Lichtenfels

Trockenheit sorgt für Verluste

2018 war bisher ein sonnenreich, warm und der Regen blieb oft aus. Die Bauern müssen ihr Getreide früher ernten.
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Es war wie ein nicht enden wollender Sommertraum. Der Juni war in diesem Jahr in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Fast jeden Tag viel Sonne, warm war es auch und trocken.
Doch es gibt auch noch eine andere Seite: Bisher war das Jahr konstant zu trocken, zu sonnig - und zu warm, wie die Wetterstation in Wolfsdorf bei Bad Staffelstein registriert hat. Alle Werte liegen deutlich über dem langjährigen Mittel. Bewegt sich die Juni-Temperatur im langjährigen Mittel bei 14,9 Grad, waren es diesmal 18,8 Grad. Aber schon der April (13,3/7,1 Grad) und der Mai (17,0/11,7) besaßen kräftige Abweichungen nach oben, ebenso der Januar (4,2/ -1,7).
Dazu war es im ersten halben Jahr sehr trocken, von Januar bis Mai lag die Niederschlagsmenge deutlich unter den sonst üblichen Werten. Im Juni war es ganz besonders trocken. Mit 14,6 mm fehlten sogar über 60 Prozent.
So fühlt man sich schon fast wie in einem heißen Spätsommer, wenn man durch das Maintal fährt - und das liegt auch daran, dass die Getreidefelder zurzeit zügig abgeerntet werden. Die meisten Flächen präsentieren sich schon kahl.
"Ja, wir sind in diesem Jahr zwischen drei und vier Wochen früher dran", bestätigt Hans-Jürgen Rebelein, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Coburg/Lichtenfels. Das Getreide ist einfach reif und muss vom Feld. Doch die Hitze und das trockene Wetter führten dazu, dass der Ertrag in diesem Jahr unter dem Durchschnitt bleiben wird. Die Bauern müssen mit Einbußen von 20 bis 60 Prozent rechnen, je nach Lage. 70 Doppelzentner Weizen in guten, 20 Doppelzentner in schlechten pro Hektar. "Im Schnitt ist es sicher rund ein Drittel weniger."
Als das Getreide im Winter ausgesät worden sei, sei der Boden sehr feucht gewesen. "Da hatten es die Pflanzen leicht an Flüssigkeit zu kommen und haben nur wenig Wurzeln ausgebildet. Dann kam das trockene Halbjahr, in dem sie diese Wurzeln sehr gut hätten brauchen können." Was sich bei Trockenheit auch stark auswirke, seien regionale Regenereignisse. Wer etwas mehr Regen abbekomme, habe auch schnell eine bessere Ernte. Immerhin: Die Ausprägung der Ähren ist grundsätzlich gesund, auch wenn man teilweise an die Grenze zum Schrumpfkorn kommt.
Zumindest etwas Positives: Lothar Teuchtgräber aus Unterzettlitz misst den Feuchtigkeitsgehalt des Weizens auf seinem Feld im Norden von Bad Staffelstein. 14,1 Prozent zeigt das Gerät an. Das ist der Wert, mit dem man seine Ernte direkt bei den Annahmestationen abliefern kann, ohne nachtrocknen zu müssen. Sieben Hektar Weizen hat er in dem Jahr angepflanzt, dazu jeweils dieselbe Menge Raps und Geste. "Da musste ich bisher nirgends nachtrocknen."
War das Wetter in diesem Jahr nun ein Ausreißer? Ja und Nein, sagt Dr. Harald Maier, Leiter der Agrarmeteorologie in Weihenstephan vom Deutschen Wetterdienst: "In unserer Klimaregion sind solche Schwankungen nicht ungewöhnlich. Aber grundsätzlich beobachten wir schon, dass sich der Klimawandel bemerkbar macht. So fängt etwa der Frühling immer früher an, Druckgebiete werden größer und halten sich länger, so dass wir längere Phasen konstanten Wetters haben. Es gibt allgemein einen Trend zu höheren Temperaturen und mehr Trockenheit."
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