Kloster Banz
Geschichte

Suizid in Banz von 1945 recherchiert

Heinz Pfuhlmann hat Fakten über den NS-Funktionär Kurt von Behr aus Archiven zusammengetragen. Als hoher Führer des Roten Kreuzes und als Mitglied des "Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg" war Behr 1944 nach Banz gekommen und hatte sich dort 1945 gemeinsam mit seiner Frau vergiftet.
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Heinz Pfuhlmann recherchierte die Geschichte des NS-Funktionärs Kurt von Behr, der sich zusammen mit seiner Frau 1945 in Banz das Leben nahm. Foto: Matthias Einwag
Heinz Pfuhlmann recherchierte die Geschichte des NS-Funktionärs Kurt von Behr, der sich zusammen mit seiner Frau 1945 in Banz das Leben nahm. Foto: Matthias Einwag
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Wie einen Krimi zeichnete Heinz Pfuhlmann den Lebenslauf des hohen NS-Funktionärs Kurt von Behr in einem Vortrag nach, den der Oberstudiendirektor a. D. am Donnerstagabend auf Einladung der Kulturinitiative (KIS) in der Alten Darre hielt.

Vor zehn Jahren war Heinz Pfuhlmann auf den Namen des 1890 geborenen Behr gestoßen. Die bruchstückhaften Fakten über den Doppelselbstmord des DRK-Oberstfeldführers und seiner Frau Joy im April 1945 in Kloster Banz machten ihn neugierig, so dass er zu recherchieren begann.

Ein Kunsträuber in großem Stil

Im Lauf seiner Nachforschungen brachte Heinz Pfuhlmann immer neue Details ans Licht. Behr war zunächst hoher Funktionär des Deutschen Roten Kreuzes. Seine Nähe zu Hermann Göring ließ ihn aber auch in verschiedenen NS-Organisationen Karriere machen. Im Krieg avancierte er zum leitenden Angehörigen der Dienststelle Paris des "Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg". Diese NS-Dienststelle hatte den Auftrag, in den besetzten Gebieten Kunstwerke, Möbel und Dokumente von Juden und Freimaurern sicherzustellen.

Schnell sei die Einrichtung zu einer Kunstrauborganisation geworden, sagte Heinz Pfuhlmann. Im Auftrag Görings beschlagnahmte Kurt von Behr Unmengen von Kunstgütern, Möbeln und Büchern, die er nach Deutschland schickte. Besonders eifrig zeigte er sich als Chef der "Dienststelle Westen" des Ostministeriums von Alfred Rosenberg. In Frankreich, Belgien und den Niederlanden ließ er rund 70.000 Wohnungen deportierter jüdischer Besitzer ausräumen.

Als Paris im Zuge des alliierten Vormarsches im Sommer 1944 aufgegeben werden musste, flüchtete von Behr mit seiner Dienststelle nach Kloster Banz. Hierher dirigierte er große Mengen von Kunstschätzen und Büchern. Heinz Pfuhlmann erläuterte detailliert, um welche Güter es sich handelte, woher sie kamen und wie die Amerikaner nach Kriegsende damit verfuhren.

Nachdem Kloster Banz im April von den Amerikanern eingenommen worden war, versuchte von Behr zunächst zu kooperieren. Wohl aus Furcht, dass man ihm den Prozess machen und zum Tod verurteilen könnte, beging er am 19. April 1945 in Banz Selbstmord, indem er und seine Frau Gift einnahmen und mit Sekt hinunterspülten.
Was die amerikanische Presse umgehend daraus machte, sei skurril. Geschildert werde das melodramatische Schicksal eines "dämonischen deutschen Adeligen", der sich in seinem "luxuriösen Familienschloss" mit Zyankali und Champagner das Leben nimmt.


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