuellen) Euro VI-Norm weniger als die Hälfte dessen eines der vorausgegangen Euro V-Norm beträgt und auch der zulässige Feinstaubwert noch weiter reduziert wurde, sollte seiner Ansicht nach "das Optimum" herausgeholt werden. "Es ist mir bekannt, dass es Unternehmer in der Region gibt, die auch darauf schauen", betont der Kreisrat der Grünen. Eine entsprechende Vorgabe wäre ein Appell, sich zukunftsorientiert dem Wettbewerb zu stellen.

Anfang vergangenen Jahres verfügten rund 30 Prozent der in Deutschland eingesetzten Kraftomnibusse über einen Dieselmotor der Euro VI-Norm. Der Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) geht davon aus, dass die Werte sich seither schon nach oben bewegt haben. Für Bayern verfüge man nicht über eigene Zahlen, gehe allerdings ebenfalls von einer Quote von 30 bis 35 Prozent aus. Der weitaus größte Teil der Busse im Freistaat wird mit Dieselmotoren betrieben, andere Antriebstechniken wie Erdgas, Hybrid und Elektro machen zusammen keine drei Prozent aus. Man verschließe sich nicht der Diskussion, auf noch umweltfreundlichere Technologien umzusteigen, so Monika Steffen, stellv. Hauptgeschäftsführerin des Verbands, sofern diese zukunftsfähig, zuverlässig und wirtschaftlich seien. Sie verwies in dem Zusammenhang auf den ersten, mit großer öffentlicher Aufmerksamkeit in Betrieb genommenen E-Bus in Rheinland-Pfalz, der Mitte Januar nach gerade mal 14 Tagen in die Garage gestellt wurde - um Probleme mit Batterie und Software zu lösen. "Wir brauchen aber auch Investitionshilfen und Mobilitätsfonds für private Verkehrsunternehmen", so die Sprecherin weiter. Nicht nur die großen Städte, sondern alle Kommunen sollten vom Mobilitätsfonds des Bundes für saubere Luft profitieren können.

Inwieweit seine Forderung umsetzbar ist, ist für Bernhard Christoph nicht vorhersehbar. Es könnte sein, dass gar keine oder nur sehr teure Angebote eingehen. Zumindest sollten höhere Umweltstandards als Alternativposition in den Ausschreibungen verankert werden. Letztlich werden die Kreisgremien darüber entscheiden.

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