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Triathlon

Andreas Dreitz feiert Platz 2 in Roth

Der 29-jährige Michelauer zeigt im mittelfränkischen Roth bei seinem erst zweiten Wettbewerb über die "Ironman-"Distanz eine überragende Leistung
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Die "vierte Disziplin" beim Triathlon ist die Ernährung. Auch dabei machte der Michelauer Andreas Dreitz alles richtig. Am Ende wurde der 29-Jährige Zweiter.  Foto: Imago/Wolfgang Zink
Die "vierte Disziplin" beim Triathlon ist die Ernährung. Auch dabei machte der Michelauer Andreas Dreitz alles richtig. Am Ende wurde der 29-Jährige Zweiter. Foto: Imago/Wolfgang Zink
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Mit einer sensationellen Leistung hat Andreas Dreitz seinen erst zweiten Langdistanz-Triathlon bewältigt. Bei der Challenge Roth kam der Michelauer Profi als Zweiter ins Ziel. Überlegen gewann Sebastian Kienle mit über sechs Minuten Vorsprung. Der 33-Jährige aus Mühlacker, Ironman-Weltmeister von 2014 in Hawaii, holte sich damit den Sieg, der ihm in seiner Titelsammlung noch fehlte in 7:46:23 Stunden - die drittbeste Zeit, die jemals in Roth gelaufen wurde.
Auch Dreitz legte mit 7:53:06 Stunden eine super Zeit hin. Im Herbst 2017 bei seinem Sieg in Italien hatte er noch über 8:03 Stunden für die insgesamt 226 Kilometer benötigt. Rund 260 000 Zuschauer sorgten bei bestem Wetter im Landkreis Roth für eine überragende Stimmung an der Strecke.


Dreitz schwimmt vorne mit

Den Grundstein für seinen wohl größten Erfolg legte der 29-jährige Oberfranke im Schwimmen. Auf den 3,8 Kilometern im Main-Donau-Kanal war er stets in der Spitzengruppe zu finden. In früheren Halbdistanzrennen stieg Dreitz meist mit einigen Minuten Rückstand aus dem Wasser. Diesmal schwamm er vorne weg. Bereits nach 500 Metern löste er sich vom Hauptfeld und mischte anschließend in einer Fünfer-Gruppe an der Spitze mit. Zusammen mit James Cunnama aus Südafrika machte Dreitz das Tempo. Aber auch Sebastian Kienle war vorne in der sich vergrößernden Topgruppe zu finden. Am Ende stieg der Michelauer nach 47:50 Minuten aus dem Kanal, sechs Sekunden hinter dem Führenden Briten Fraser Cartmell.
Auf der 180-Kilometer-Strecke ließ es Dreitz zunächst etwas langsamer angehen, hatte auch kurz Probleme und musste anhalten. Danach hielt er sich an seinen akribisch ausgetüftelten Plan, am Anfang nicht zu überpacen. "Aber das hat mich nicht so gestört, denn ich wollte mein Rennen durchziehen", sagte der Michelauer hinterher.


Wurf mit phänomenaler Leistung

Vorne preschte Cameron Wurf davon. Der Australier, der erst vor einer Woche den Ironman in Nizza auf Rang 3 beendet und während der Woche mit Radstar Christopher Froome in den Bergen trainiert hatte, legte ein hohes Tempo vor, dem nur Kienle folgen konnte. Zu Beginn waren noch Jesse Thomas (USA) und Niclas Bock vorn dabei. Nach 37 Kilometern hatte Dreitz zwei Minuten Rückstand auf das Topquartett. Sukzessive holte der 29-Jährige auf, arbeitete sich auf Rang 4 vor und holte zwischen Kilometer 90 und 122 schließlich Thomas ein.
An der Spitze fuhren Wurf und Kienle ihr eigenes Rennen. Der Rückstand von Dreitz wuchs auf 3:25 Minuten an. Am Ende des Radparts sparte Kienle seine Körner für den Marathon auf, während Wurf vorne Vollgas gab und Kienle zwei Minuten distanzierte. "Ich musste ihn am Ende ziehen lassen. Ich habe ihm beim Laufen dann gesagt, dass ich gerne mehr geführt hätte, doch ich war da am Limit", berichtete Kienle im Ziel. Dreitz kam sechs Minuten nach Wurf in die Wechselzone.


Kienle läuft schnell an die Spitze

Der Australier hielt beim Laufen sein hohes Tempo - wie zu erwarten - nicht. Kienle lief bereits nach vier Kilometern an Wurf vorbei, und Dreitz nahm die Verfolgung auf. Seine Zeiten auf den ersten acht Kilometern deckten sich fast mit Kienle, beide lagen jeweils bei vier Minuten pro Kilometer. So überholte der Michelauer Wurf schon nach etwa zehn Kilometern. Nach 13 Kilometern betrug Kienles Vorsprung 4:13 Minuten auf Dreitz, der kraftvoll und locker aussah.
Kienle steigerte seine Kilometerzeit auf 3:50 Minute und zog auf über sechs Minuten davon. Dreitz konzentrierte sich darauf, seinen zweiten Platz nach Hause zu laufen. "Ich war froh, nach 26 Kilometern vom Kanal weglaufen zu können. Die Zuschauer waren dann da und haben mich angefeuert. Ich habe auch so viele Bekannte und Freunde erkannt, das motiviert", sagte der 29-Jährige.
Bei den Verpflegungsstationen ging der Michelauer vorbei, kühlte mit Wasser und Schwämmen seinen Körper, nahm Flüssigkeit auf und verpflegte sich konzentriert. Seine Schritte wurden immer schwerer. "Nach Büchenbach bin ich noch gut raufgekommen, dort haben mich die Zuschauer gepusht. Danach war ich so kaputt, ich bin, glaube ich, langsamer runter als hoch gelaufen."


Von hinten kam Jesse Thomas

Die Fans feuerten den Oberfranken in Mittelfranken frenetisch an. Das war auch wichtig, denn von hinten kam Jesse Thomas immer näher. Bei Kilometer 37 lag der Amerikaner nur noch 2:10 Minuten zurück. "Am Ende konnte ich keinen Schritt mehr gehen. Die Zuschauer haben mich vom Marktplatz in Roth ins Ziel getragen", sagte Dreitz - "superhappy", Rang 2 mit eineinhalb Minuten Vorsprung verteidigt zu haben. Unter frenetischem Jubel lief er ins Rother Triathlon-Stadion ein. "Wenn man hier ankommt, kann man nur glücklich sein. Ich habe noch nie ein solch geiles Event gemacht", sprudelte es aus dem sonst eher ruhigem Typen heraus.


Schöne Prämie

Als Zweiter kassierte der Profi im Team Erdinger-alkoholfrei 25 000 US-Dollar. Sieger Kienle durfte sich über einen Scheck von 40 000 Dollar freuen.
Vierter wurde der in den vergangenen beiden Jahren jeweils Zweiter gewordene Brite Joe Skipper. Als Sensation ist Rang 5 von Cameron Wurf, der die Radbestzeit in Roth von Jan Frodeno um mehrere Minuten verbessert hatte, zu werten.
Kienle sagte im Ziel: "Die Zeit war mir egal. Der Kampf war immer da, ist aber natürlich leichter, wenn man vorne liegt und die Stimmung den Schmerz etwas süßer macht."


Belohnung mit süßen Riegeln

"Am Ende vergisst man alle Schmerzen und läuft einfach drüber", sagte Dreitz. Mit süßen Energieriegeln "belohnte" sich der Michelauer und seinen inneren Schweinehund. "Ich habe erst relativ spät begonnen, zu rechnen. Mir war bald klar, dass ich Kienle nicht mehr erreichen kann, auch wenn wir anfangs gleichschnell gelaufen sind. Jesse Thomas hat mir am Ende richtige Angst eingejagt. Er ist richtig herangeflogen."
Sein erst zweites Rennen über die "Ironman"-Strecke hat offenbar den Oberfranken auf den Geschmack gebracht: "Die Langdistanz fühlt sich richtig geil an. Langdistanz ist cool, man hat mehr Zeit und es ist nicht so hektisch wie auf der Halbdistanz. Ich werde definitiv nächstes Jahr wiederkommen. Der Druck ist dann natürlich höher, die Luft oben dünner. Heuer war ich froh, dass Kienle da war, denn der Druck lag auf ihm. Der Sieg wurde von ihm erwartet."
Timo Bracht, erfolgreicher deutscher Triathlet, prophezeite Dreitz schon bald den Sieg in Roth. Ein Gedanke, mit dem sich Andi Dreitz sicher anfreunden kann.


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