Lichtenfels
Trucker-Festival

Trucker-Treff in Lichtenfels: Phil Collins fährt immer mit

Hunderte Fernfahrer trafen sich am Lichtenfelser Schützenplatz und erzählten von ihrem Hobby/Beruf.
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: Sascha Fleischmann hat sich mit seinem Show-Truck zu Idol Phil Collins einen Traum erfüllt.
: Sascha Fleischmann hat sich mit seinem Show-Truck zu Idol Phil Collins einen Traum erfüllt.
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Geld. Das leidige Thema. Doch womöglich können nur Fernfahrer lächeln beim Gedanken, eigenes Geld in den Arbeitsplatz zu stecken. Einblicke beim 8. Trucker-Festival.
Das Wetter war grau. Doch unter diesem Wetter hatten Hunderte Fernfahrer am Schützenplatz drei Tage lang sich und einander. Das genügte und bot ein beinahe symbolisches Bild für die Schwierigkeiten einer Branche und den Willen, sich gegen sie zu wappnen. Und sei es mit Mitteln der Kunst, des Humors oder einer Spießermentalität. Denn Fahrerkabinen sind Wohnzimmer, Esszimmer, Schlafzimmer und Büro zugleich, wer sie nicht pflegt und ausschmückt, der vergrößert sich das Grau einer schwierigen Branche zwischen Billiglohnkonkurrenz und Termindruck.
An die 40 000 Fernfahrer sollen altersbedingt in Deutschland wegfallen, und genügend Nachwuchs für diese Lücke gebe es nicht. Das mache Chefs von Speditionen hellhörig und entgegenkommend für manch ein Fahreranliegen. So kam Andy Hofmeister zum FC-Bayern-Truck. Der Mann, der ihm dazu einst die Fahrzeugschlüssel in die Hand drückte, war der legendäre Ex-Torwart Raimond Aumann, nun im Marketing des Rekordmeisters. Den Tag des Kennenlernens zwischen sich und seinem Truck, hat der 41-jährige Regensburger gut im Gedächtnis: 10. Mai 2015. "Andy, was willst du?", habe sein Chef ihn damals gefragt, als er schon vier Jahre im Betrieb und verdienter Mitarbeiter war. "Der FC-Bayern-Truck wäre der Hammer." Dann habe sein Chef bald grünes Licht gegeben, dann musste aber auch eine Lizenz für dieses Unikat eingeholt werden.


Eine Woche Urlaub investiert

Als der Lkw da war, machte sich Hofmeister auf eigene Kosten an Innengestaltung. Hier 160 Euro für Türverkleidung, dort 1400 Euro für Armaturen, Auslegeware, Vorhänge. "Eine Woche Urlaub habe ich reingesteckt", erklärt der Mann zu seinem betriebenen Lackieraufwand, um die Innenverkleidungen weiß-rot werden zu lassen.
"Ich vergesse immer meinen Hochzeitstag", sagt Spediteur Sascha Fleischmann aus Küps. Dafür blieb ein anderer Termin besser in Erinnerung. "Am 7. Januar 2014 habe ich meinen Lkw bestellt." Der zieht Blicke auf sich, denn von ihm blickt Phil Collins überlebensgroß aus dem dunklen Lack des Sattelschleppers. Damit nicht genug, hängen noch Goldene Schallplatten von ihm an der Kabinenwand, zudem gibt es noch oberhalb des Beifahrereinstiegs eine beleuchtete Nische, in der Trommelstöcke aus der Phil-Collins-Edition mitfahren. "Ich war früher selber Schlagzeuger [...] und wir haben am gleichen Tag Geburtstag." Fleischmann weiß um die Miseren der Branche. Eine bestehe darin, dass niemand mehr bei der Bundeswehr einen Lkw-Führerschein machen kann. Somit wird der teuer und mit 5000 Euro "unattraktiv". Er verstehe, wenn sich Mitarbeiter in ihren Lkw verwirklichen und Erlaubnis bzw. Unterstützung vom Arbeitgeber erhalten. Und er nennt den Nutzen solchen Vorgehens. "Die Autos sind gepflegter und das ist dann wieder unsere Visitenkarte beim Kunden." Dass man sich in Gedanken zur Betonung und Pflege des eigenen Fahrzeugs verlieren kann, weiß Fleischmann, hat er doch an einem weiteren Truck eine rotierende Skulptur angebracht. Mit Nebelmaschine und beleuchtbar. Dass sein Lkw mit Straßenschuhen betreten wird, ist auch ihm undenkbar. "Du wirst eigentlich zum Spießer", so der Mann grinsend. Und er scheut den Gedanken, dass sein Lkw irgendwann mal nicht mehr sein wird.
Ab 700 000 Kilometern bekämen Trucks Macken. Aber bei guter Pflege führen sie nochmal so weit. Und wer pflegt besser als ein Fahrer, der an seinem Truck hängt? Arnim Anbuhl aus Pfarrkirchen ist so einer und könnte mit seinem "Loisl" noch 700 000 Kilometer vor sich haben. Um 3 Uhr nachts ist ihm der zündende Gedanke gekommen, wie sein künftiger Truck auszusehen hat. Darum weckte er auch seine Freundin. Das war im September 2014. "Mit 14 habe ich gesagt, ich möchte einen Show-Truck haben", erklärt der 34-Jährige. 22 000 Euro habe er u. a. für Airbrush in seinen jetzigen Truck gesteckt. "Ich habe sogar einen Kredit aufgenommen", gesteht er. Das sei so gelaufen: "Der Bänker ist ein Kumpel von mir, wir hatten fünf Halbe und dann war's geritzt." Vier Kilometer Kabel habe er im Auto verlegt, darüber sei seine Beziehung kaputtgegangen. Jetzt plane er an seinem Dienstmann-Aloisius-Truck weitere Umbauarbeiten für 4000 Euro. "Mein Chef hat das Auto nie im Originalzustand gesehen, sagt er lachend." Und wenn es aus wirtschaftlichen Gründen mal verkauft werden müsste? "Fünf Tage Trauer - das wäre, wie wenn du einen Hund verlierst", antwortet er. "Oder wie eine Ehefrau", ergänzt ein Kollege im Hintergrund.
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