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Kegeln

Zwei Verbände - zwei Wege

Während der DKBC mit einem Drei-Stufen-Plan für Klarheit für seine Vereine sorgt, bricht die DCU ihre Saison ab und sorgt bei den Klubs für Unmut.
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Der Griff an die Kegelkugeln ist zurzeit passé. Die Saison in den Ligen der DCU wurde annulliert, die Vereine unter dem Dach des DKBC haben Planungssicherheit. Foto: sportpress
Der Griff an die Kegelkugeln ist zurzeit passé. Die Saison in den Ligen der DCU wurde annulliert, die Vereine unter dem Dach des DKBC haben Planungssicherheit. Foto: sportpress
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Die Saison in den Bundesligen und 2. Ligen im Kegeln ist derzeit ausgesetzt. Der Deutsche Kegler-Bund Classic (DKBC) hat nun für die kommenden Wochen für Klarheit gesorgt. Die Verantwortlichen haben für drei Szenarien eine klare Vorgehensweise veröffentlicht, die den Vereinen Planungssicherheit garantiert - wenn man davon in der derzeitigen Krisensituation überhaupt noch sprechen kann.

Einen völlig anderen Weg geht die mit dem DKBC konkurrierende Deutsche Classic-Union (DCU), deren Vereine im "alten" Modus über 200 beziehungsweise 100 Wurf nach Gesamtholzzahlen kegeln. Im DKBC werden die Spiele im internationalen Modus über 120 Würfe mit vier Sätzen (2 x 15 Kugeln) und Mannschaftspunkten bestritten.

In beiden Verbänden sind jeweils noch zwei Spieltage zu bestreiten.

DCU beendet die Saison

Das fünfköpfige Präsidium der DCU hat am Sonntag entschieden, dass die Bundesliga-Saison über 200 Kugeln abgebrochen und der DCC- und DCU-Pokal abgesagt werden. Diese weitreichende Entscheidung bedeutet, dass die aktuellen Tabellen der 1. und 2. Ligen "eingefroren" werden.

Alle weiteren Punkt-, Relegations-, Aufstiegs- und Entscheidungsspiele finden nicht mehr statt. Diese Nachricht ist für die Aktiven des Zweitligisten PSV Franken Neustadt bitter, die kurz vor Saisonende den Aufstieg in die 1. Bundesliga vor Augen haben. Für den aktuellen Tabellenführer, aber auch für die bereits in den anderen beiden 2. Ligen führenden Vereine, SKC Frammersbach oder SK Walldorf, kommt diese Entscheidung zu schnell.

Jürgen Bieberbach, Sportlicher Leiter des PSV Franken Neustadt, kann den rigorosen Entschluss zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollziehen: "Es bestand keine Eile. Der DKBC macht es besser und hat drei Varianten vorgestellt, die nachvollziehbar sind und Sinn machen", sagt Bieberbach.

Die bisher gespielte Serie plötzlich für null und nichtig zu erklären, wäre für den langjährigen Neustadter Funktionär die letzte Möglichkeit gewesen, die der Verband auch noch später hätte treffen können. Bieberbach sieht nun erhebliche Probleme auf den ohnehin nicht auf Rosen gebetteten Verband und vor allem auf den Spielbetrieb in der neuen Saison zukommen, denn Proteste von betroffenen Spielern und Vereinen, Boykott-Erklärungen oder Rückzüge von Mannschaften werden bereits in Kegler-Internet-Foren diskutiert.

Protest gegen Präsidium

Mit gegenseitigen Vorwürfen müsse man nach den Worten Bieberbachs in dieser außergewöhnlichen Lage zwar vorsichtig sein, dennoch gebe es bereits Bestrebungen mehrerer Klubs, offiziellen Protest gegen die Präsidiumsentscheidung einzulegen. Der Grund: "Mit Fairplay hat das nichts zu tun".

Bayern schließt sich wohl an

Dagegen können die Vereine der DKBC-Ligen wohl gut mit der Entscheidung leben. Der Bundesligist SKC Staffelstein darf sich über die Vizemeisterschaft freuen, wenn Plan C in Kraft tritt. Der Bayerische Sportkegler-Verband (BSKV) wird sich laut Präsidentin Margot Petzel (Kempten) dem Beschluss des DKBC sehr wahrscheinlich anschließen: "Wir haben das in unseren Gremien besprochen und werden den Stufenplan im Großen und Ganzen übernehmen." Es seien noch ein paar Vorarbeiten nötig. Die Spielleiter und der Vizepräsident Sport, Michael Hofmann aus Weidhausen (Lkr. Coburg), schauen sich das an. "Dann müssen noch die Bezirke ihr Okay geben", sagt Petzel, so dass der Beschluss wohl Mitte der Woche stehe. Von einer Annullierung der Saison wie in der DCU hält die Kemptenerin nichts. "Wir haben schließlich 16 von 18 Spieltagen bestritten. Die Tabelle hat eine Aussagekraft, auch wenn es natürlich Härtefälle in Meisterschafts- oder Abstiegsfragen gibt." Persönlich geht Petzel davon aus, dass eine Beendigung der Saison nicht mehr funktioniere.

Wenn es denn zu einem Saisonabbruch (Plan C) käme, würden sich beispielsweise die Bayernliga-Männer des Baur SV Burgkunstadt ärgern, die derzeit punktgleich mit Spitzenreiter TV Eibach um den Zweitliga-Aufstieg kämpfen und den Konkurrenten in der letzten Runde auch noch zu Gast gehabt hätten.

Der Drei-Stufenplan des DKBC sieht folgendermaßen aus:

Plan A

Der 17. Spieltag wird auf den 9./10. Mai terminiert, die 18. Runde auf 16./17. Mai. Ausweichtermine sind der 1./2./3. Mai sowie als spätester Termin der 23./24. Mai. Die Aufstiegsspiele in und zu den Bundesligen finden am 30./31. Mai statt. Sollten bis einschließlich 24. April behördliche Auflagen die Nutzung der Sportstätten weiter untersagen, tritt am 25. April Plan B in Kraft.

Plan B

Dann werden die Abschlussspieltage am 23./24. und 30./31. Mai stattfinden (Ausweichtermine 16./17. Mai und 6./7. Juni). Die Aufstiegsspiele in und zu den Bundesligen finden am 13./14. Juni statt. Sollten bis einschließlich 8. Mai die Kegelbahnen weiter gesperrt sein, tritt am 9. Mai Plan C in Kraft.

Plan C

Der besagt einen Abbruch der Saison 2019/20. Der Tabellenstand des 16. Spieltags wird als Abschlusstabelle gewertet. Die Mannschaften auf den Plätzen 9 und 10 sind Absteiger. Die Tabellenersten in den 2. Ligen steigen direkt in die Bundesliga auf. Alle Ligen werden in der Saison 2020/21, wenn es nötig ist, auf bis zu zwölf Teams mit gleitendem Abstieg aufgestockt.

Keine Meisterschaften

Abgesagt wurden vom DKBC auch alle für dieses Jahr geplanten deutschen Meisterschaften. Die vorgesehenen Spielorte bleiben die Austragungsorte 2021. Wenn der bayerische Verband sich dem Plan des nationalen Keglerbundes anschließt, wäre die Austragungen der bayerischen Meisterschaften oder jener auf Bezirksebene unnötig.

Initiative gegen den DCU-Beschluss

Der Sportkegelklub PSV Franken Neustadt hat die Initiative ergriffen und sich mit folgendem Schreiben, verfasst von PSV-Manager Ulrich Bieberbach, an die Präsidiumsmitglieder der Deutschen Classic-Union (DCU) gewandt:

"Die Mitteilung vom 22. März 2020, die Saison 2019/2020 mit sofortiger Wirkung abzubrechen, kann nicht unwidersprochen bleiben. Bei noch zwei ausstehenden Spieltagen und einem Zeitfenster von mehr als drei Monaten einen radikalen Schnitt zu machen, erschließt sich uns nicht.

90 Prozent aller Spiele sind absolviert und werden mit einem Schlag für null und nichtig erklärt - eine unsportlichere Entscheidung kann es wohl nicht geben. Es stehen ja auch schon Meister fest, die um ihren Erfolg regelrecht betrogen werden."

"Rigoroser Gesundheitsapostel"

Weiter heißt es im Beschwerdebrief: "Muss man den rigorosen "Gesundheitsapostel" spielen, nur weil der DKBC mit seinem Stufenplan aufgezeigt hat, wie es vielleicht doch noch zu einem geordneten Saisonabschluss kommen kann? Persönliche Befindlichkeiten bringen unseren Sport auch in einer solchen Krise keinen Millimeter voran und es steht zu befürchten, dass diese völlig überstürzte Entscheidung bezüglich der Mitglieder- und Mannschaftenentwicklung weitere Verluste zur Folge haben wird. Ein geregelter Saisonstart 2020/2021 erscheint uns äußerst gefährdet."

Abschließend fordern die Neustadter, die sich bereits mit mehreren betroffenen Vereinen ausgetauscht haben und nach eigenen Angaben auch zahlreiche Mitstreiter in dieser Sache gefunden hätten, mit einer klaren Forderung: "Wir fordern die Rücknahme der getroffenen Entscheidung und erwarten, dass mit Besonnenheit auf die gegenwärtige Situation reagiert wird, selbstverständlich immer im Hinblick auf die große Verantwortung für die Gesundheit von uns allen."

Die DKBC-Bundesligen 2020/21 im Falle eines Saisonabbruchs

BUNDESLIGA MÄNNER (12 Mannschaften) SKV Rot Weiß Zerbst , SKC Staffel£stein, SKC Victoria Bamberg, TSV Breitengüßbach, SKK Chambtalkegler Raindorf, Spfde Friedrichshafen, KC Schwabsberg, FEB Amberg, VfB Hallbergmoos (Aufsteiger), TSG Kaiserslautern (Auf), SV Wernburg (Auf), SKC Kleeblatt Berlin (Auf)

2. LIGA MITTE MÄNNER (12) SKV Nibelungen Lorsch (Absteiger), RW Hirschau (Ab), TSV Großbardorf, Gut Holz Zeil, SC Regensburg, SKC Victoria Bamberg II, FSV Erlangen-Bruck, Ohrdrufer KSV, und 4 weitere Aufsteiger. BUNDESLIGA FRAUEN (11) SKC Vitoria Bamberg, SKK Poing, KV Liedolsheim, KC Schrezheim, SV Pöllwitz, ESV Pirmasens, SG Lorsch-Bensheim, FSV Erlangen-Bruck, SG Jahn Freiburg (Auf), SV BW Auma (Auf), MSV Bautzen (Auf) 2. LIGA MITTE, FRAUEN (12) SKC Bavaria Karlstadt (Ab), SG Walhalla Regensburg (Ab), TSG Kaiserslautern, ASV Fronberg, TSV Schott Mainz, SKC Eggolsheim, ESV Pirmasens II, SC Victoria Bamberg II, SKK Helmbrechts, HSV BW Lauterbach, plus 2 weitere Aufsteiger Die Zusammensetzungen der 2. Ligen Süd und Ost der Männer und Frauen sind auf der DKBC-Homepage www.dkbc.de zu sehen

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