LKR Lichtenfels
Regiomed Medical School

Studenten sind zurück im Regiomed-Land

Vor drei Jahren begannen 25 Bewerber ihr Studium an der Universität in Kroatien. Jetzt ist Halbzeit auf ihrem Weg zum Berufswunsch Arzt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Stadt Split und die Landschaft der kroatischen Adriaküste haben Laura Hartnik  gut gefallen. Inzwischen ist sie wieder zurück im Landkreis Lichtenfels. privat
Die Stadt Split und die Landschaft der kroatischen Adriaküste haben Laura Hartnik gut gefallen. Inzwischen ist sie wieder zurück im Landkreis Lichtenfels. privat

Regiomed Medical School: das heißt, drei Jahre Medizinstudium an der Universität der kroatischen Stadt Split, anschließend weitere drei Jahre in Lichtenfels und Coburg oder an anderen Krankenhäusern der Klinikgruppe. Laura Hartnik gehört zu den ersten, die diese besondere Chance ergriffen haben. 2016 machte sie sich auf den Weg, vergangene Woche ist sie zurückgekehrt. Zunächst wohnt sie im Elternhaus in Bad Staffelstein. Bis zum Semesterbeginn im Oktober möchte sie eine Wohnung in Coburg gefunden haben. Weil dort der überwiegende Teil der weiteren Ausbildung stattfinden wird, in Lichtenfels ein geringerer - "40:60 Prozent" so ihr Kenntnisstand. Man habe nicht allen Rückkehrern Apartments anbieten können, weiß sie.

Die Vorstellung, dass im ehemaligen Krankenhaus in Lichtenfels dies möglich werden könnte, hatte sich nicht umsetzen lassen. Laura Hartnik hat die am Obermain diesbezüglich angestellten Überlegungen von Kroatien aus nicht so genau verfolgt. Nun ist sie gespannt auf das neue Kapitel, das bald beginnen wird. Ein bisschen traurig sei sie schon gewesen, sich von Split verabschieden zu müssen, räumt sie ein. Eine Stadt "genau in der richtigen Größe", mit einem entspannten Lebensgefühl. Bis zu dreimal am Tag Kaffee trinken gehen, das gehörte dazu, trotz des Lernpensums.

Von der Medical School dürften in der Region die meisten schon gehört haben. Schließlich wurde ja bereits der dritte Jahrgang im Zuge dieser deutsch-kroatischen Kooperation an die Adriaküste entsandt. Bei einigen besteht immer noch die Annahme, es würden kroatische Ärzte an hiesige Krankenhäuser geholt. Das ist aber falsch. Viele der angehenden Mediziner stammen aus Oberfranken, dem ersten Studienjahrgang gehörten aber auch Teilnehmer aus Hamburg, Stuttgart und der Schweiz an. In einem Café in Bad Staffelstein erstatte Laura Hartnik auf unseren Wunsch hin Bericht von ihren Eindrücken und Erfahrungen.

Nein, sie ist nicht braungebrannt. Erstens war sie ja nicht zum Strandurlaub da, und zweitens war ein hoher Lichtschutzfaktor in der kroatischen Sonne geboten. Das Meer und die nahen Berge konnte die 22-Jährige bei einigen Ausflügen genießen, und sie gerät ins Schwärmen, wenn sie von den Orten und der Natur erzählt. Aber ihre Eltern, die sie jedes Jahr einmal besuchten, hätten viel, viel mehr von Kroatien gesehen als sie, betont sie. Mit ihrem Umzug dorthin betrat Laura Hartnik übrigens völliges Neuland. Die Sprache hat sie inzwischen soweit gelernt, dass sie Unterhaltungen folgen und sich verständigen kann.

Vorlesungen auf Englisch

Die Vorlesungen an der Uni finden ausschließlich auf Englisch statt. Ist das nicht extrem schwer für jemanden, dessen Muttersprache nicht Englisch ist? "Man kam sehr schnell rein", sagt Laura Hartnik. Am Anfang seien auch die Lerninhalte etwas einfacher gewesen, was dies erleichtert habe. Im Grunde sei es egal, ob man die Fachbegriffe auf Latein oder Englisch lerne; es dauere eher jetzt manchmal etwas, bis ihr der korrekte deutsche Ausdruck dafür einfalle. Bei den Prüfungen habe man weniger selbst Sätze formulieren müssen. Es galt meist, aus einer Auswahl die richtigen Antworten anzukreuzen.

Positiv beurteilt die junge Frau die Atmosphäre in den kleinen, internationalen Gruppen. "Wir waren nie mehr als 60, 70 Leute in einer Vorlesung und um die 30 oder weniger in einem Seminar." Da wurde nicht nach Regiomed oder Nicht-Regiomed getrennt. Man sei zu einer Art Familie zusammengewachsen. Der überwiegende Teil war wie sie weit weg von zu Hause.

Heimweh gab es durchaus, aber auch einige Gelegenheiten zum Nachhausekommen in den Semesterferien und zu Weihnachten - mal mit dem Flixbus, mal in einer Fahrgemeinschaft und auch mal per Flug. Regiomed-Vertreter waren mehrmals im Jahr vor Ort. Freilich waren auch die finanziellen Probleme des Klinikverbundes zu den Studenten durchgedrungen, doch dahingehend seien sie beruhigt worden. "Ich vertraue darauf, dass das auf uns keine großen Auswirkungen hat. Die Medical School genieße hohe Priorität.

Einigen der künftigen Ärzte zahlt der Klinikverbund die Studiengebühren. Pro Stipendiat sind das, auf die Dauer von sechs Jahren gerechnet, immerhin

54 000 Euro. Dafür müssen sich die Begünstigten verpflichten, mindestens fünf Jahre bei Regiomed zu bleiben - das entspricht ungefähr der Dauer der Facharztausbildung. Acht Stipendien wurden im ersten Jahrgang vergeben. "In den Folgejahren weniger, wie ich gehört habe", sagt Laura Hartnik, die Unterstützung von ihren Eltern erhält. In Deutschland wäre ihre Chance, Medizin studieren zu können, gering gewesen. Die Ansicht, dass diejenigen mit den besten Abiturnoten nicht zwingend die besten Ärzte werden, ist unbestritten, eine gute Lösung für die Problematik zu viele Bewerber - zu wenige Plätze aber noch nicht gefunden. Persönliche Auswahlgespräche wie bei Regiomed, um Motivation und Eignung zu prüfen, könnten viele Unis wegen des großen Andrangs gar nicht bewältigen, weiß Laura Hartnik.

Sie hat sich noch nicht festgelegt, weder auf ein medizinisches Fachgebiet, noch auf einen späteren Lebensmittelpunkt: "Ich bin am Überlegen." Als Allgemeinmedizinerin in einer Praxis am Obermain tätig zu sein, das kann sie sich aber gut vorstellen.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren