Lichtenfels
Ruhestand

Stadtbaumeister Graßingers Rückschau

Jürgen Graßinger ist nach fast 37 Jahren aus dem Dienst bei der Stadt ausgeschieden. Jetzt hat er andere Aufgaben im Blick, stressfreie.
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Der langjährige Lichtenfelser Stadtbaumeister Jürgen Graßinger Foto: Popp
Der langjährige Lichtenfelser Stadtbaumeister Jürgen Graßinger Foto: Popp
An sein Vorstellungsgespräch im Rathaus kann sich Jürgen Graßinger noch gut erinnern. Es war eine Geduldsprobe. Die Runde der geladenen Bewerber überbrückte das Warten gemeinsam, bis schließlich, nach fast zwei Stunden, der erste von ihnen aufgerufen wurde, um sich dem Stadtrat als möglicher neuer Tiefbauingenieur zu präsentieren. Die anderen folgten. Genommen wurde der aus der Oberpfalz stammende junge Bauingenieur Graßinger, der da schon mal einen Vorgeschmack auf den Sitzungsalltag bekommen hatte - und mit den anderen aus jener Runde übrigens bis heute in Kontakt steht.
Seine erste Anstellung, unmittelbar nach Abschluss des Studiums in Coburg, hatte er bei einer Baufirma in München. Als er ein Jahr später auf die in Lichtenfels ausgeschriebene Stelle aufmerksam wurde, versuchte er sein Glück, da seine Frau noch in Coburg studierte und man näher beieinander und bei den Freunden sein wollte. Es sollten fast 37 Jahre im Bauamt der Stadt daraus werden. Vergangenen Oktober entschied sich Jürgen Graßinger aus gesundheitlichen Gründen, früher in Ruhestand zu gehen als geplant.
Die Stelle des Stadtbaumeisters wurde neu ausgeschrieben. Seinem Nachfolger Gerhard Pülz spricht Graßinger schon jetzt Anerkennung aus, denn er lernte ihn vor vielen Jahren als Praktikanten kennen und schätzen.
Er selbst erhielt die Stelle des Stadtbaumeisters vom damals amtierenden Bürgermeister Winfred Bogdahn, der dies so entschieden hatte. Im Prinzip hat die Stadtverwaltung damit eine Stelle eingespart. So kam es also, dass der eigentlich auf Straßenbau Spezialisierte aus der Tiefbau-Abteilung mit einem Mal für alles zuständig war, was bei der Stadt mit dem Thema Bauen zu tun hatte. "Ich war Feld-, Wald- und Wieseningenieur", sagt Graßinger mit einem Schmunzeln. So groß die Aufgaben und die Bandbreite waren, so viel prasselte auch auf ihn ein. "Es waren jeden Tag neue Anforderungen." Lief es auf einer Baustelle nicht wie gewünscht, gab es Beschwerden von Bürgern oder sollte der Stadtrat eine Entscheidung treffen - es gab viel zu klären und noch mehr zu erklären. Und die Presse fragte auch regelmäßig bei ihm nach, um sich den ein oder anderen Sachverhalt erläutern zu lassen. Jürgen Graßinger machte das gut und mit einem Vokabular, für das man kein technisches Studium absolviert haben musste, um zu verstehen. Wo gearbeitet wird, werden Fehler gemacht, und freilich knirscht es hie und da einmal. Im Laufe der Jahrzehnte galt es manche Woge zu glätten. Nicht immer sei es ihm gelungen, gelassen zu bleiben, räumt Graßinger ein - auch wenn es äußerlich den Anschein hatte. "Manches geht einem persönlich oft nach."


Technische Herausforderungen

Es gab aber viele Highlights, wie er betont. Den Bau der neuen Kläranlage zum Beispiel, die inzwischen auch schon wieder 20 Jahre alt ist. Bei laufendem Betrieb mit täglich bis zu 4500 Kubikmetern ankommenden Schmutzwassers musste das vonstatten gehen - eine Herausforderung. Besonders in Zusammenarbeit mit den Kollegen des Stadtbauamtes, aber auch aus anderen Abteilungen, sei es gelungen, die Aufgaben zu bewältigen, betont er. Der Bau der Brücke in Oberwallenstadt ist ebenfalls ein markanter Punkt in seiner persönlichen Rückschau: Die spezielle Konstruktion habe sogar Erwähnung in einer Fachzeitschrift gefunden. Da kommt der Techniker durch - ein Interesse, dass ihn auch als Privatmann nie loslassen wird.
Über den Tellerrand blicken, Neues, andere Länder und deren Bauweisen sowie Menschen kennen lernen - das sind Kapitel, denen sich Jürgen Graßinger jetzt im Ruhestand stärker widmen möchte.
Auch kann er sich jetzt verstärkt als Vorstand um die Studentenverbindung T.V. Coburgia kümmern. Und zuhause wird es ihm nicht langweilig; wer Haus und Garten hat, weiß das. Doch hegt der Baumeister, der er immer bleiben wird, auch Ideen, von der neu gewonnenen Freiheit andere profitieren zu lassen. Bei Sozialprojekten in Ländern, die solches Fach- und Sachwissen brauchen können, wäre das möglich. Informiert hat er sich zumindest schon mal...
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