Bad Staffelstein
Waidwerk

Staffelsteiner Jäger lernen, wie eine Wildsau zu denken

Wildsäue werden zur Landplage. Deshalb hatte die Kreisgruppe des Jagdverbands den Forstexperten Bartel Klein gebeten, darüber zu referieren, wie man die Borstentiere vor die Flinte bekommt.
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Bartel Klein gab den Staffelsteiner Jägern in Kloster Banz praktische Tipps, wie sie den Schwarzkitteln zu Leibe rücken können.
Bartel Klein gab den Staffelsteiner Jägern in Kloster Banz praktische Tipps, wie sie den Schwarzkitteln zu Leibe rücken können.
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"Das Schwarzwild nimmt zu", hatte Bernd Lindner von der Unteren Jagdbehörde eingangs gewarnt. Allein von 2012 auf 2013 habe seine Dienststelle eine Steigerung von 83 Prozent im Kreis Lichtenfels festgestellt. Leider sei das kein Einzelergebnis, sondern der Trend.

Wie Grünröcke den Schwarzkitteln beikommen können, darüber bestehen unterschiedliche Auffassungen. In seinem Vortrag "Lernen, wie eine Wildsau zu denken" gab Landesforstpräsident a. D. deshalb den Kollegen Tipps aus seiner mehr als 50-jährigen Praxis als Jäger.

Von der Psychologie der Sauen

Keiler, Bachen, Überläufer und Frischlinge gehören zu den intelligentesten Säugetieren. In einem sehr engagierten, mit zahlreichen Metaphern und Beispielen schilderte Bartel Klein die Verhaltensweisen des Schwarzwildes.
Um die Leitbache mit prallem Gesäuge, Frischlinge im Schlafanzug und sogar den laufkranken Keiler aus der Dickung an die Kirrung zu locken, ist viel psychologisches Geschick erforderlich.

"Frische menschliche Witterung vergrämt Schwarzwild nicht nur zwei Stunden, sondern vier Wochen", sagte Klein. Doch nicht nur der Geruchssinn der Tiere sei gut ausgeprägt, sie hören auch hundertmal besser als der Mensch. Sauen verknüpften einen Schuss jedoch nicht von vornherein mit einem Jäger und mit Gefahr. Bei Drückjagden jedoch bildeten sie schnell einen kausalen Zusammenhang mit dem Lärm, dem Schießen und Bellen der Hunde; sie setzten das mit Tod und Unheil gleich. Den Menschen sehen die Sauen nicht sofort als Feind an. Komme aber Hundewitterung und das Klagen einer Sau hinzu, wüssten sie, was die Stunde geschlagen hat.
Schwarzwild lerne schnell, Situationen und Gefahren nach Ort und Zeit zu taxieren. Spaziergänger und Wanderer nehme eine Sau nicht ernst. Sie differenziere ganz genau, erkenne den Jäger auf dem Ansitz, der bereits auf sie geschossen hat, der Artgenossen verletzte oder tötete: "So schlau ist eine Sau."

Volle Deckung in der Dickung

Während Sauen sich auf städtischen Grünflächen von Spaziergängern füttern lassen, halten sie Distanz zu einer Kirrung, an der Schüsse fallen und Blut fließt: "Eine Sau merkt, ob die Welt in Ordnung ist, oder nicht." Säue seien so schlau, auch bei großem Hunger nicht um 22 Uhr zur Kirrung zu kommen, weil sie wissen: Um diese Zeit knallt's dort - volle Deckung in der Dickung! Die Funkkamera mit Uhrzeitmessung bestätige: Um 1.52 Uhr sind sie dann da und fressen sich satt - wohl wissend, dass der Jäger nun zu Hause schläft.

Der Wind sei das A und O auf der Pirsch. Und schnell schießende Jäger haben nur kurzfristig Erfolg. "Eine Sau wechselt nie direkt einen Kirrplatz an - denn eine Sau weiß: wo Mais im Wald liegt, ist Lebensgefahr." Die Bache, sagte Bartel Klein, unterhalte sich mit ihren Frischlingen, mache sie auf das Schießen, auf die Witterung und die lauernde Gefahr aufmerksam.

Dieses Misstrauen der Tiere gelte es abzubauen. "Frische menschliche Witterung wirkt auf die Sau wie eine chemische Keule", urteilte Bartel Klein. Er habe die Erfahrung gemacht, dass ein Lappen mit Dieselöl diesen Geruch optimal überlagere. Er riet deshalb, einen dieselgetränkten Lappen unter die Kanzel zu hängen: "Diesel ist für die Sau das Höchste."

Und noch etwas: Bei schönem Wetter lässt sich keine Sau blicken, "denn da stinkt's überall nach Mensch". Bei Regen und Nebel hingegen, wenn die Menschen zu Hause bleiben, verlassen die Sauen ihren Tageskessel: "Sauwetter ist bestes Saujagdwetter."



Wahlen und Zahlen

Vorstand Zum Vorsitzenden der Kreisgruppe Bad Staffelstein des Bayerischen Jagdverbands wurde Michael Hagel aus Dittersbrunn gewählt. Sein Stellvertreter und Schriftführer ist Christian Hahn, Kassier ist Wolfgang Hennemann.

Abschusszahlen Bernd Lindner von der Unteren Jagdbehörde gab die Abschusszahlen für 2013 bekannt. Im Banzgau wurden 323 Stück Rehwild erlegt, davon 106 Böcke, sowie 87 Stück Schwarzwild, davon zwei Keiler. Im Lautergrund betrug die Strecke 455 Stück Rehwild (153 Böcke) und 101 Stück Schwarzwild (drei Keiler).
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