Bad Staffelstein
Archäologie

Staffelberg: Archäologen sind den Kelten auf der Spur

Es muss eine mächtige und prächtige Siedlung gewesen sein: die keltische Stadt Menosgada auf dem Staffelberg. Warum die Siedler vor etwa 2000 Jahre von der Bildfläche verschwanden, sollen Ausgrabungen zeigen. Aktuell sind Archäologen dabei, das Eingangstor an der Stadtmauer freizulegen - und in Originalgröße zu rekonstruieren.
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Helga Völker aus Bad Staffelstein ist den Kelten ganz nahe: Als ehrenamtliche Helferin unterstützt sie die Arbeiten am Staffelberg, wo gerade ein Eingangstor zur keltischen Stadt Menosgada ausgegraben wird. Das soll sogar in Originalgröße rekonstruiert werden. Foto: Stephan Großmann
Helga Völker aus Bad Staffelstein ist den Kelten ganz nahe: Als ehrenamtliche Helferin unterstützt sie die Arbeiten am Staffelberg, wo gerade ein Eingangstor zur keltischen Stadt Menosgada ausgegraben wird. Das soll sogar in Originalgröße rekonstruiert werden. Foto: Stephan Großmann
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Plötzlich waren die Siedler verschwunden. Es muss um 30 vor Christus gewesen sein, als die keltischen Bewohner des Staffelberges plötzlich von der Bildfläche verschwanden. Wie, warum und wann genau können die Archäologen noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Neue Informationen erhoffen sie sich von ihren Ausgrabungen am Bad Staffelsteiner Hausberg. Das Team um Markus Schußmann gräbt dort aktuell ein Eingangstor zu der keltischen Siedlung Menosgada aus. Mehr noch: Sie wollen es wieder originalgetreu aufbauen und seine Geschichte erlebbar machen.

"Dieses keltische Tor ist besser erhalten als viele andere Anlagen, an denen ich bisher gearbeitet habe", sagt Chef-Archäologe Schußmann. Oppida (Einzahl: Oppidum) nennt man die befestigten Großsiedlungen der Kelten, die als die ersten Städte nördlich der Alpen gelten. Seit mehr als 7000 Jahren besiedeln Menschen schon das markante Hochplateau des Staffelberges. In der sogenannten späten La-Tène-Zeit zwischen etwa 120 und 30 vor Christus nutzten die Kelten die Vorteile des 539 Meter hohen Berges. "Auf dem Plateau wohnten die Adligen wie auf einer Akropolis", erklärt Schußmann. Um den Gipfel herum siedelten sich Handwerker, Händler und das restliche Volk an.


Keltische Stadt Menosgada: Tausende Einwohner auf 49 Hektar


Mehrere Tausend Menschen haben dort wohl gewohnt. Geschützt wurde die 49 Hektar große Siedlung (etwa 68 Fußballfelder) von einer etwa vier Meter hohen Steinmauer. Die Archäologen vermuten, dass es insgesamt vier Zugänge ins Innere des Oppidums gegeben haben muss - zwei an der Ost-, zwei an der Westseite. Bisherigen Befunden nach zu urteilen sind die hölzernen Tore wohl jeweils Feuern zum Opfer gefallen.

Den wahrscheinlich bedeutendsten Eingang graben Schußmann und seine Helfer gerade aus. Ein links und rechts von der Mauer gesäumter Weg, den Wanderer heute zum Aufstieg nutzen, führte genau auf das Tor zu. Man wurde sozusagen in die Zange genommen: deshalb nennen es die Experten Zangentor. Wie genau die Torkonstruktion am Staffelberg ausgesehen hatte, sollen die Ausgrabungen zeigen.


Ausgrabung und Rekonstruktion: 380 000 Euro Kosten


Noch bis Oktober sollen diese laufen. Dass die Archäologen dort aber überhaupt Hand anlegen können, haben sie der Initiative des Lichtenfelser Landrats Christian Meißner zu verdanken. "Wir wollen das keltische Erbe unserer Region entdecken und touristisch entwickeln", sagt Meißner. 380 000 Euro wird das Projekt kosten. Davon schlägt für den Landkreis ein Fünftel zu Buche, der Rest finanziert sich aus Mitteln der Oberfrankenstiftung und des EU-Förderprogramms Leader.

Vorab mussten die Initiatoren die Zustimmung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege einholen. Weil der Staffelberg als Bodendenkmal gilt, gibt es strenge Vorschriften für archäologische Arbeiten. Etwa 50 000 Bodendenkmäler gibt es alleine in Bayern. "Weil wir von dem Konzept des Projektes begeistert sind, haben wir die Ausgrabungen auf dem Gelände erlaubt", sagt Denkmalpfleger Andreas Büttner. "Wir sehen den Vorteil, dass die Archäologen Historisches nachhaltig vermitteln können", so Büttner.


"Zangentor so originalgetreu wie möglich errichten"


Sind die Grabungen so erkenntnisreich wie gehofft und wie geplant im Oktober abgeschlossen, setzt sich Schußmann mit Ingenieuren zusammen, um die Rekonstruktion des Tores zu planen. Wegen baurechtlicher Belange wird die Statik zwar modernen Anforderungen genügen müssen. "Aber wir versuchen das Zangentor so originalgetreu wie möglich zu errichten und die modernen Zutaten unsichtbar zu machen", sagt Schußmann.

Für die Wanderer am Obermain bietet sich beim Erklimmen des Staffelberges vielleicht schon im nächsten Jahr ein imposantes Bild. Auf dem Weg nach oben durchschreiten sie dann das rekonstruierte Tor und sollen dabei die spannende Geschichte der keltischen Besiedlung aufsaugen können. Denn nur weil die vor mehr als 2000 Jahren endete, tut es ihr Erbe noch lange nicht.


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