Bad Staffelstein
Faustball

Jule Donath hat ihr erstes Ziel erreicht

Die Staffelsteinerin spielt am Wochenende mit der U18-Nationalmannschaft um die Europameisterschaft. Für den Nachwuchs des TSV ist die 17-Jährige ein Vorbild.
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Gute Technik - hier das Zuspiel mit gestrecktem Arm - zeichnet Jule Donath aus. Dies schätzt ihr Trainer und Onkel Bernd Donath (im Hintergrund).  Foto: Gunther Czepera
Gute Technik - hier das Zuspiel mit gestrecktem Arm - zeichnet Jule Donath aus. Dies schätzt ihr Trainer und Onkel Bernd Donath (im Hintergrund). Foto: Gunther Czepera
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Wenn am Wochenende die U18-Faustball-Europameisterschaft in Hohenlockstedt bei Itzehoe (Schleswig-Holstein) stattfindet, ist auch Oberfranken vertreten. Jule Donath vom TSV Staffelstein trägt dann das Trikot mit dem Bundesadler und will mit dem Team der jungen Frauen den Titel verteidigen, den es vor zwei Jahren errungen hat.

Da es in dieser Altersklasse nicht allzu viele Teams gibt, ist das Teilnehmerfeld mit drei Mannschaften - neben Deutschland noch Österreich und die Schweiz - sehr übersichtlich. Bei den jungen Männern sind immerhin vier Nationen am Start; hier kommt noch Italien dazu.

Das Frauen-Team um das Trainer-Trio Katrin Gewinner, Heike Hafer und Hartmut Maus trifft am Samstag zunächst auf die Schweiz (9.30 Uhr) und am Nachmittag (16.30 Uhr) auf Österreich.

Das beste der drei Teams steht bereits im Finale, die beiden anderen spielen am Sonntag noch einmal in einem "Halbfinale" gegeneinander. Das Endspiel ist für 15 Uhr angesetzt.

Dort hofft Jule Donath auf eine Teilnahme. Der 17-jährigen Abiturientin wurde der Faustballsport quasi in die Wiege gelegt. Ihr Onkel Bernd Donath ist ihr Trainer. Der sieht die Nominierung seiner Spielerin vor allem als Bestätigung seiner Arbeit über Jahre. Stolz sei natürlich auch dabei. "Wir haben aber nicht nur Jule, sondern sind auch in der Breite inzwischen gut aufgestellt", so der Trainer, der durch die Nominierung auch einen Effekt auf das Vereinstraining erkennt. "Das motiviert auch die anderen. Jede im Frauenteam versucht, immer regelmäßiger zum Training zu kommen, auch wenn sie auswärts studiert."

Die jungen Damen um Jule Donath fungieren darüberhinaus als Vorbilder für die Kinder. "Es nehmen nicht alle den Sport so ernst. Aber die, die ernsthaft dabei sind, kommen auch weiter", weiß Bernd Donath. Als beste Beispiele nennt er Leonie Sturm oder seine Tochter Ulla, die beide in Passau studieren, aber bei jedem Spiel der Zweitliga-Damen oder U18 die Fahrten nach Staffelstein und dann zum Auswärtsspiel in den Schwarzwald oder nach Görlitz an die polnische Grenze bewältigen. "Wenn die Mädels solche Mühen auf sich nehmen, ist zu erkennen, dass man in den letzten Jahren nicht all zuviel falsch gemacht hat", so der Trainer.

Über seine Jung-Nationalspielerin sagt der TSV-Trainer: "Jule hat sich in den letzten zwei, drei Jahren technisch wahnsinnig gut entwickelt. Darüberhinaus zeichnen sie ihre Beweglichkeit und ihre Erfahrung aus. Hier zahlt sich aus, dass sie, seit sie darf, in Erwachsenenmannschaften spielt."

Vor der EM sprachen wir der Jung-Nationalspielerin. Faustball gilt als Turnersportart, wurde 1885 erstmals bei einem Deutschen Turnfest vorgeführt. Deutschland gilt als eine der führenden Nationen, ist bei den Frauen und Männern amtierender Weltmeister. Warum kommt eine 17 Jahre junge Frau überhaupt dazu, Faustball zu spielen? Meine ganze Familie spielt Faustball. Mein Opa hat den Verein gegründet. Mein Onkel ist mein Trainer, und meine Eltern spielen auch Faustball, da ist es fast logisch, dass ich das auch tue. Welche Ziele haben Sie mit dem Faustball? Eines meiner Ziele war es, in die Nationalmannschaft zu kommen. Das wollte ich schon lange. Das habe ich jetzt geschafft. Mit der Staffelsteiner Frauenmannschaft wollen wir in die 1. Bundesliga aufsteigen - das ist das nächste Ziel. Leider überschneiden sich die letzten beiden Spiele mit der EM. Aber wenn wir die mit dem TSV gewinnen, nehmen wir an den Aufstiegsspielen teil. Wie erklären Sie sich, dass der Faustball in Staffelstein so boomt? Der TSV hat Teams von der U10 bis zur U18 und nicht nur bei den Mädchen, auch die Jungs kommen inzwischen. Es kommt viel aus den Familien, weil es hier halt Tradition hat. Da hat der Opa schon Faustball gespielt. Dann bringt der eine Freund den anderen mit - und dann merken sie, dass Faustball Spaß macht. Die U18-Europameisterschaft findet in Deutschland statt. Welche Chancen rechnen Sie sich mit dem deutschen Team aus? Wir sind im vergangenen Jahr Weltmeister und vor zwei Jahren Europameister geworden. Da ist es klar - wir wollen den Titel verteidigen. Wir haben viele - wie ich auch - die zum ersten Mal im Nationalteam stehen. Wir rotieren dort viel. Stammspielerinnen gibt es nicht wirklich. Ihr Trainer Bernd Donath ist Ihr Onkel. Ist das schwierig? Bei mir klappt das ganz gut, bei meinen Cousinen nicht ganz so. Aber wir verstehen uns in der ganzen Familie gut, da gibt es etwa bei Familienfesten keine Diskussionen oder Streit über Faustball. Wie oft trainieren Sie? Zwei- bis dreimal pro Woche. Geht's da auch in den Kraftraum? Nein, so 'was machen wir nicht. Faustball ist eine Randsportart. Damit kann man kein Geld verdienen. Das macht man aus Spaß und nicht wegen des Geldes. Sie sind im Staffelsteiner Team die Zuspielerin - auch in der Nationalmannschaft? Nein, da spiele ich in der Abwehr. Die Umstellung klappt ganz gut, ich wollte in der Nationalmannschaft eher hinten spielen. In der Mitte hätte ich es wohl auch nicht ins Nationalteam geschafft. Was zeichnet eine gute Abwehrspielerin aus? Vor allem natürlich, dass sie die Bälle des Gegners rausholt. Man muss gut verschieben, schnell zum Ball laufen, damit man gut zum Ball steht. Aber eigentlich braucht man das auf allen Positionen.

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