Neuensee
Inklusion

St. Joseph Werkstätten brauen Bier mit Menschen mit Behinderung

In den St. Joseph Werkstätten arbeiten Menschen mit Behinderung und werden so in den Arbeitsmarkt integriert. Jetzt wird dort auch Bier gebraut.
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Ein Blick in die Brauerei in Neuensee. Foto: Niklas Schmitt
Ein Blick in die Brauerei in Neuensee. Foto: Niklas Schmitt
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Die Feuertaufe haben sie schon hinter sich. Letztes Wochenende haben Mitarbeiter der Werkstätten St. Joseph aus Neuensee auf dem Altstadtfest in Kulmbach ihr selbst gebrautes "Mainstöffla" ausgeschenkt.

"Für uns war es eine Ehre, dort teilnehmen zu dürfen", sagt Thomas Neugeboren, Produktionsbereichsleiter und Ideengeber für das Projekt. Geschäftsführer Hartmut Springfeld fügt hinzu: "Die Beschäftigten waren total stolz."

Wichtig aber auch, das Bier kam gut an. Denn beides, so führt Springfeld aus, müsse stimmen, das Soziale und die Qualität. Dass die stimmt, dafür sorgen einerseits regionale Produkte.

Die besondere Malzmischung wird von der Firma Weyermann in Bamberg nach Vorgaben von Neugeboren hergestellt. Der Hopfen kommt aus Hallertau. Nur die Maschinen, um die sich Daniel Suffa kümmert, stammen aus Slowenien.

Vorbereitung für den Arbeitsmarkt

"Das ist eine Brauanlage wie sie auch die großen haben, nur in klein", sagt Neugeboren. Das ist wichtig aus zwei Gründen: Zum einen wird das Bier in Neuensee nach hohen Qualitätsmaßstäben gebraut.

Zum anderen kann man den Brauprozess in viele kleine Schritte aufteilen, sodass es ein Produktion ist, "wo man sich auf Augenhöhe begegnen kann", wie Springfeld die Besonderheit für die Menschen mit Behinderung erläutert.

Denn wichtig ist der integrative Aspekt der Arbeit. Dadurch, dass die Mitarbeiter, angeleitet von Neugeboren, die einzelen Schritte des Brauens lernen, könnten sie in Zukunft auch in anderen Brauereien arbeiten und dort in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden.

Getrunkene Inklusion

Die Transparenz in der Arbeit kann aber auch andersherum genutzt werden. So erzählt Springfeld, dass ab November ein P-Seminar des Gymnasiums in Burgkunstadt dort ihr eigenes Bier brauen wird - mit den Menschen mit Behinderung zusammen.

500 Liter werden alle zwei Wochen gebraut. Einen Tag dauert der Prozess, ein Tag müssen die Maschinen penibel gesäubert werden. Nach acht Wochen Lagerung, die dem Keller das dunkle, aber klare Aussehen geben, ist es fertig und wird händisch in Flaschen und Fässer abgefüllt.

Wer es kauft oder trinkt, tut damit auch etwas für die Integration, so die Idee, denn wenn das Bier schmeckt, ist es egal, wo es herkommt und wer es gebraut hat - ob jemand mit, oder ohne Behinderung.

Geweiht und gezapft

Die Idee zur Brauerei hatte Neugeboren schon vor fünf Jahren, aber erst im letzten Jahr hat es mit der Umsetzung geklappt. Als alles stand, ging es schnell: Ende Oktober stand die Anlage und zum Neujahrsfest konnte die Belegschaft schon das erste Bier probieren.

Danach wurde noch etwas gefeilt, bis dann Ende April die Maschinen geweiht und das erste "Werkstöffla" gezapft werden konnte. Die Feuertaufe war dann mit dem Bierwagen auf dem Altstadtfest in Kulmbach, wo die Menschen mit Behinderung ihr selbst gebrautes Bier selbst verkauft haben.

Eines ist Springfeld noch wichtig zu betonen: "Wir brauen nicht in Konkurrenz zu anderen Brauereien, sondern für uns und unsere Menschen mit Behinderung." Dementsprechend klein wird auch der Vertrieb bisher gehalten.

Wo gibt's das "Werkstöffla"?

Glas-Café Wer mag, kann das Bier direkt im Café der Werkstatt in Michelau/Neuensee kaufen und sich gleich dort zu Gemüte führen. Geöffnet ist das jeden Mittwoch von 10 bis 18 Uhr.

Zum Mitnehmen An allen anderen Tagen kann man das Bier aber auch in verschiedenen Varianten in der Werkstatt kaufen, einfach im Sekretariat melden. Das "Werkstöffla" gibt es als Sixpack in 0,5 Liter Flaschen, als 1 Liter-Flasche sowie in Fässern von 10, 15, 20 und 30 Litern.

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