Lichtenfels
Ringen

Der AC Lichtenfels II strebt seine zweite Saison an

Die zweite Mannschaft des AC Lichtenfels geht in ihr zweites Jahr in der Bayernliga. Trainer Roland Hopf sowie die Kämpfer Christian Lurz, Johannes Lurz und Hannes Wagner erklären, was in dieser Saison zu erwarten ist.
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Christian Lurz (stehend) ist einer der Pfeiler beim AC Lichtenfels II. Fotos: Voll
Christian Lurz (stehend) ist einer der Pfeiler beim AC Lichtenfels II. Fotos: Voll
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Die zweite Mannschaft des ACL geht in ihre zweite Saison der Bayernliga. Als Neuling hat man sich im vergangenen Jahr durchaus gut geschlagen, besonders wenn man das Verletzungspech bedenkt. Welche Ziele hat sich der ACL II für 2013 gesteckt? Wie steht es aktuell um die Mannschaft in der Vorbereitung? Was darf man von den neuen Regelungen erwarten? Antworten kurz vor dem Saisonstart am Samstag, 7. September, in Halbergmoos, gibt es in diesem Interview.

Roland Hopf, wie bewertest Sie im Nachhinein und mit genügend Abstand die letzte Saison und was hat sich seitdem getan?
Roland Hopf: Als Neuling haben wir uns beachtlich geschlagen. Die Jungen konnten sich mit stärkeren Gegnern messen - was auch unser Ziel und Anspruch ist.
Mir persönlich hat die letzte Saison sehr viel Spaß gemacht, denn Mannschaftsführer in der Bayernliga war ich bis dato auch noch nicht.
Das Verletzungspech war Anfang letzter Saison schon enorm. Was mich am meisten beeindruckt hat war der Sieg am vierten Kampftag in Traunstein, beim damaligen Tabellenführer, als wir Tabellenletzter waren. Der Grund für diesen Erfolg war klar: Sergeih Shiskov hat in 84 kg Freistil ausgeholfen und Christoph Meixner hat nach langer Verletzung in 96 kg Freistil die Mannschaft unterstützt.
Schon bei der Abfahrt in Lichtenfels hat man bei jedem Ringer gespürt, "hey heute sind wir komplett, die Mannschaft, der Verein wollen heute einen Sieg". Mit diesem Aufwind sind wir nach Traunstein gefahren und haben verdient die Traunsteiner geschlagen. Dieser Erfolg war extrem wichtig fürs Selbstvertrauen.
Weiterhin hat mich die Leistung in Trostberg beeindruckt. Dort haben wir zwar verloren, aber mussten leider kurzfristig auf die zwei besten Kämpfer verzichten. Hannes Wagner und Christian Lurz hatten sich damals kurzfristig krank, bzw. verletzt gemeldet, und konnten in Trostberg nicht ringen. Mit nur einem dieser beiden, hätten wir in Trostberg einen weiteren Sieg beim damaligen Tabellenführer geholt und die Punkte nach Lichtenfels geholt.
Das zeigt uns, es wäre wirklich mehr drin gewesen letzte Saison, aber gerade die Ausfälle von Asygat Baschpajew oder das nicht Antreten von Sergeih Einik waren auf Dauer nicht zu kompensieren.

Welches Ziel wird für die neue Saison ausgeben? Hat sich schon eine "TopTen" für den Bayernliga-Start herauskristallisiert oder gibt es noch vakante Positionen?
Für die neue Saison haben wir einen sehr guten, sympathischen Neuzugang aus Burgebrach verpflichten können. Mit Christian Merkel (74 kg Freistil), der ja schon als Jugendlicher ein paar Jahre für den ACL gerungen hat, haben wir einen sehr guten Ringer, der die "Zweite" hervorragend ergänzt. Asygat Baschpajew ist auch wieder ins Training eingestiegen. Wie es sich bei ihm, nach seiner langen Verletzung entwickeln wird, müssen wir abwarten.Weiterhin hoffe ich, dass vielleicht der ein oder andere Ringer aus der 1.Bundesliga, die "Zweite" punktuell unterstützt.
Das Training lief in der Vorbereitung gut. Hannes Wagner ist in der Klasse 84 kg Griechisch-Römisch eigentlich gesetzt. Genauso wie Leon Raps in 55 kg, Johannes Lurz in 66 kg Freistil, Christian Merkel in 74 kg Freistil und Sebastian Reuther in 120 kg. Ansonsten werden die Trainer nach Leistung und Trainingsbereitschaft die Mannschaft aufstellen.
Als klaren Favorit sehe ich den SV Siegfried Hallbergmoos in der Bayernliga. Aber auch die Aufsteiger Westendorf II und ASV Neumarkt sind nicht zu unterschätzen. Gerade Westendorf, als Reserve der 2.Bundesliga, besitzt ein großes Potenzial an jungen talentierten Ringern. Als Ziel setze ich mir einen gefestigten Mittelfeldplatz.

Welche Änderungen ergeben sich durch die neuen Regeln? Muss man deswegen evtl. auch anders trainieren? Welche gravierenden Unterschiede gibt es denn überhaupt?
Zu den neuen Regeln kann ich momentan recht wenig sagen. Dass die Kampfzeit geändert wurde, finde ich schade. Mit den Runden hatte ich mich die letzten Jahre angefreundet. Jetzt ist die Kampfzeit wie früher, die Punkte werden mitgenommen. Gibt ein Ringer in der Anfangsphase durch Unachtsamkeit einige Punkte ab, so rennt er diesen den ganzen Kampf hinterher, und der Führende kann taktisch verteidigen.
Der Kampfrichter soll den passiven Ringer bestrafen, hatten wir auch schon. Ist halt wieder aus der Sicht des Kampfrichters, und ich weiß aus Erfahrung, dass die ganz unterschiedlich sein kann. Ich meine, als Gastmannschaft wird's dann gerade bei knappen Kämpfen noch schwerer.
Das Training muss und wird beim AC schon auf die neuen Regeln abgestimmt. Davon konnte ich mich selbst überzeugen. Den Ringern mit viel Kondition und Physis, also die viel trainieren, werden die neuen Regeln zu gute kommen. Die Ringer, die viel Gewicht machen oder nicht so fit sind, werden es schwerer haben, falls die Kampfrichter die neuen Regeln richtig umsetzen.

Aus sportlichen Gründen zog es die Brüder Lurz in die Korbstadt. Sie kamen vom KSV Bamberg, der zur Zeit in der Landesliga ringt. Expertenmeinungen zufolge starten sie aber als Favorit und möchten ebenso wie der ACL II in die Bayernliga aufsteigen. Wie wird es dann für die Lurz-Brüder weitergehen? Wechseln sie wieder zurück zu ihrem Vater, der auch Trainer des KSV ist?
Christian Lurz: Uuhh, das ist eine schwere Frage. Der KSV wurde anfangs von vielen belächelt aber jetzt haben sie eine sehr starke Mannschaft, die in der Lage ist aufzusteigen. Wenn sie dies wirklich schaffen sollten, weiß ich nicht, wie es dann weitergehen wird. Ich mache die Entscheidung nicht an einer Ligenzugehörigkeit fest und im Moment hält mich vor allem der gute Kontakt zu Martin Wegner, einigen anderen Ringern und den Fans beim AC. Ich möchte einfach vor möglichst vielen, begeisterten Zuschauern in einer ersten Mannschaft ringen. Ob dies dann das Team vom AC oder vom KSV ist und in welcher Liga, wird sich zeigen. Eines ist aber sicher: Uns zwei wird es nur im Doppelpack geben.
Johannes Lurz: Die Mannschaft von Bamberg ist in diesem Jahr durch einige Zugänge natürlich sehr stark. Ich traue der Mannschaft, so wie sie jetzt ist, einen vorderen Platz zu. Ich würde mich natürlich freuen, wenn es der KSV nach Jahren mal wieder so hoch schafft. Weiter voraus möchte ich erstmal nicht schauen.

Christian, man hörte, dass du bei VW ein Studium anfangen wirst/wolltest. Wie lässt sich das mit dem Aufwand eines Ringers vereinbaren? Wie und wo trainierst du aktuell?
Christian Lurz: Ich studiere mittlerweile im fünften Semester Automobilmechatronik in Coburg und werde seit einem Jahr im Rahmen des Deutschland-Stipendiums von Volkswagen finanziell gefördert. Dass ein Ingenieursstudiengang nicht das "süße Studentenleben" mit sich bringt, war mir dabei aber eigentlich von Anfang an bewusst. Und so ist es öfters vorgekommen, dass ich zum Ende der Woche noch einmal schnell in der Mittagspause Joggen gegangen bin, um Gewicht zu machen. Aktuell trainiere ich in Lichtenfels, beim KSV und selbstständig daheim. Leider schaffe ich es im Moment nicht, öfter auf die Matte zu gehen, aber ich hoffe einfach, dass ich trotzdem recht fit und vorbereitet in die Saison gehe.

Was haltet ihr von den neuen Regelungen? Bringt es den Ringkampfsport nach vorne oder war es reiner Aktionismus?
Christian Lurz: Völliger Aktionismus! Stell dir vor, beim Fußball spielt man auf einmal nur noch 30 Minuten und auf Minitore - und das mit einem Gummiball. Da wäre das Geschrei sicherlich riesig und bei uns Ringern ist das anscheinend vollkommen normal, alle fünf Jahre eine völlig neue Sportart zu entwickeln. Mir kommen die Regeln nicht gerade entgegen, weil ich körperlich nicht der stärkste bin und dann oft auf der Matte hin- und hergeschoben werde. Wenn das jetzt als Passivität ausgelegt wird und wirklich so hart von den Schiedsrichtern bestraft wird, kommt der ganze Kampffluss zum erliegen. Interessanter und spektakulärer machen die Regeln das Ringen auf keinen Fall und als Zuschauer wird man mittlerweile ein Regelbuch zum Kampf mitnehmen müssen.
Johannes Lurz : Es ist Aktionismus, ja. Ob es den Ringkampfsport nach oben bringt oder nicht, wird man noch sehen. Ich selbst bin auf die ersten paar Mannschaftskämpfe gespannt, wenn keiner so richtig weiß, was los ist! Was ich auch nicht so gut finde ist, dass der Kampf sehr Schiedsrichter-abhängig ist. Denn er kann so viel entscheiden, vor allem die Passivität. Auch dass der Gegner durch einen technischen Punkt, einen Mannschaftspunkt bekommt, finde ich etwas schwachsinnig, denn ein Punkt ist so schnell passiert. Dadurch regt man die Passivität nur noch mehr an, weil man nicht so viel riskieren will, auch wenn man in der Favoritenrolle ist. Für mich persönlich sind die Regeln gut. Denn ich denke, dass man zwei Runden besser einteilen kann. Auch die 30-Sekunden-Regel gefällt mir eigentlich recht gut. Auch dass die Punkte in Runde zwei weitergezählt werden, finde ich fair. Denn so gewinnt, der, der die meisten Aktionen gemacht hat.

Mit Hannes Wagner hat der ACL ein großes Talent aus der eigenen Jugend hervorgebracht. Viele Titel und Meisterschaften konnte er in seinen jungen Jahren schon einheimsen. Wie sieht denn die Bilanz 2013 aus?
Hannes Wagner: Begonnen hat das Jahr mit dem bayerischen Meistertitel recht gut, jedoch habe ich mich einige Wochen später im letzten Training vor der deutschen Meisterschaft am Sprunggelenk verletzt und konnte so nicht teilnehmen. Meine Chancen standen relativ gut, deshalb habe ich mich sehr über die Verletzung geärgert.

Hannes, Du ringst in einer der am stärksten besetzten Klassen. Was hast Du dir für die Bayernliga vorgenommen? Und gibt es schon Überlegungen dich in der Bundesliga einzusetzen?
Hannes Wagner: Die 84-kg-Klasse in der ersten Liga ist sehr stark besetzt, deswegen möchte ich mich lieber auf die zweite Mannschaft konzentrieren um dort die meisten meiner Kämpfe für mich zu entscheiden.

Abschließend nun die Frage nach euren persönlichen Zielen für die kommende Saison.
Christian Lurz: Diese Saison hoffentlich mal nicht krank werden und der Rest ergibt sich dann von alleine. Aber natürlich möchte ich so oft wie möglich meinen neuen Siegestanz zeigen, wobei dies heuer wohl ungleich schwerer als letztes Jahr wird. Mit unserer Mannschaft können wir gegen jeden gewinnen aber auch verlieren und somit wird das auch für uns eine spannende Saison. Schön wäre es, wenn wir dabei mehr Zuschauer hätten, denn das Schönste für einen Ringer ist wohl, vor vollen Rängen zu ringen und da fehlt es leider in Lichtenfels im Vergleich zu anderen Bayernligavereinen noch etwas.
Johannes Lurz: Mein Ziel ist es natürlich, was wahrscheinlich jeder will - gewinnen und sich dabei nicht zu verletzen. Dieses Ziel umzusetzen wird dieses Jahr bestimmt nicht leichter als letztes Jahr. Vor allem das Gewicht macht mir in diesem Jahr ein bisschen mehr Sorgen. Im Hinblick auf die Saison hoffe ich, dass ich noch ein bisschen fitter werde und mehr trainieren kann. Im Moment ist es etwas schwer, alles unter einen Hut zu bekommen. Für die Mannschaft erhoffe ich mir ein paar mehr Siege als letztes Jahr und einen Platz in der vorderen Hälfte. Mit der Unterstützung der Fans wird das bestimmt dieses Jahr möglich sein!
Hannes Wagner: So viele Punkte wie möglich für die Mannschaft sammeln und die meisten meiner Kämpfe zu gewinnen.

Die Fragen stellt Heiko Scherer
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