A-Klasse klingt nicht gerade spektakulär, vor allem wenn man Fußballer ist. Das ist die niedrigste Klasse bei den Kickern. Anders verhält es sich bei den Radrennfahrern: Bei den Amateuren ist es die höchste Klasse. Fünfmal muss man in Rennen unter die Top Ten fahren, um von der C- in die B- bzw. von der B- in die A-Klasse aufzusteigen. Und wenn man weiß, wie hart die Radamateure bei Straßenrennen und den nicht ungefährlichen Kriterium-Rennen um die vorderen Plätze kämpfen, sieht man eine Endplatzierung unter den besten Zehn mit ganz anderen Augen.
Der Lichtenfelser Nick Möller darf sich seit einigen Tagen zur so genannten Elite-Klasse zählen. Als A-Klassenfahrer darf man auch bei Rennen starten, die vor allem für Fahrer von Kontinental- oder Pro-Kontinental-Teams vorgesehen sind.
So zum Beispiel bei "Rund um die Nürnberger Altstadt".
Hier war Möller kurz nachdem er den Sprung in die A-Klasse geschafft hatte, auch am Start und fuhr am Anfang im Vorderfeld mit. "Dass da ein höheres Niveau herrscht, habe ich dann gesehen, als die Post abging", berichtete der 20-Jährige. Es gewann am Ende der Profi Andreas Schilling vom Team Net-App, ein Kollege des Altenkunstadters Grischa Janorschke, der noch eine Verletzung auskuriert und seinem Teamkollegen im Ziel nur gratulieren konnte. Möller landete auf Rang 34, freute sich aber, dass man bei einem solch renommierten Rennen schon wie ein Profi angesehen wird, als er für die Fans Autogramme schreiben durfte.

Bei rund 40 Rennen am Start


Bis Möller so weit war, um in Elite-Rennen starten zu dürfen, standen in diesem Jahr fast 40 Starts für ihn auf dem Programm. 3800 Rennkilometer, insgesamt etwa 18 000 Kilometer auf dem Rad strampelte sich der Lichtenfelser in diesem Jahr bereits ab. Und Möller ist kein Profi, er arbeitet Vollzeit als Elektroniker-Geselle bei einem kleinen Unternehmen in Untersiemau. Das heißt: Training nach Feierabend. "Das ist schon hart, vor allem wenn's Wetter schlecht ist", gesteht der 20-Jährige, der dann auf dem Rad sitzt, wenn seine Altersgenossen am Baggersee liegen, im Biergarten sitzen, oder vor der Glotze abhängen.
Als Amateur bei einem kleinen Rennstall, dem Team Roadsign aus Ludwigsburg, ist man bei kleinen Rennen oft auf sich allein gestellt. Nur bei größeren Veranstaltungen tritt Roadsign als Team auf. So auch bei einer gut besetzten viertägigen Rundfahrt Anfang August in Tschechien. "Das hat mir extrem viel gebracht und trug sehr zum
Formaufbau bei", berichtete Möller. Nach den ersten beiden schweren Etappen war von den 150 Startern gerade noch die Hälfte dabei, weil die meisten das Zeitlimit bei der Bergetappe mit über 4000 Höhenmetern überschritten hatten. Hier bekam der Lichtenfelser ein großes Lob vom Bundestrainer, der mit der Nationalmannschaft ebenfalls am Start war. "Dass ich als Amateur so gut mitfahre, hat ihm imponiert", erzählte Möller. "Das gab mir einen enormen Motivationsschub. Ich habe bei diesem Rennen auch erkannt, dass ich's eigentlich kann." Zweifel am eigenen Können habe er nach schwachen Rennen schon manchmal gehabt, gesteht der 20-Jährige.
Hervorragend lief es dagegen für den Lichtenfelser beim Kriterium in Rosenheim, als er auf Platz 2 fuhr. "Wenn ich da nicht im Laufe des Rennens gestürzt wäre, hätte ich mir den Sieg geholt", ärgerte er sich. Auch am vergangenen Wochenende bei der deutschen U 23-Meisterschaft in Buch am Erlbach war Möller nicht vom Glück verfolgt: In der Spitzengruppe fahrend, musste er nach einem Plattfuß lange auf ein Ersatzhinterrad warten, da Roadsign nicht mit einem eigenen Materialwagen dabei war. "Das Team Rot haus, für das ich im vergangenen Jahr gefahren bin, kam dann mit seinem Materialwagen vorbei und hat mir ein Hinterrad geliehen", freute sich Möller über die nette Hilfe. Allerdings verbrauchte der 20-Jährige bei der folgenden Aufholjagd seine Kräfte, unterstützte noch, bevor er ausstieg, etwas den befreundeten Rick Zabel (Sohn von Erik Zabel), der am Ende zum Titel sprintete.

Zwei Einsätze noch in diesem Jahr


Die Saison neigt sich dem Ende. Am Sonntag findet das letzte Rennen der U 23-Bundesliga in Heilbronn statt. Dort will Möller seine derzeit gute Form noch einmal auf die Straße bringen. Ein Kriterium eine Woche später in Zwickau soll folgen. "Eine guter Rang und meinem Teamkollegen Jan Wälzlein, mit dem ich auch regelmäßig trainiere, noch zu seiner fünften Top-Ten-Platzierung für den A-Klassen-Aufstieg verhelfen", benennt der 20-Jährige seine Ziele der nächsten Tage.

Teamwechsel ist möglich


Im kommenden Jahr will der Lichtenfelser erneut angreifen. In welchem Team, steht noch nicht fest. Hier laufen Gespräche mit Roadsign, aber gegen einen Wechsel zu einem größeren Rennstall, der mehr Mehrtages-Rennen bestreitet, hätte Möller auch nichts. In der Rad-Bundesliga peilt er vordere Plätze an, mit denen man sich für höhere Aufgaben empfehlen kann.
Einen Start bei der Tour de Brasil in Südamerika musste man absagen. "Jeder Fahrer hätte sich mit 1200 Euro selbst beteiligen müssen. Das konnten wir uns nicht leisten", spricht Möller für sich und viele seiner Teamkollegen.
Möller hat zudem das Handicap, noch Vollzeit zu arbeiten. "Das machen vielleicht fünf Prozent der in der Bundesliga fahrenden Kollegen", weiß der Elektroniker von den Schülern, Studenten und Semiprofis. Einen persönlichen Sponsor zu finden, ist im Radsport mit seinem schlechten Ruf wegen der vielen Dopingaffären schwierig. Doch Möller gibt nicht auf. "Das Niveau für ein Kontinental-Team zu fahren, kann ich erreichen. Wenn das Umfeld passt, ist auch mehr möglich", glaubt Möller. Sein Training plant immer noch Björn Stiller vom Team Roadsign. Dienstags und mittwochs stehen die extensiven Trainingseinheiten auf dem Programm. Vier Stunden sitzt der 20-Jährige nach Feierabend noch auf dem Rad. Eingespannt ist dabei auch die Familie, etwa beim Motortraining. Dann fährt Vater Möller mit dem Auto voraus und Sohn Nick saust im Windschatten mit 60 bis 70 km/h hinterher. "Damit man auch die großen Gänge schnell treten kann", begründet das Radtalent diese Trainingsmethodik.
Gesund bleiben, lautet die oberste Prämisse für einen Sportler. Bis auf ein paar Schrammen ist Möller in diesem Jahr von Verletzungen verschont geblieben. Wie schnell man Zwangspausen einlegen muss, hat er bei einem seiner Vorbilder, Grischa Janorschke, gesehen. Der Altenkunstadter musste in dieser Saison nach schweren Stürzen und Operationen an beiden Schultern und dem Ellenborgen mehrere Monate pausieren.
An eine Pause denkt Möller dagegen nicht. Dranbleiben, um in sich in der A-Klasse zu halten, heißt das Motto fürs kommende Jahr. Dafür benötigt der Elitefahrer in der kommenden Saison drei Top-Ten-Platzierungen, sonst steigt man wieder ab. Das kann den Fußballern zurzeit nicht passieren. Die sind in der A-Klasse schon ganz unten.