Ebensfeld
Archäologie

Steine erzählen Geschichten - Besuch der Grabungsstätte am Staffelberg

Zehn Kinder besuchten im Rahmen des Ferienprogramms die Ausgrabungsstätte am Staffelberg.
Artikel drucken Artikel einbetten
Inmitten der archäologischen Ausgrabungsstätte ließ Archäologe Markus Schußmann bei der Ferienaktion am Staffelberg Geschichte lebendig werden. Durch Bilder machte er seine Ausführungen für die Teilnehmer anschaulich.  Fotos: Mario Deller
Inmitten der archäologischen Ausgrabungsstätte ließ Archäologe Markus Schußmann bei der Ferienaktion am Staffelberg Geschichte lebendig werden. Durch Bilder machte er seine Ausführungen für die Teilnehmer anschaulich. Fotos: Mario Deller
+2 Bilder
Selbst der Boden schien zu flüstern, zu erzählen von längst vergangenen Zeiten, die in diesem Moment so eindrucksvoll greifbar und lebendig werden. Eine Veranstaltung des Kinderferienprogrammes des Marktes Ebensfeld in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Lichtenfels führte zehn Jungen und Mädchen an die archäologische Grabungsstätte am Staffelberg. Grabungsleiter Markus Schußmann gab den Kindern einen aufschlussreichen und spannenden Einblick von zutage getretenen außergewöhnlichen Funden bis zur Unebenheit im abgetragenen Erdreich, die sich als historische Spur im Wortsinne entpuppte.

Bei schwülwarmem Wetter begrüßten Andrea Musiol, die Koordinatorin des angelaufenen Zangentor-Projekts, sowie Heinrich Maisel vom Landschaftspflegeverband die Jungen und Mädchen zwischen neun und 14 Jahren. Vom Wanderparkplatz Romansthal startend ging es auf einer relativ kurzen Strecke hin zur Grabungsstätte nahe des Viktor-von-Scheffel-Denkmals, wo sich vor gut 2000 Jahren ein keltisches Zangentor befand, das im kommenden Jahr rekonstruiert wird.


Alles hat seine Bedeutung

Mit der Zeitreise, wie sie den Kindern dort anhand der Ausführungen von Archäologe Schußmann vergönnt war, kann kein Unterricht mithalten. Gesteinsschichten, ein Hohlweg, unterschiedliche Farbgebungen nach erfolgter Abtragung des Bodens - alles hat seine Bedeutung. Mittels Fotos veranschaulichte Schußmann Tim Wieder, Laura Aue und all den weiteren Geschichtsfans die zahlreichen Facetten archäologischer Arbeit.

"Was für ein riesiges Loch", staunte Jakob aus Ebensfeld. "Das ist aber keine Grube, wie man vielleicht im ersten Moment denken könnte", erklärt Schußmann. Vielmehr handele es sich um ein Pfostenloch. So wurde den Kindern die Dimension dieses einstigen Eingangs zum keltischen Oppidum mit einem damaligen rund 7,5 Quadratmeter großen Tor vor Augen geführt.
Doch für den Archäologen zählt weniger das Überdimensionale. Der Blick von Experten wie Markus Schußmann ist geschärft für Feinheiten, die dem Laien verborgen bleiben. Schußmann lässt die Kinder mit seinen Schilderungen teilhaben an Glücksmomenten, die das Grabungsteam während der Arbeiten erleben durfte: "Hier seht ihr einen 2000 Jahre alten Fußabdruck eines damaligen Arbeiters", weist er auf Unebenheit im abgetragenen Gelände hin.


Tor bei Brand zerstört

Archäologen können aus uralten Fundstücken so manches "herauslesen", erfuhren die aufmerksam lauschenden und neugierig umherblickenden Kinder. "Verkohlte Holzreste zum Beispiel zeigen, dass das Zangentor, das ungefähr 70 oder 80 Jahre bestanden hatte, bei einem Brand zerstört wurde". Darüber, warum dies geschah, gibt es verschiedene Theorien. Möglich ist, dass nachfolgende Germanen das Tor in Brand setzten, um an das darin verbaute Metall zu gelangen.
Auch auf zahlreiche im Zuge der Arbeiten getätigte Funde ging der Archäologe ein, zeigte beispielsweise eine vergrößerte Ansicht einer der drei geborgenen Silbermünzen. "Wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr darauf ein Gesicht. Wenn man bedenkt, dass die Münzen nur vier Millimeter groß sind, war das eine beeindruckende Arbeit für die damalige Zeit."

Er zeigte den Kindern unter anderem auch eine von zwei Dutzend hier gefundenen Fibeln (Kleiderschließen). "Die hatten aber nicht nur eine praktische Funktion, sondern dienten zugleich als Amulett, auch Kinder trugen sie", weiß er zu berichten. Weiterhin böten Funde wie Holzkohlereste mit Spuren von Getreiden auch Rückschlüsse auf die Ernährungsgewohnheiten der hier einst wohnenden Kelten, erfuhren die Kinder weiter. "Damals hat man das Fleisch übrigens nicht gegrillt, sondern gekocht", ergänzt er.

"Da bitte nicht drauftreten", bat Schußmann das eine oder andere Mal höflich. Natürlich hat er als Grabungsleiter ein Auge darauf, dass dieser heimatgeschichtliche Schatz erhalten bleibt. Dahin zielt auch seine Antwort auf die Frage eines Jungen, der wissen will, wofür denn die Sandsäcke seien, die am Rande der Grabungsstätte herumliegen: "Das ist zum Beschweren der Folien beim Abdecken", erklärt Schußmann. Es sei wichtig, die freigelegten Areale vor Nässe und Regen zu schützen. Insofern hat die derzeitige Trockenheit für das Grabungsteam auch sein Gutes.


Heuschrecken bestimmen

Der archäologischen Zeitreise schloss sich ein Naturerlebnis an. Heinrich Maisel verteilte an die Kinder Becherlupen, mit Begeisterung fingen die Kinder Heuschrecken ein und bestimmten zusammen mit Maisel die Arten. "Auch ihr Gesang, also das Zirpen, das ihr hört - ist ein Unterscheidungsmerkmal", erklärte Maisel. Mit vielen gesammelten Eindrücken traten die Kinder dann die Heimfahrt an.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren