Roth
Triathlon

Michelauer Andreas Dreitz startet mit Respekt und Vorfreude in Roth

Mehr als 260 000 Zuschauer werden am Sonntag in Roth im Mekka des Triathlons in Europa erwartet.
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Der Solarer Berg in Hilpoltstein ist für die Triathleten das Äquivalent zu L'Alpe d'Huez für die Radprofis bei der Tour de France. Die Stimmung ist grandios.  Foto: Christoph Raithel
Der Solarer Berg in Hilpoltstein ist für die Triathleten das Äquivalent zu L'Alpe d'Huez für die Radprofis bei der Tour de France. Die Stimmung ist grandios. Foto: Christoph Raithel
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Vor 35 Jahren gingen in Roth 82 Männer und eine Frau über eine Distanz von 700 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen an den Start. Erster Sieger war Franz Michels in 1:59:42 Stunden.
Am Sonntag werden beim teilnehmerstärksten Triathlon weltweit 3400 Einzelstarter und 650 Staffeln 3,8 Kilometer durch den Main-Donau-Kanal bei Hilpoltstein schwimmen, 180 Kilometer durch den Landkreis Roth fahren und einen Marathon laufen. An der Strecke und im Triathlonpark werden rund 260 000 Zuschauer erwartet, die die Profis zu Höchstleistungen beziehungsweise die Amateure zum Durchhalten animieren.


Hochkarätiges Teilnehmerfeld

Die Profigruppe wird angeführt von Sebastian Kienle, dem Ironman-Hawaii-Gewinner von 2014. Mit Andreas Dreitz, Jan Raphael und dem Roth-Sieger von 2009, Michael Göhner, kommt starke Konkurrenz aus dem deutschen Lager. Dabei hat Dreitz noch keine Roth-Erfahrung. Der 29-jährige Profi vom Team Erdinger-alkoholfrei ließ bei seinem ersten Langdistanz-Start beim Ironman Italien im September 2017 aber mit dem Sieg aufhorchen.
So erhält Dreitz hinter Kienle und dem Briten Joe Skipper die Startnummer 3. "Das ist eine große Ehre für mich, weckt bei den Zuschauern aber auch Erwartungen", sagt der Oberfranke aus Michelau, der sich akribisch vorbereitet hat. Vergangene Woche war er drei Tage in Roth, fuhr und lief die Strecken ab, tüftelte am Rad und plante das Rennen durch. "Ich bin körperlich topfit. Jetzt will ich am Wettkampftag meine beste Leistung abrufen. Die Atmosphäre spornt sicher an. Man darf sich nur nicht von der Euphorie anstecken lassen und dann überpacen. Die Gefahr besteht sicher bei der ersten Radrunde etwa beim Solarer Berg. Da muss man aufpassen, dass nicht plötzlich 500 Watt auf dem Tacho stehen. Aber auch nach dem Wechsel zum Laufen muss man sich zwingen, langsam zu beginnen", weiß Dreitz, der sich als starker Radfahrer einen Namen gemacht hat. "Daheim in Franken" hat sich Dreitz viel vorgenommen, will aber vorab keine Wunschplatzierung nennen.


An die Marschroute halten

"Das ist als Rookie schwer. Ich habe einen Plan mit Wattzahlen, Geschwindigkeit und Zeit. Daran will ich mich halten. Wenn das klappt, wäre ich sehr happy. Klarer Favorit ist aber Kienle." Der 33-Jährige war 2010 und 2011 jeweils Zweiter. "Der Sieg in Roth fehlt mir bisher in meiner Karriere, und darum werde ich kämpfen", sagt Kienle.
Das weiß auch Dreitz, gibt in dessen Richtung aber eine Kampfansage ab: "Wenn er eine Schwäche zeigt, bin ich da." Doch bei einem Langdistanzrennen zählt nicht nur die Physis, sondern vielmehr die Psyche. Wenn Müdigkeit und Schmerzen kommen, gilt es, den inneren Schweinehund zu überwinden. Deutschlands Triathlon-Aushängeschild Jan Frodeno sprach vor kurzem in einem Interview in der SZ, dass er mit dem Schmerz spreche. Dreitz setzt sich in einem solchen Fall Zwischenziele, denkt nicht, wie lange es noch bis ins Ziel ist, sondern nur bis zur nächsten Kilometermarke, dem Wendepunkt, der Verpflegungsstation. So nimmt der Michelauer "mit großer Vorfreude, aber auch riesigen Respekt" die Herausforderung Roth an.


Die Mitfavoriten

Neben Kienle und Dreitz gibt es noch weitere Topathleten, die sich die Siegprämie von 40 000 US-Dollar sichern wollen. Dazu gehört auf jeden Fall der 29-jährige Brite Joe Skipper, der in den vergangenen beiden Jahren jeweils Zweiter wurde. 2016 finishte er hinter Frodeno in 7:56:23 Stunden mit einer super Marathon-Zeit. 2017 überzeugte er mit 8:03:00 Stunden bei widrigen Wetterbedingungen. Der Australier Cameron Wurf sorgte 2017 auf Hawaii für Furore, als er Kienle auf dem Rad deklassierte und den Radstreckenrekord von Norman Stadler um mehr als fünf Minuten unterbot. Der Südafrikaner James Cunnama gewann 2012 in Roth und ließ die Plätze 2, 5 und 6 folgen. Sein Sieg beim Ironman Hamburg und Rang 5 in Hawaii 2017 zeigen, dass der 34-Jährige ein Siegkandidat ist.


Die Challenge-Serie entstand durch einen Streit mit "Ironman"

Im Jahr 1978 fand auf Hawaii der erste Langdistanz-Triathlon statt. Dort entstand auch der Begriff Ironman. "Wer auch immer zuerst ins Ziel kommt, wir werden ihn eisernen Mensch nennen", soll einer der Veranstalter damals gesagt haben. 40 Jahre später werden unter der Marke Ironman 154 Rennen über verschiedene Distanzen in 53 Ländern durchgeführt. Der Wettkampf von Hawaii gilt als inoffizielle Weltmeisterschaft. Er ist das Traumziel vieler Athleten.

Das Pendant ist das Rennen in Roth, das jedoch nicht unter der Flagge von Ironman, sondern als "Challenge" firmiert. Dass sich die beiden großen Veranstalter im Welt-Triathlon, die Challenge-Family und die World Triathlon Corporation (WTC) mit der Marke Ironman, nicht grün sind, wird nicht zuletzt beim Terminstreit in Roth deutlich.

1984 war noch die Triathlonabteilung des TSV Roth Organisator. Von 1988 bis 2001 firmierte das Rennen in Roth unter Ironman Europe, bis sich der Veranstalter Detlev Kühnel über die Lizenzgebühr für die Nutzung des Ironman-Logos und die Anzahl der Startplätze mit der WTC zerstritt. Fortan nannte der Nachfolge-Organisator Herbert Walchshöfer die Veranstaltung Challenge Roth. Die damals gegründete Team Challenge GmbH gehört nach wie vor der Familie Walchshöfer um Sohn Felix. Er war auch Gesellschafter der 2007 daraus entstandenen Challenge Family GmbH, die im Lauf der Jahre immer mehr Lang- und Halbdistanzrennen im Franchise-Verfahren organisierte. Erst 2015 zog sich die Familie Walchshöfer aus der GmbH zurück und konzentriert sich nur noch auf das Rother Rennen. Seit 2016 ist Zbigniew Szlufcik alleiniger Geschäftsführer der Challenge Family GmbH mit Sitz in Amberg. Sie organisiert um die 40 Rennen.

Die WTC ist seit 2015 ein Tochterunternehmen der chinesischen Wanda Group, die 650 Millionen Dollar an den amerikanischen Hedgefonds Providence überwies. 2008 hatte Providence für 85 Millionen WTC erworben. Präsident von Wanda Sports ist Philippe Blatter, Neffe des Ex-Fifa-Präsidenten Sepp Blatter. Das Ironman-Langdistanzrennen und die damit verbundene Qualifikationsmöglichkeit für den Saisonhöhepunkt auf Hawaii wurde für Deutschland 2001 nach Frankfurt am Main vergeben. 2012 fanden beide Rennen am gleichen Tag statt. Im vergangenen Jahr legte Team-Challenge-Geschäftsführer Felix Walchshöfer für Roth das erste Juli-Wochenende als Termin für die kommenden Jahre fest und zog damit die Konsequenz aus den wiederholten Terminkollisionen.

In den vergangenen Jahren eskalierte der Streit beider Veranstalter. Immer wieder wurden Traditionsstandorte, Mitarbeiter und Sportler vom Konkurrenten abgeworben. Dabei geht es vor allem ums Geld. Der Markt für Triathlon wächst. Die Athleten zahlen pro Wettkampf einige Hundert Euro für den Start und Tausende für Material. Triathlon zählt zum Lifestyle vieler Manager und hat den Marathon abgelöst.

Das prestigeträchtigste Rennen bleibt aber Hawaii, für das man sich aber nur bei einem "Ironman" qualifizieren kann. Für Profis gibt es ein Punktesystem. Dreitz, Kienle & Co. können also getrost beim Konkurrenten in Roth starten. Alle Amateure sind gezwungen, wenn sie ihren Traum auf Hawaii verwirklichen wollen, sich bei einem Ironman-Event zu qualifizieren. Ein Dilemma, denn die Stimmung in Roth ist einmalig. So ist der Ironman-Germany aber wohl nur in Sachen Hawaii-Qualifikation eine Konkurrenz. Die 5500 freien Startplätze für Roth sind binnen einer Minute vergeben.


Splitter

Spektakuläre Preisgeld-Erhöhung

Zum 35. Jubiläum erhöht die Datev-Challenge Roth einmalig das Preisgeld von bislang 88 150 auf 200 000 US-Dollar. Es handelt sich weltweit um das zweithöchste Preisgeld auf der Langdistanz nach dem Ironman Hawaii. Die Gewinner bei Frauen und Männern erhalten je 40 000 US-Dollar, die Zweiten 25 000 und 15 000 die Dritten.

Thomas Geiger ist
eine Legende in Roth

Seit 1988 wird in Roth auf der langen Distanz gestartet. Seit damals ist ein Mann immer dabei: Thomas Geiger aus Reitsch (Landkreis Kronach). Der 56-Jährige startet also zum 31. Mal und hat bei jeder Teilnahme das Rennen beendet. "Er ist eine Legende von Roth", sagt Andreas Dreitz anerkennend, der Geiger seit seinen ersten Triathlon-Jahren beim ASV Kronach-Frankenwald kennt. Neben Geiger sind aus Oberfranken unter anderem der Bamberger Michael Ultsch, der Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich und die Forchheimerin Lena Drummer als Einzelstarter dabei. Für die 30-Jährige ist es der zweite Start in Roth nach 2015. Da sie damals Studentin war und sich besser vorbereiten konnte, erwartet sie nicht zwingend eine bessere Zeit als 11:42 Stunden.

Party nicht nur
im Zielbereich

Wenn die letzten Teilnehmer im Ziel eintrudeln, steigt ab 21 Uhr die Finishline-Party. Der letzte Läufer darf bis 23.05 Uhr ankommen, dann wird ein Feuerwerk die Nacht über Roth erleuchten. Wer beim Schwimmstart dabei sein will, muss früh aufstehen und um 6.30 Uhr am Kanalufer bei Heuberg stehen. Auf der Radstrecke gilt der Solarer Berg, den die Zuschauer vom Schwimmen zu Fuß erreichen können, als Höhepunkt. Gegen 14 Uhr werden die Ersten im Zielbereich erwartet. Mehr unter www.challenge-roth.com.
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