Trieb

Sportheim im Fokus einer Studie

Das gut frequentierte Vereinshaus des FC Trieb beherbergt unter dem selben Dach die Feuerwehr. Wäre dort auch Kinder- und Seniorenbetreuung möglich?
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Die Studentengruppe der TU München verschaffte sich einen Eindruck vom Sportheim des FC Trieb und von den Räumen der Feuerwehr. Fotos: Popp
Die Studentengruppe der TU München verschaffte sich einen Eindruck vom Sportheim des FC Trieb und von den Räumen der Feuerwehr. Fotos: Popp
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Es gibt keinen Kindergarten mehr im Dorf, Kinder aber schon. Der Bedarf wäre da, weiß Cecily Benecke. Das älteste ihrer drei Kinder ist im Kindergarten in Michelau. Die Kinder aus Trieber Familien werden also in Nachbarorte zur Betreuung gefahren. Für die Gemeinschaft im Ort ist das nicht optimal, findet die junge Mutter. Weder Kinder noch Eltern lernten einander auf diesem Weg kennen. Wie gut außerdem auch ein Miteinander von Jung und Alt tun kann, weiß sie aus der eigenen Familie zu berichten. Diese Idee wird jetzt in einem Studienprojekt der Technischen Universität (TU) München verfolgt.

Sieben Studenten sind mit Architektin Dr. Birgit Dietz, Lehrbeauftragte der TU München und Expertin für alters- und vor allem demenzgerechtes Bauen, an den Obermain gekommen, um sich hier vor allem ein Objekt genau anzuschauen: das Sportheim des FC Trieb samt Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr des rund 600 Einwohner zählenden Ortes. Zentral in der Dorfmitte vereint das Gebäude zwei Funktionen unter einem Dach.

Den überdachten Außenbereich, mit Blick auf den nahen Wald und den noch näheren Fußballplatz, nutzen auch andere Vereine und Gruppen. "Hier findet alles statt, jegliche Feierlichkeiten", sagt Waltraud Schramm, Zweite Vorsitzende des FC, der viel mehr ist als nur ein Fußballclub. Die Tanz- und Gymnastikgruppen sind ein Aushängeschild; der große Raum unterm Dach ist ihre Übungsstätte. Es liegt auf der Hand, dass der Verein einen solchen nicht entbehren kann. Bei den Heimspielen wird das Gelände zum Treffpunkt für Familien und Freunde, die Älteren aus dem Dorf kommen dann gerne zum Kaffeetrinken vorbei. Einen generationenübergreifenden Aspekt gibt es also jetzt schon.

Und die Feuerwehr? Deren Fahrzeughalle ist eigentlich mehr eine Garage. Beengt geht es da schon jetzt zu. Im nächsten Jahr wird ein neues, größeres Auto erwartet. Es wird hineinpassen, so die Auskunft. Den aktuellen Vorgaben entspricht der Raum aber nicht. "Genügend Platz ist nirgends", sagt Christian Dippold, der die Besucher durch die Räumlichkeiten führt. Veränderungsbedarf wird zwischen den Zeilen deutlich. Rund 50 Aktive hat die Wehr. Will man sich zusammensetzen, muss auf eine elektrische Heizung zurückgegriffen werden, während in dem Gebäudeteil, der dem FC gehört, eine Ölheizung läuft. Gemeinsam genutzt werde im Haus nur die Küche.

Der Rundgang dauert nicht lange. Es werden Fotos gemacht. Im Anschluss dann der wichtigste Teil, die Befragung von Trieber Bürgern beziehungsweise Vereinsvertretern an den unter der Pergola bereitgestellten Tischen und Bänken. Nach Art eines Speed-Datings rutscht jeder Student und jede Studentin nach Ablauf der festgelegten Gesprächsminuten weiter zum nächsten Ansprechpartner. Auf diese Weise kommen verschiedene Kontakte zustande, und es wird ein Fragenkatalog abgearbeitet: Wie könnte das Miteinander von Kindergarten und Seniorenpflege gestaltet werden? Welche Träger kommen in Frage? Welche Räume müssen während eines Umbaus nutzbar bleiben? Gibt es Bedenken?

"Nichts muss, alles kann"

Emmi Zeulner verfolgt das Ganze interessiert. Die Bundestagsabgeordnete (CSU) hat die Untersuchung angestoßen. Sie befürwortet kleine, dezentrale Betreuungsmöglichkeiten, sowohl für Kinder, als auch für Senioren - noch besser, wenn sich die Generationen dabei begegnen können. In Trieb hat sie ein echtes Heimspiel. Als Kind aus dem benachbarten, noch kleineren Stadtteil Degendorf war sie hier selbst in den Kindergarten gegangen. Dieses Haus neben der Kirche wird heute von Vereinen genutzt. Das Betreuungsangebot fehlt.

Warum wurde der Kindergarten eigentlich vor etwa 15 Jahren geschlossen? Das lag, den Berichten zufolge, wohl an der nicht mehr gegebenen Flexibilität. Es sei schon zum Problem geworden, wenn die einen ihr Mittagessen in der Einrichtung, die anderen aber lieber zu Hause in den Familien haben wollten.

Die Sorge, dass auf FC oder Feuerwehr Einschränkungen zukommen könnten, möchte Zeulner nehmen. Es gehe um Überlegungen: "Nichts muss, alles kann." Sie merkt an, dass ja auch einmal eine Renovierung anstehen werde. Und dass es derzeit vom Bayerischen Ministerium für Gesundheit und Pflege bis zu 75 000 Euro Förderung für die Schaffung speziell auf die Bedürfnisse Demenzkranker zugeschnittener Tagespflegeeinrichtungen gibt. Architektin Birgit Dietz betont: "Wir machen keinen fertigen Entwurf!" Man wolle Möglichkeiten ausarbeiten. Dazu stehen im August für die insgesamt 14 beteiligten Studenten Semesterprüfungen an, im Nachgang vielleicht eine Präsentation im Lichtenfelser Stadtrat - und mit Sicherheit noch einige Diskussionen.

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