Schney
Schach

Schachtage in Schney reich an Geschichten - einige Impressionen

Vier Tage Schachspektakel - alljährlich und das nun schon seit 30 Jahren. Die oberfränkischen Schachtage in der Frankenakademie Schney sind seit jeher reich an Geschichten.
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Der Hofer Aydin Yigit ist zweimaliger Pechvogel der Schachtage. Mal ging sein Handy, mal verschlief er die Partie. Beide Male setzte es eine Null. Der Mann nimmt's mit Humor.
Der Hofer Aydin Yigit ist zweimaliger Pechvogel der Schachtage. Mal ging sein Handy, mal verschlief er die Partie. Beide Male setzte es eine Null. Der Mann nimmt's mit Humor.
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Streiflichter aus vier Tagen einer heimischen Traditionsveranstaltung zwischen Spiel, Spaß, Tragödien und Statistiken.

Temperatur

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23 Grad, permanent. Manchmal muss der Turniersaal, in dem sich die oberfränkischen Meister ausspielen, auch gelüftet werden, dann sind es kurzfristig mal 22 Grad. Der Turniersaal ist beheizt und bestuhlt. In drei Reihen stehen Tische mit Brettern und Schachuhr. Die besten Spieler sitzen an der Fensterreihe, das Mittelfeld sitzt in der zweiten Reihe und die Turnierschwächsten in der letzten Reihe. Aber nur in den ersten beiden Reihen haben die Stühle auch Armlehnen. Die Turnierschwächsten sitzen ein bisschen weniger komfortabel.

Zeit

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Wolfgang Siegert ist Lehrer. Der Kulmbacher sitzt ein Stockwerk unter dem Turniersaal und waltet seines Ehrenamtes. Zehn Stunden täglich ist er damit beschäftigt, Partienotationen zu lesen und für das Turnierbulletin nachzuspielen. Veranschlagt man eine Partienotation durchschnittlich mit 171 Zeichen, dann kommen für Siegert an vier Tagen 75 Taschenbuchseiten an "Lesestoff" zusammen. Zehn Stunden pro Tag ist er damit beschäftigt - vier Tage lang. Das sind 2400 Minuten Zugeingaben am Computer. Oder umgerechnet 13 Mal den Filmklassiker "Dr. Schiwago" (180 Minuten Dauer) schauen.

Tränen

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791 Partien werden von U8 bis zum Erwachsenenturnier nach vier Tagen gespielt worden sein. Tränen flossen dabei auch. In der U14 wird ein Junge das Weinen bekommen, weil er eine Partie verlor. Schach ist Leidenschaft und Philosophen meinten gar, das "Spiel der Könige" ähnelte dem Leben selbst.

Angst

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Das Gefühl, etwas könnte in der Luft liegen. Der Blitz könnte einschlagen, weil man etwas übersehen hat, weil man sich verkalkulierte, weil man nach mehrstündiger Konzentration schließlich Mensch und keine Maschine ist. Schachspieler sitzen nicht selten Ängste aus, spielen nicht selten mit flauem Gefühl. Sätze, die in diesem Turnier und an diesem Ort im Laufe der Jahre fielen, lauteten: "Die Angst ist wie damals in der Schule, wenn der Lehrer droht, die Hausaufgaben zu kontrollieren, du selbst aber keine Hausaufgaben gemacht hast. Und, einen "Angstwiss" andeutend: "Du kannst die größten Blasensteine haben, beim Schach musst du immer pinkeln." Anekdoten wie diese hätten gut Platz in einem Medium, welches der Schachclub Höchstadt herausgibt: eine Vereinszeitung mit nun schon über 100 Ausgaben, 50 Seiten stark und gut aufgemacht. Exemplare davon liegen in Schney immer aus.

Pech

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Fünf Stunden dauert eine Partie im längsten Fall. Zwei pro Tag kann bedeuten, zehn Stunden Schach und Kampf, Arbeit und eben auch immer wieder dieses auftauchende flaue Gefühl. Doch wann isst man zu Mittag? Es kommt bisweilen vor, dass manch einem Spieler zwischen den Partien gerade einmal 20-30 Minuten bleiben, um sein Mittagessen einzunehmen. Gemütlichkeit sieht anders aus. Wer sich mit Pech auch auskennt, ist Aydin Yigit. Der 47-Jährige von der PTSV Hof ist Stammgast bei diesem Turnier. Im vergangenen Jahr verlor er eine Partie, weil sein Handy während des Spiels klingelte. Die Weckerfunktion. 2019 verlor er auch eine Partie - weil er verschlafen hatte.



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