Bad Staffelstein
Ausgrabung

Startschuss fürs Zangentor ist gefallen

Auf dem Staffelberg haben offiziell die archäologischen Grabungen für die Rekonstruktion des keltischen Tores gestartet.
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Der leitende Archäologe Markus Schußmann stellt die  bisherigen Arbeiten vor und beginnt nun offiziell mit seinem Team zu graben. Jutta Rudel
Der leitende Archäologe Markus Schußmann stellt die bisherigen Arbeiten vor und beginnt nun offiziell mit seinem Team zu graben. Jutta Rudel
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Viele Menschen kommen auf den Staffelberg, doch nur wenigen ist bewusst, dass hier einst eine große keltische Siedlung war. Es ist ein großer Wunsch des Landkreises, das Leben der Kelten spürbar und erlebbar für die Menschen zu machen. Durch eine Rekonstruktion des keltischen Zangentors, welches im vergangen Jahr bei Grabungen entdeckt wurde, soll dieses Ziel erreicht werden. Auf einer Siedlungsfläche von 49 Hektar sei dieses Tor "das größte und wichtigste Zugangstor zum Maintal" gewesen, sagte Andreas Büttner vom Landesamt für Denkmalpflege.

Bevor die Rekonstruktion erfolgen kann, müssen Erkenntnisse dazu durch archäologische Grabungen gewonnen werden. Bereits vergangene Woche hat der Leitende Archäologe Markus Schußmann mit seinem Team damit begonnen. Der offizielle Startschuss fiel am Freitag, gemeinsam mit Landrat Christian Meißner (CSU), dem Zweiten Bürgermeister Hans Josef Stich (CSU) und weiteren Beteiligten. Bis Oktober sollen die Ausgrabungen erfolgen, der Bau der Rekonstruktion ist 2019 geplant. Dass es einmal so weit kommt, daran haben sie alle vor einem Jahr noch nicht gedacht.


Imposante Bauweise

Als die Grabungen im vergangenen Frühjahr starteten, war es unklar, ob überhaupt eine solche Toranlage existierte. Es war ein Glücksfall, sagte der Landrat, damals hatte man zufälligerweise den Schnitt genau an der richtigen Stelle gemacht. Und es war nicht nur ein kleines Tor, sondern eine imposante Verteidigungsstruktur. "Man kann hier von Machtarchitektur sprechen", so der Archäologe.
Die Mauer war den Erkenntnissen zufolge drei bis 3,5 Meter hoch, gefolgt von einem Stockwerk für Wachposten und einem Dach. Das Tor selbst war sieben Meter breit, so dass zwei Fahrwege hindurch gingen. "Wir konnten sogar feststellen, dass es so etwas wie Rechtsverkehr gab", sagte Schußmann begeistert. Auf der rechten Fahrseite wurde Schutt ausgelegt, damit der Anstieg leichter gelang.

Es sei faszinierend, welche Rückschlüsse sich durch die Fundstücke ziehen lassen. "Wir haben sogar Teile eines Trophäenschädels gefunden." Die Kelten haben die abgetrennten Köpfer ihrer Feinde an die Pfosten genagelt. "Ich bin gespannt, was wir noch so finden", scherzte der Landrat daraufhin. Bedeutsame Funde wie wie Scherben von keltischen Gefäßen oder Eisenteilen wurden bereits gemacht: "Wir haben viel Brandschutt gefunden, der mit Eisenteilen versehen war." Durch den Brandschutt steht fest, dass das Tor abgebrannt ist - wieso genau, das wollen die Archäologen noch herausfinden. Die Eisennägel hingegen geben bereits Aufschlüsse über das Baumaterial und die Materialstärke. "Das sind sehr gute Voraussetzungen", sagte Schußmann. Erst dadurch werde eine originalgetreue Rekonstruktion machbar.


Authentisch, aber gefahrlos

"Jetzt werden wir das Tor in den Bereichen freilegen, die für die Rekonstruktion notwendig sind", sagte der Archäologe. Er und sein Team tragen etwa einen Meter der Erde ab, um die Pfosten und somit den Grundriss des Tores zu erkennen. Das ist wichtig, um einen korrekten Bauplan zu erstellen und die Baufreigabe vom Denkmalschutz zu erhalten.
Dem Landkreis ist es besonders wichtig, dass die Rekonstruktion seriös gestaltet wird. "Damals wurde nur mit bestimmten Eichen gebaut", erklärte Meißner. "Die Bayerischen Staatsforsten schenken uns dieses Holz. Die Stämme werden derzeit gebeilt." Dies sei extrem aufwendig. Natürlich könne nicht alles originalgetreu nachgebaut werden. Der Bürgermeister erklärt, dass es nicht nur authentisch, sondern eben auch "gefahrlos, also absturz- und standsicher" konstruiert werden muss. Dazu gehöre eben auch, dass beispielsweise die Mauer mit heutigen Mitteln befestigt wird.


Bürgerbeteiligung gefragt

Denn an einem so viel begangenen Ort können die Menschen das Zangentor selbst erkunden. "Es ist nicht nur für Gäste, sondern auch für Einheimische interessant", betonte Stich. Die Beteiligung der Öffentlichkeit ist dem Landkreis sehr wichtig. "Der Bauzaun steht nicht zum Spaß da, aber die Grabung ist für alle", sagte Landrat Meißner. So gibt es regelmäßige Führungen an der Grabungsstelle. Auch über einen Internetblog können sich Interessenten über Aktuelles und Hintergründe informieren. Es besteht sogar die Möglichkeit, selbst bei den Grabungen mitzumachen. Darüber hinaus finden am 28. April und am 21. Juli Keltenwanderungen statt.
In den folgenden Jahren, wenn die Rekonstruktion stehe, seien Besichtigungen von Schulklassen oder Führungen angedacht. Mit dieser Rekonstruktion, die vor Ort originalgetreu errichtet und für Interessenten erlebbar gemacht wird, wird Bad Staffelstein ein deutschlandweites Alleinstellungsmerkmal erhalten. "Das ist ein ungewöhnliches Projekt für einen Landkreis", bestätigte Denkmalpfleger Büttner.
Die Fachbehörde hat dem Projekt nach anfänglichen Vorbehalten zugestimmt, da die Rekonstruktion "sinnvoll und dauerhaft" ist. Gefördert wird das 870 000 Euro teure Projekt durch Leader und der Oberfrankenstiftung. Der Landrat ist zuversichtlich, dass die Investition ein voller Erfolg wird und sagte stolz: "Das wird nicht der letzte Schritt sein, Kelten im Landkreis erfahrbar zu machen. Aber es ist ein wuchtiger Schritt."
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