Lichtenfels
Tradition

Fränkin (80) gibt Tante-Emma-Laden auf - nach über 50 Jahren

Seit 50 Jahren führt Barbara Reichert den Tante-Emma-Laden in Lichtenfels. Jetzt gibt die 80-Jährige den Laden auf, hört aber nicht auf zu arbeiten.
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Barbara Reichert hinter der Kasse. Foto: Niklas Schmitt
Barbara Reichert hinter der Kasse. Foto: Niklas Schmitt
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Wenn Barbara Reichert an der Kasse in ihrem Tante-Emma-Laden steht, hat sie immer auch Zeit für einen kleinen Plausch. Bei manchem Gast, der hereinkommt, weiß sie sogar schon gleich, was er kauft.

Vielleicht eine der großen Flaschen Metzgerbräu, das seit einigen Jahren vom Sohn selbst in Uetzing gebraut wird. Oder etwas aus seinem eigentlichen Kerngeschäft, der Metzgerei. Doch nicht alleine das macht ihren kleinen Laden so besonders.

Tante-Emma-Laden schließt: "Ich muss ja Geld verdienen"

Die Wurst, die im hinteren Teil des kleinen Geschäfts verkauft wird, deren Duft sich überall verbreitet und das Bier sind das eine. Das andere ist natürlich das Sortiment für den Alltag. Am wichtigsten bleibt jedoch Barbara Reichert selbst, die noch immer, mittlerweile mit zwei Hilfskräften, hinter der Kasse steht.

Vor 1969 hat Reichert zusammen mit ihrem Mann das Geschäft eröffnet. Zuvor waren sie regelmäßig auf dem Markt, aber dort wurde es im Winter zu kalt. Also entschlossen sich die beiden für die dauerhafte Variante. Irgendwann verstarb ihr Mann bei einem Unfall und sie war auf sich allein gestellt.

"Es war eine harte Zeit", erzählt sie von früher. Sechs Kinder musste sie großziehen.

Kam sie abends nach Hause, aß sie erst einmal etwas, bevor die Arbeit im Haushalt weiterging: "Ich hatte keinen freien Tag gehabt." Montag bis Samstag wurde durchgearbeitet. Erst vor fünf Jahren gönnte Barbara Reichert sich, den Laden jeden Mittwoch nicht zu öffnen. Wichtig zu Beginn waren die Arbeiter aus der Nachbarschaft, die sich mit Brotzeiten versorgt hatten. So baute sie sich langsam ihre treue Stammkundschaft auf.

Klar fragten die Kinder, warum die Mutter so oft nicht da sei, die aber blieb pragmatisch und zielstrebig: "Ich muss ja Geld verdienen." Noch heute weiß sie die Hilfe ihrer Mutter und der Schwiegermutter zu schätzen, ohne die sie das damals nicht geschafft hätte

Lichtenfels: Die Kunden machen es nicht leicht

Nach einigen Jahren hatte sie ihren Tante-Emma-Laden der Edeka angeschlossen, aber nie etwas vom direkten Kontakt zu ihren Kunden verloren.

Nach dem heutigen Dienstag wird Barbara Reichert ihren kleinen Tante-Emma-Laden endgültig schließen. Viele, die in den letzten Tagen noch bei ihr einkaufen waren, beklagten den Verlust, den das bedeuten würde.

Nicht leicht würden ihr es die Kunden machen. Manches Mal in den letzten Tagen, so erzählt Reichert, habe sie schon eine Träne in den Augen gehabt. Das heißt aber auch, der Zuspruch, den Reichert über die Jahre hinweg bekommen hat, ist noch ungebrochen. "Die meisten Leute sagen, dann fahren wir halt nach Uetzing", so Reichert. Dort bekämen sie, was sie bisher in ihrem Laden bekommen haben.

50 Jahre, das ist schon eine Zeit, besonders wenn man bedenkt, dass sie schon mit zwölf Jahren ihren Vater auf den Markt begleitet hat. "Ich bin jetzt über 50 Jahre hier drin," sagt sie, "das reicht." Aufhören kann sie aber doch nicht ganz. Jeden Morgen steht sie um 4 Uhr auf, trinkt ihren Kaffee und liest die Zeitung, bevor sie ins Geschäft ihres Sohnes geht und die Wursttheke einräumt und die Zeitungen auslegt.

Denn schon früh kommen die Ersten, die sich ihre Brotzeit für die Arbeit mitnehmen. Viel verändert zu früher hat sich eigentlich nicht. Nur für Lichtenfels geht ein Kapitel zu Ende.

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