Bad Staffelstein
Ostern

Torte darf man trotzdem essen

Mehr als die Hälfte der Fastenzeit ist bereits geschafft. Für die einen spielt das Verzichten keine Rolle und für die anderen beginnt jetzt erst der richtige Kampf. Auf welcher Seite stehen die Bad Staffelsteiner?
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Tanja Salewsky (links) und Theresa Zipfel von "Schäfers Café" präsentieren einen Erdbeerkuchen und eine köstliche Torte - Leckereien, die in der Fastenzeit doch noch für viele Menschen tabu sind.Matthias Einwag
Tanja Salewsky (links) und Theresa Zipfel von "Schäfers Café" präsentieren einen Erdbeerkuchen und eine köstliche Torte - Leckereien, die in der Fastenzeit doch noch für viele Menschen tabu sind.Matthias Einwag

matthias einwagVon Aschermittwoch bis Gründonnerstag dauert die Fastenzeit oder auch österliche Bußzeit genannt. 40 Tage sollten Christen auf etwas verzichten. Die Sonntage sind davon ausgenommen. Beliebte Fastenopfer sind dabei Süßigkeiten und Alkohol. Aber auch auf Internet, unnötiges Plastik und das Smartphone wird mittlerweile gerne verzichtet. Ist die Fastenzeit aber überhaupt noch zeitgemäß und wird sie hier in Bad Staffelstein noch beachtet? Wir haben einmal nachgefragt.

"Es ist wichtig, regelmäßig zu fasten, um den Körper zu entgiften - das Saunieren kann dabei unterstützen", sagt Saunameister Peter Zillig von der Obermain-Therme. Bei aller Fasten-Euphorie neigten jedoch manche Menschen dazu, das Trinken zu vernachlässigen. Das sei jedoch gerade beim Saunieren fatal. Peter Zillig sagte, er wünsche sich zusätzlich zum Nahrungsfasten ein Internetfasten. Die Leute sollten durchaus einmal auf digitale Medien und den Computer verzichten, wieder mehr miteinander reden und das Zwischenmenschliche stärker zum Zug kommen lassen. "Beim Saunabaden versuchen wir, die Leute wieder runterzufahren und den Gästen Ruhe zu vermitteln, so dass sie ihren Körper wieder wahrnehmen können."

Genascht wird trotzdem

Der Staffelsteiner Konditor Markus Schäfer kann in der Fastenzeit keinen Umsatzeinbruch vermelden, was den Konsum von Torten und Kuchen betrifft. Sein Vorschlag: "Erdbeerkuchen essen, der hat weniger Kalorien - man kann ihn auch als Fastenbrecher mit Sahne essen."

Theresa Zipfel aus Grundfeld findet das Fasten grundsätzlich schon gut. Die 20-Jährige, die als Bedienung in "Schäfers Café" arbeitet, gibt aber zu, dass sie sich diesmal nicht dazu aufraffen konnte. Ähnlich sieht das ihre Kollegin Tanja Salewsky. "Ich seh's als überflüssig an", sagt die 28-Jährige, denn sie habe (noch) keine Probleme mit ihrer Figur.

Den Blick auf andere richten

"Durchblick gewinnen, Freiheit von Zwang oder gar Sucht wieder gewinnen, eine leichtere Lebensweise, deren Gewinn die neue Lust am Leben ist." Das verbindet Pfarrer Georg Birkel mit der Fastenzeit. Es gebe im Alltag zu viele Dinge, die einem die Sicht vernebeln und die Zuversicht rauben. Schlimme Nachrichten oder Streit mit den Liebsten seien dabei nur zwei Beispiele. "In der Fastenzeit vor Ostern lädt die Kirche ein, Gewinn aus Verzicht zu ziehen. Nicht nur für das eigene Leben", sagt der Geistliche.

Blick wird frei fürs Wesentliche

Für Christen gehöre es zum Fasten dazu, jenen zu helfen, die es nicht so gut hätten und die sich selber nicht helfen könnten. "Wenn wir fasten, wird der Blick auf die Menschen wieder frei und wir können sie anders wahrnehmen als wir es sonst tun", sagt Georg Birkel. Er selbst zieht Hoffnung und Zuversicht aus der Fastenzeit.

Unsere Redakteure haben auch ihre eigene Meinung zum Fasten und haben sie dargestellt:

pro von Matthias Einwag :Den Versuch ist's wert Fasten, warum nicht? Obwohl jeder weiß, wie schnell die guten Vorsätze vom Silvesterabend über Bord geworfen werden, möchte ich doch dazu ermutigen, hin und wieder mal auf etwas zu verzichten. Schon allein um zu sehen, ob es nicht zur Sucht geworden ist und uns abhängig gemacht hat. Auf was jemand verzichtet, hängt vom Stellenwert ab, das dieses Genussmittel oder Ritual in seinem Leben einnimmt. Ich zum Beispiel könnte leicht aufs Fernsehen verzichten, weil ich gar keinen Fernseher habe und mir nur jene Sendungen aus den Mediatheken ziehen, die ich wirklich sehen möchte. Auf Alkohol verzichte ich in der Fastenzeit ganz bewusst, um mir zu beweisen, dass mir das nichts ausmacht und dass ich Alkohol nicht unbedingt brauche. Natürlich: Keine Regel ohne Ausnahme. Wenn ich in Gesellschaft von Freunden bin - und nicht mehr Auto fahren muss -, trinke ich schon ein Seidla. Wie schon der Arzt und Philosoph Paracelsus in Bezug auf die Giftigkeit von Stoffen sagte: "Die Dosis macht's."

contra von Stefanie Gleixner :Alle Jahre wieder nicht Kaum ist der Januar vorbei, beginnt schon die Fastenzeit. Was liegt da näher, als all die Vorsätze, die man sich zu Jahresanfang genommen hat, gleich nochmal vorzunehmen. Der Verzicht auf Süßigkeiten oder Alkohol gehört zu beliebten Vorsätzen in der Fastenzeit. Und auch zu Neujahr sind das häufig gewählte Wünsche. Meistens scheitern die guten Vorsätze ziemlich schnell. Da bietet es sich doch geradezu an einen weiteren Versuch in der Fastenzeit zu starten. Hält man dann die 40 Tage ohne Süßigkeiten oder Alkohol durch, beginnt meist direkt an Ostern das große Nachholen. Schokohasen werden im Nu verputzt. Und zwar mehr, als man bei zwischendurch mal naschen in den 40 Tagen davor gegessen hätte. Das schlechte Gewissen über das Scheitern des Neujahrsvorsatzes ist dann wieder vergessen, schließlich hat man ja beim Fasten durchgehalten und das reicht dann auch. Ich kann darauf verzichten, denn mit dem ursprünglichen Fasten hat das sowieso nichts mehr zu tun.

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