Lichtenfels
Fußball

Niklas Dorsch: Von der Wohlfühloase ins Glück

Nach dem Abschied vom FC Bayern München hat sich der Lichtenfelser Niklas Dorsch beim Zweitligisten FC Heidenheim durchgesetzt. Der 21-Jährige blickt auf die Saison und das Pokalduell mit seinem Ex-Klub zurück.
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Im Viertelfinale des DFB-Pokals durfte Niklas Dorsch (Mitte) 52 Minuten lang mitwirken, ehe er gelb-rot gefährdet ausgewechselt wurde. Der 21-Jährige scheiterte mit Heidenheim bei seinem Ex-Klub FC Bayern München um James Rodriguez knapp mit 4:5. Foto: Sven Hoppe/dpa
Im Viertelfinale des DFB-Pokals durfte Niklas Dorsch (Mitte) 52 Minuten lang mitwirken, ehe er gelb-rot gefährdet ausgewechselt wurde. Der 21-Jährige scheiterte mit Heidenheim bei seinem Ex-Klub FC Bayern München um James Rodriguez knapp mit 4:5. Foto: Sven Hoppe/dpa

Der gebürtige Lichtenfelser Niklas Dorsch hat im vergangenen Jahr den FC Bayern München verlassen, um im Profigeschäft Fuß zu fassen. Das gelang dem defensiven Mittelfeldspieler beim Zweitligisten FC Heidenheim: 29 Einsätze, davon 27 in der Startelf. Einmal fehlte er gelbgesperrt, einmal krankheitsbedingt und zweimal wegen einer Fersenverletzung. Am Sonntag gelang ihm beim 4:3-Auswärtssieg beim MSV Duisburg sogar der Siegtreffer.

In der Rückrunde war Heidenheim nie schlechter als Platz 7. Mit 52 Punkten ist der FCH Fünfter und hatte bis zum vergangenen Sonntag die Möglichkeit, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Der 21-Jährige blickt auf eine erfolgreiche Spielzeit zurück.

Vom Rekordmeister ins beschauliche Heidenheim. War das der richtige Schritt?

Niklas Dorsch: Du gehst natürlich mit einer bestimmten Ungewissheit in die Saison, weil du nicht weißt, wie der Wechsel am Ende ausgeht. Dass es so gut klappt, habe ich mir nicht direkt vorgestellt, aber vorgenommen. Ich bin unglaublich froh über den Schritt nach Heidenheim. Hier habe ich mich schnell eingelebt und zurechtgefunden.

Sie bereuen den Wechsel nach Heidenheim also nicht?

Nein, auf keinen Fall. Klar: Es ist im Nachhinein leichter zu sagen, dass man alles richtig gemacht hat. Ich fühle mich hier sehr wohl und fußballerisch hat es dieses Jahr gut geklappt.

Im Profigeschäft ist es eher unüblich, dass ein Trainer mehrere Jahre bei einem Verein ist. Heidenheim ist eine Ausnahme. Frank Schmidt ist seit 2007 Trainer beim FCH. Welche Rolle nimmt er für Sie ein?

Das war ein Punkt, auf den ich im Vorfeld auch geachtet habe. Ich wollte Sicherheit. Als junger Spieler zu einem neuen Verein zu kommen, ist schwierig. Vor allem wenn nach fünf Spieltagen der Trainer entlassen werden sollte und es kommt ein neuer, der nur auf erfahrene Spieler setzt. Mir war ein Trainer wichtig, der Qualität hat und fest im Sattel sitzt. Frank Schmidt hat mir ein überragendes Gefühl gegeben und gesagt: ,Pass auf, wenn du deine Leistung bringst, bekommst du eine faire Chance.' Und die habe ich bekommen.

Was sind die Unterschiede zwischen dem Vereinsleben beim FC Bayern München und dem in Heidenheim?

Wenn du bei Bayern trainierst, hast du ein paar hundert Fans beim Training. In Heidenheim ist alles ruhiger, auch die Medien sind entspannt. Wenn du mal ein Spiel auf die Schnauze bekommst, wie beim 1:5 in der Hinrunde in Paderborn, ist das kein Weltuntergang. Das ist schon ein großer Unterschied. Über die Bedingungen und das Umfeld brauchen wir nicht zu reden. Da findest du in Deutschland wenig, was mit Bayern München mithalten kann. Aber auch in Heidenheim wird professionell gearbeitet. Wir haben alles, um im Profifußball mithalten zu können. Über das Vereinsleben habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich habe nicht überlegt, wo was besser ist. Eine faire Chance und Spielzeit waren wichtig für mich. Das hat geklappt. Bayern ist eine eigene Welt und mir war klar, dass es ein Schritt aus der Wohlfühloase sein wird. Wenn man sich mit diesem Gedanken vorher auseinandersetzt, fällt es einem leichter, diesen Schritt zu gehen.

Anfang April sind Sie im Viertelfinale des DFB-Pokals nach München zurückgekehrt. Dort haben Sie beim 4:5 eine Sensation nur knapp verpasst. War das, trotz der Niederlage, Ihr persönliches Highlight der Saison?

Ich glaube, dass es für die Stadt und den Verein das Highlightspiel schlechthin bislang war. Heidenheim ist ein noch junger Club im Profifußball und du fährst zum großen FC Bayern. Da rechnest du dir keine großen Chancen aus, machst aber dann so ein Spiel. Wenn du so knapp scheiterst, obwohl du eine realistische Chance hattest, ist es noch einmal ärgerlicher, als wenn du 0:5 verlierst. Da sitzt du nach dem Spiel im Bus und lachst womöglich noch, weil man chancenlos war. Aber so saßen wir im Bus, haben uns angeschaut und gefragt, wie das sein kann. Die Partie hat für Gänsehaut gesorgt. Nach dem 4:4 hatten wir die Möglichkeit zum 5:4. Du beißt dir in den Arsch, dass du die Chance nicht genutzt hast. Es war ähnlich wie in der Saison. Da hätten wir mit einem Sieg gegen Sandhausen die Chance gehabt, im Aufstiegsrennen bis zum Schluss mitzumischen. Durch die 2:3-Niederlage haben wir es aber verpasst. Das zeigt auch, dass wir noch relativ unerfahren sind, was solche Situationen angeht. Umso wichtiger ist es, dass wir daraus lernen. Wer weiß, vielleicht kriegen wir nächste Saison wieder die Chance. Dann sind wir mit Sicherheit ein Stück weiter und nutzen die Möglichkeit.

Wie bewerten Sie die Heidenheimer Saison?

Statistisch gesehen ist es die beste Saison der Heidenheimer Vereinsgeschichte. So fühlt es sich auch an. Die Mannschaft und auch ich persönlich haben uns stetig weiterentwickelt. Wir sind stabil geworden und auf einem extrem guten Weg, der Freude macht und mir auch Spaß am Fußball gibt. Von daher kann der ganze Verein stolz sein. Wenn wir das letzte Saisonspiel am Sonntag gegen den FC Ingolstadt noch gewinnen, können wir sehr zufrieden sein, was wir in dieser Spielzeit geleistet haben.

Sie stehen noch bis 2021 in Heidenheim unter Vertrag. Wie die Bild-Zeitung berichtet, haben Eintracht Frankfurt und der FC Augsburg Interesse an Ihnen. Wo spielen Sie in der nächsten Saison?

Ich bin kein Fan von Versprechungen: Ich sage nicht, dass ich hier bleibe und am Ende ist es doch anders. Dafür geht im Fußball oft zu schnell. Mein Ziel ist es, früher oder später in der ersten Liga zu spielen. Ich habe in Heidenheim eine gute Saison gespielt und mir die Ausgangssituation geschaffen, um den nächsten Schritt zu gehen. Für Spekulationen ist es noch zu früh. Ich spiele die Saison zu Ende und dann wird man sehen, was passiert. Ich habe hier schließlich einen Vertrag. Am besten wäre es, meinen nächsten Schritt mit Heidenheim zu gehen.

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