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Lichtenfels
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BFV beschließt Saison-Verlängerung

Die Saison 2019/20 wird fortgesetzt, sobald es wieder möglich ist - aber nicht vor dem 1. September. Diesen Beschluss hat der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes gefasst. Viele Fragen müssen noch geklärt werden. Der FC Lichtenfels ist von Problemen kaum betroffen.
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Wann geht's weiter mit der Fußballsaison? Das Lichtenfelser Trainerduo Oliver Müller (links) und Christian Goller grübeln schon. Foto: Archiv/Gunther Czepera
Wann geht's weiter mit der Fußballsaison? Das Lichtenfelser Trainerduo Oliver Müller (links) und Christian Goller grübeln schon. Foto: Archiv/Gunther Czepera

Überraschend ist die Entscheidung nicht mehr: Der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) hat die Fortsetzung der wegen der Corona-Krise unterbrochenen Saison einstimmig beschlossen und sich auf das eingeholte Meinungsbild bei den Vereinen berufen: Diese haben sich mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit dafür ausgesprochen, hatten aber keine Möglichkeit, sich für andere Optionen zu entscheiden. Der BFV bezeichnete seinen aufgezeigten Weg als alternativlos, im Westen der Republik zeichnet sich dagegen eine andere Lösung ab (siehe Infokasten).

Frühestens ab 1. September soll also bei Herren und Frauen von der Bayernliga abwärts der Ball wieder rollen, insofern es durch staatliche Vorgaben erlaubt ist. Die Regionalliga Bayern als Schnittstelle zur 3. Liga ist von dieser Regelung weiter ausgenommen. Die Junioren von der U13 bis zur U19 setzen mit Beginn des neuen Schuljahres ab Mitte September die alte Spielzeit fort.

"Die bestmögliche Lösung"

"Wir wollen keine Geisterspiele, wir wollen keine juristischen Streitigkeiten, wir wollen den fairen Wettbewerb und Entscheidungen auf dem Platz - nicht am Grünen Tisch. Da aktuell aber niemand mit Gewissheit sagen kann, ob tatsächlich ab dem 1. September wieder gespielt werden kann, brauchen wir eine Lösung mit größtmöglicher Flexibilität. Für den BFV gibt es genau aus diesem Grund keine Alternative zum Vorschlag, die aktuelle Saison in jedem Fall zu Ende zu spielen, sobald das wieder möglich ist", hatte BFV-Präsident Rainer Koch bereits im Vorfeld der Entscheidung angekündigt: "Die Zeit ist nicht einfach, weil wir wissen, dass sämtliche Lösungen im Umgang mit dieser Saison Nebenwirkungen mit sich bringen. Natürlich auch unser Weg. Wir sind aber davon überzeugt, dass das vorgeschlagene Modell unter Abwägung aller Fragen die bestmögliche Lösung ist."

Die Ungewissheit wird besonders die höherklassigen Vereine und den Verband noch längere Zeit begleiten. Viele Fragen sind noch ungeklärt, unter Berücksichtigung rechtlicher und spieltechnischer Aspekte müssen entsprechende Anpassungen in den BFV-Statuten vorgenommen und die drängenden Fragen der Klubverantwortlichen gelöst werden. Der BFV setzt insgesamt fünf "Lösungs-Arbeitsgruppen" (LAG) ein, die sich um die Themenfelder Vereinswechsel, Spielbetrieb Erwachsene, Spielbetrieb Junioren, Meldungen und Fristen sowie Einbettung in Regularien kümmern. Dabei werden die Arbeitsgruppen personell mit ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern besetzt, hinzu kommen Funktionsträger mit Spielbetriebserfahrung aus den Bezirken und Kreisen sowie hauptamtliches Personal aus den Fachabteilungen der BFV-Zentrale in München. Auch Vereinsvertreter, die den Querschnitt der Mitgliedsvereine unter dem Verbandsdach abbilden, sollen in diesen AGs mitarbeiten.

Ein Überblick über die drängendsten und bislang noch ungeklärten Fragen.

Problem 1: Spielerverträge

Der Verband hat zwar den Rahmen geschaffen, dass die Saison über den 30. Juni 2020 hinaus verlängert werden kann. Wer nach diesem Stichtag aber noch aufläuft, ist eine ganz andere Frage. Die Vereinbarungen mit Spielern (und Trainern) enden üblicherweise zu diesem Tag, manche Akteure haben sich ab 1. Juli anderen Vereinen angeschlossen - und sind womöglich umgezogen. "Wir haben keine Vertragsamateure, keine Abgänge zu verzeichnen und mit unseren Trainern bereits verlängert", sieht Christopher Fischer, Sportlicher Leiter des Nordwest-Landesligisten FC Lichtenfels das Thema gelassen. Für Klubs, die ihre Spieler mit Verträgen an sich gebunden haben, ist die Sache komplizierter. Denn: Der BFV kann keinen zwingen, länger als festgelegt für den Verein zu spielen und muss sich an geltendes Arbeitsrecht halten.

Problem 2: Sponsoren

Durch die künstliche Verlängerung der Saison strecken sich die Kosten um mehrere Monate in die Länge, da die Vereinbarungen mit den Geldgebern ebenfalls von 1. Juli bis 30. Juni laufen. Die Kosten für Spieler, Trainer und laufenden Betrieb decken ebenfalls nur diesen Zeitraum. Das betrifft vor allem Vereine in höheren Ligen. Den FCL aber nicht. "Stand jetzt gibt es mit unseren Sponsoren keine Probleme", sagt Fischer.

Problem 3: Jugend

Auch bei den Junioren soll von der U13 bis zur U19 die unterbrochene Saison mit Beginn des neuen Schuljahres ab dem 12. September weitergeführt werden. Voraussetzung ist die Möglichkeit, spätestens ab 1. August mit einer Vorbereitung auf dem Platz starten zu können. Für die Männermannschaften wird es wohl nicht möglich sein, ab 1. Juli 2020 die U19-Spieler aus dem 2002er-Jahrgang in den Männer-Bereich zu integrieren. Der eigentlich zum 31. Juli 2019 anstehende Wechsel der Altersklassen soll vorerst entfallen. Erst mit dem geplanten Ende der Runde würden die Junioren zum 1. Dezember in die nächste Altersstufe aufrücken. "Nachdem wir momentan keine eigene A-Jugend haben, sind wir von diesen Fragen nicht betroffen", sagt Fischer.

Problem 4: Saison 2020/21

Auch wenn es merkwürdig anmutet: Die Gefahr ist groß, dass es eine Saison 2020/21 nicht gibt. Klar ist nur, dass es keine normale Spielzeit wird. Frühestens könnte sie im März 2021 beginnen, müsste aber in gestraffter Form ausgetragen werden, da im Sommer 2021 der Saisonbeginn 2021/22 ansteht. Die Pokalwettbewerbe würden nicht stattfinden. Zur Diskussion für den Ligabetrieb steht auch eine Einfach-Runde, also ohne Rückspiel. Verkleinerte Ligen sind ebenfalls denkbar. Aber das ist abhängig davon, wann die unterbrochene Saison fortgesetzt werden kann. Darüber entscheidet die Politik mit der Freigabe der Sportstätten.