Bad Staffelstein
Capella Serenissima

Stehende Ovationen nach Kirchenkonzert

Es hätte mehr Zuspruch verdient gehabt, dieses Konzert in der Kirche St. Kilian in Bad Staffelstein.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auf dieser Aufnahme ist aus dem Quartett kurzzeitig ein Trio geworden. Zu sehen: Ruth Ellner (Barockvioline), Ralf Waldner (Cembalo) und Yosuke Kurihara (Barockposaune). Foto: Markus Häggberg
Auf dieser Aufnahme ist aus dem Quartett kurzzeitig ein Trio geworden. Zu sehen: Ruth Ellner (Barockvioline), Ralf Waldner (Cembalo) und Yosuke Kurihara (Barockposaune). Foto: Markus Häggberg

Wohl um die 60 Besucher fanden sich am Samstagabend ein, um einem interessanten Kapitel der Musikgeschichte beizuwohnen. Der Programmtitel "Venedig in Wien" war bei Konzertbeginn noch verwirrend genug. Eine Stunde später war man klüger.

Antonio Bertali? Oder Giovanni Sances? Oder Dario Castello? Die meisten Namen auf dem Programmblatt klangen italienisch. Was sie noch miteinander gemeinsam hatten, war das 17. Jahrhundert. Aber auch das genügt noch nicht, um das Programm zu erfassen. Kurz gesagt: Am Habsburger Hof in Wien standen Musiker in besonderen Ehren, so sie aus Venedig kamen. Venedig also die Hochburg gut ausgebildeter Musiker? Zu dieser Zeit schon. Wie das dort geklungen haben mag, zeigte das Ensemble Capella Serenissima auf. Noch so ein Bezugsreichtum, eine Anspielung außerdem. La Serenissima - so wurde Venedig genannt, und als "Die Durchlauchtigste" ist sie noch heute ein Begriff. Ein bisschen Durchlauchtigkeit steckt also auch in dem launig gewählten Ensemblenamen, zu dem Yosuke Kurihara (Posaune), Dorothea Lieb (Blockflöte/Zink), Ralf Waldner (Cembalo) und Ruth Ellner (Violine), zählen. Allesamt studierte und lehrende Musiker, erfahren in anderen Ensembles und mit Wirkungsbereich Bamberg/Nürnberg.

Ein Instrument namens Zink

Zu einer "Toccata in d" hatte Waldner Gelegenheit, Solist zu sein. Dem Mann, der auch Rundfunkaufnahmen für WDR, SWR oder BR absolvierte, blieb der zurückhaltendste Part des Abends vorbehalten. Das Cembalo ist so gebaut, dass es - im Gegensatz zum Klavier - nicht großartig über Möglichkeiten unterschiedlicher Lautstärken verfügt. Das liegt auch daran, dass die Saiten des obertonreichen Instruments nicht angeschlagen, sondern gezupft werden. Das brachte aber auch mit sich, dass es am Samstagabend als Instrument erfahrbar wurde, welches auch wie ein Schlagwerk verstärkt rhythmische Aufgaben dezent zu absolvieren vermochte. Doch was ist ein Zink? Es sind eigenwillige Flötentöne, die sich hinter diesem hölzernen und gebogenen Instrument verbergen. Sie klingen warm und metallisch zugleich. Das Mundstück, so Dorothea Lieb im Nachgang an das Konzert unserer Zeitung gegenüber, sei aus Metall und für diese Mischung verantwortlich. Auch hatte Lieb noch eine Erklärung zum Namen des Instruments parat: Zink gehe auf die gebogene Form zurück, schließlich sage man zu einer gebogenen Nase ja auch Zinken.

Immer wieder gehörte es zu den Merkmalen der Werke, dass sie trotz ihrer Komplexität auch solistische Einlagen boten. In Adam Jarzebskis (1590?-1648/9) La Sentinella war gar ein melodisches kleines Frage-und-Antwort-Spiel verbaut.

Die Musik von insgesamt acht Meistern des 17. und mitunter erst 16. Jahrhunderts bot eine zumeist frohe Grundstimmung. Das Publikum dankte mit stehenden Ovationen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren