Lichtenfels
Schach

Schney - ein fester Termin für Franken

Hinter den Kulissen der oberfränkischen Meisterschaft auf Schloss Schney verbringen viele Ehrenamtliche ihre Zeit - und das seit vielen Jahren.
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Der Höchstadter Reiner Schulz - im Zeichen der Schachfiguren seit 20 Jahren organisatorisch ehrenamtlich treu auf Schloss Schney. Foto: M. Häggberg
Der Höchstadter Reiner Schulz - im Zeichen der Schachfiguren seit 20 Jahren organisatorisch ehrenamtlich treu auf Schloss Schney. Foto: M. Häggberg
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Im Grunde begann alles als Geburtstagsfeier. Die "Klötzchenschieber" kamen nach Schney, vorwiegend Männer mit dem Brett vorm Kopf und dem Gefühl von Zeitnot im Nacken. Sie sollten essen, trinken und übernachten. Schach verursacht Geschäftigkeit. So sehr, dass gerade niemand so richtig registriert, dass es in der Franken-Akademie ein Jubiläum zu feiern gäbe.
270 Mittagessen, 270 Abendessen, 270 Frühstücke. So ungefähr wird in wenigen Tagen eine Bilanz ausgefallen sein. Seit dem gestrigen Mittwoch bis zu Dreikönig am Samstag werden die oberfränkischen Schachtage auf Schloss Schney dauern - Zeit, in der viel gegessen wird. Zwei Köche und eine Küchenhilfe werden alle Hände voll zu tun haben.


Köche haben viel zu tun

"Den ersten guten Geschäftsgang im Jahr", nennt Koch Matthias Franck das ihm nun schon längst bekannte, alljährliche Januarereignis. Eine Instanz über ihm bilanziert der stellvertretende Geschäftsführer der Franken-Akademie, Simon Moritz, zu den noch überdies anfallenden Übernachtungszahlen. "180 Übernachtungen - das ist ein schöner Posten für uns." Solche Posten braucht ein politisches Bildungs- und Seminarhaus bisweilen auch, will es seinen "Kernauftrag wahrnehmen", erklärt Moritz.


Es begann 1989

Doch die Schachtage, die im Grunde aus Turnieren und Meisterschaften für unterschiedliche Altersklassen bestehen und zu denen Spieler aus ganz Oberfranken anreisen, wären ohne das Jahr 1989 nicht denkbar. Damals feierte der Schachverein Seubelsdorf 60. Geburtstag und übernahm als Ausrichter dieses auf Schloss Schney erstmalig stattfindende Turnier. Der SV aus dem Lichtenfelser Stadtteil Seubelsdorf folgte lediglich einer Üblichkeit, wonach Vereine als Ausrichter für die oberfränkische Meisterschaft auftraten. "Doch schon ein Jahr später sollte sich kein ausrichtender Verein mehr finden", erinnert sich Bezirksspielleiter Reiner Schulz.
Was blieb, war die Erinnerung an einen Ort und an eine Akademie, die Vorzüge hatte: ein Bahnhof in der Nähe, Übernachtungsmöglichkeiten mit Klausurcharakter, Küche und Gasträume, mit Spielsälen und jeder Menge Platz. Oberfrankens Schachverband nahm die Angelegenheit gemeinsam mit der Franken-Akademie in die Hand, das alljährliche Zentrum der oberfränkischen Schachwelt installierend. Daraus erwuchsen Synergien und Nebeneffekte, denn neben den Schachtagen fanden hier auch schon Schach-Lehrgänge des Verbandes und Jugendwettkämpfe auf nationaler Ebene statt. "Auffällig in diesem Jahr ist, dass viele Eltern dabei sind, die auch in die Therme gehen wollen", nennt Schulz einen weiteren Nebeneffekt.
Der Nebeneffekt bei Ingo Thorn liegt anderswo. Wäre der Finanzbeamte aus dem Coburgischen nicht so gerne der Schiedsrichter des Hauptturniers, dann hätte er in den vergangenen zehn Jahren 40 Urlaubstage entspannter verbracht. So aber ging diese Zeit für Aufsicht drauf, für schweigende Anwesenheit oder für die Schlichtung bei Streitfragen. 250 Quadratmeter mit rund 40 Spieltischen überschaut Thorn bzw. geht er ab. Von seinem Schlag sind noch sechs, sieben weitere Personen angereist, die sich in der Organisation einbringen. Seit 20 Jahren eben jener Reiner Schulz, der als Elektro-Ingenieur bei Siemens "viel über Gleitzeit reingearbeitet hat", was er in Schney an Zeit los wurde. Beispielsweise dadurch, dass er Schnittstelle zwischen den Turnieranmeldungen nebst Übernachtungsanfragen und der Küche des Hauses ist.
Oder der Student Jan Trinkwalter, der eigens aus der Nähe von Stuttgart anreist, um auch 2018 Turnierdirektor zu sein, und dem es obliegt, viel Zeit am Computer mit der Auslosung der Gegner zu verbringen oder Urkunden anzufertigen. "Man hat mich extra eingeflogen", witzelt er.


"Ich kann alles lesen"

Wer auch witzelt, ist Wolfgang Siegert, ein Lehrer aus Kulmbach. Wirklich beneidet wird er von niemandem, denn seine Arbeit ist so wichtig wie nicht selten öde. Für das Bulletin tippt er die handschriftlich ausgefüllten Spielformulare mit den Zugfolgen ab. Selbst unleserlichste Schriften muss er entziffern. Das Selbstvertrauen dazu gibt ihm sein Berufsstand: "Ich bin Lehrer, ich kann alles lesen", so der Mann schelmisch.
Sieben Runden plus Abschlussblitzturnier an vier Tagen gilt es, zu absolvieren, dabei zu schlafen, zu essen, zu leben. An 40 Tischen nur im Hauptturnier, bei vielen hundert Mahlzeiten oder in 69 Zimmern mit 135 Betten. Das Schloss Schney ist der feste Ort für ein Turnier, das nun schon zum 30. Mal stattfindet.
Hier lagern nun die Schachuhren, Figurensätze und Spielbretter des Bezirksverbands im Wert von einigen tausend Euro, alle vom selben Format und in vom Weltschachbund bestätigter Wettkampfnorm.
Und in der Akademie selbst legt man Wert auf diesen ersten verlässlichen großen Posten des Jahres. Man plant es fest ein, schon ein Jahr im Voraus. Oder wie drückt es Belegungsmanagerin Pia Horn aus: "Wenn die Bude nicht abbrennt, gehe ich davon aus, dass die Schachspieler 2019 wieder da sind."


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