Schney
Schach

Zwischen Konzentration, Hoffnung und Angst

Wer nach der Anreise ein Brett vor dem Kopf hat, der ist hier richtig. Die Frankenakademie beziehungsweise das Schloss ist dieser Tage wieder Zentrum der Schachbegeisterten Oberfrankens.
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Wohl bei kaum einer anderen Sportart lässt sich anhand der Körperhaltung so leicht erkennen, wer mehr vom Spiel hat. Im Vordergrund ist das Marko Hofmann vom SV Seubelsdorf, der in seiner Zweitrundenbegegnung gegen Benjamin Zerr vom SK Michelau entspannt ist. Foto: Häggberg
Wohl bei kaum einer anderen Sportart lässt sich anhand der Körperhaltung so leicht erkennen, wer mehr vom Spiel hat. Im Vordergrund ist das Marko Hofmann vom SV Seubelsdorf, der in seiner Zweitrundenbegegnung gegen Benjamin Zerr vom SK Michelau entspannt ist. Foto: Häggberg
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Im 30. Jahr werden hier nach einem langen Turnier die Titel vergeben.

Leserlich schreiben

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Donnerstag, 9 Uhr. Eigentlich müsste um diese Zeit schon gespielt werden. Doch es kommt zu Verzögerungen und mahnenden Worten des Hauptschiedsrichters Ingo Thorn: "Es setzen sich jetzt erstmal alle auf ihre vier Buchstaben." Eigentlich könnte Thorn es damit auf sich beruhen lassen, aber den 73 Spielern im Hauptsaal der Frankenakademie ruft er gleich noch etwas dringend ins Gedächtnis: "Bitte schreibt leserlich, damit der Schachfreund Wolfgang Siegert nicht die Keilschrift der Sumerer eingeben muss."

Besagter Schachfreund sitzt ein Stockwerk tiefer in einer Art Regie- und Organisationsraum und hat volle zehn Stunden am Tag damit zu tun, alle Notationen in ein Bulletin einzutragen - das Internet wartet.

Schachspieler sind verpflichtet, die Zugfolgen ihrer Partien mitzuschreiben und sie tun es mehr oder weniger leserlich. Siegert weiß Lieder davon zu singen. Dann, um 9.10 Uhr hat jeder Spieler seinen Tisch und zugelosten Gegner gefunden, man füllt das Partieformular aus, reicht sich die Hände und drückt die Uhr. Und wer jetzt noch ein Mobiltelefon eingeschaltet hat, der würde seine Partie verlieren, sobald es klingelt.

30-jährige Turniergeschichte

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Die Geschichte von Schney als Austragungsort, ist eine zutiefst heimatliche. 1929 wurde der Schachverein Seubelsdorf gegründet und anlässlich seines Geburtstags 1989 richtete er in Schney einen Schachkongress mit Einzelmeisterschaften aus. Daraus erwuchs ein fester Turnierort, eine Tradition und mittlerweile tausenden an gespielten Partien.

Ein eigenes Damenturnier gibt es 2019 nicht. Dafür das Erwachsenenturnier mit 59 Startern inklusive der Teilnehmer einer U18-Meisterschaft. Noch einmal 54 Teilnehmer zählen die Turnierfelder der U8, U12, U14 und U16. Allein aus dem Landkreis Lichtenfels nehmen in allen Turniergruppen 22 Spieler teil. Maximal fünf Stunden dauert beim hiesigen Spielmodus eine Partie, zwei davon muss ein Spieler pro Turniertag absolvieren, am vierten und letzten Turniertag, dem Sonntag, hingegen folgt mit der siebten Runde nur eine Partie. Das kann harte Arbeit bedeuten, zehn Stunden Konzentration, Rechnerei, Pläne schmieden und Hoffnung und Angst aussitzen.

Bei der oberfränkischen Meisterschaft geht es im Hauptfeld nicht nur um den begehrten gläsernen Wanderpokal, es geht auch um die Qualifikation zur bayerischen Einzelmeisterschaft. Dem Erst- und Zweitplatzierten ist diese nach sieben Runden gewiss.

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