Eine Herausforderung - auf englisch eine Challenge - war sie schon, die Trans Andes Challenge, doch vor allem eine neue Erfahrung. Denn Herausforderungen hat Klaus Rübensaal - ein Mountainbike-Verrückter im positiven Sinn - schon viele bewältigt. Die Trans-Alp vom bayerischen Alpenvorland an den Gardasee hat Rübensaal schon neunmal absolviert, in Costa Rica war er bei einem ähnlichen Rennen schon fünfmal am Start. Diesmal ging es sechs Tage kreuz und quer durch die Anden. 400 Kilometer in sechs Tagen sind für einen austrainierten Radler nicht viel, aber 12.000 Höhenmeter machten das "Marathon-Etappenrennen" doch anspruchsvoller.

Als Rennen sah der 46-jährige Lichtenfelser die Veranstaltung allerdings weniger. "Einen gewissen Ehrgeiz entwickelt man schon", gibt der Fahrradhändler aus der Korbstadt zu, doch mit seinem 51-jährigen Bayreuther Partner Andreas Wittmann, mit dem er als Duo in der Klasse 80+ startete, genoss Rübensaal auch die malerische Landschaft in Patagonien. Im Zwölferfeld dieser Gruppe wurde das oberfränkische Duo übrigens Sechster, doch das ist nebensächlich.


Udo Bölts und Carsten Bresser siegen



Ganz vorne lag das deutsche Duo mit dem Ex-Telekom-Profi Udo Bölts und dem MTB-Olympiateilnehmer Carsten Bresser. Mit Bölts verbindet Rübensaal ein lange Freundschaft. Auch mit dem in diesem Winter pausierenden Biathlon-Vizeweltmeister Christoph Stephan, der Gesamtvierter in der Einzelkonkurrenz wurde, bildeten die beiden Oberfranken nach den Rennen eine Gruppe. "Christoph Stephan kam jeden Abend völlig verschrammt ins Lager. Der ist glaube ich mehrmals täglich gestürzt, ohne dass er sich schwer verletzte. Allerdings musste ich ihm das gebrochene Sattelstützenrahmenrohr flicken. Es ist gar nicht so einfach, in der chilenischen Pampa Epoxydharz zu bekommen", berichtete der Lichtenfelser nach seiner Rückkehr von den Erfahrungen mit dem "Kamikaze"-Fahrer aus Rudolstadt.

Rübensaal selbst blieb von Pannen oder Stürzen verschont. Die Organisation der Südamerikaner lobte der welterfahrene Biker aus Lichtenfels: "Einfach perfekt. Jede Etappe war perfket ausgeschildert, täglich mit neuen Farben. Und einen Tipp habe ich für die Organisatoren des Trieber Rennens auch mitgebracht. Die Chilenen boten an den Verpflegungsstationen warme Kartoffeln mit Salz an - ein Gedicht." Die Landschaft sein einfach nur gigantisch gewesen. "Zum Teil dachte ich, ich bin im Allgäu unterwegs, doch dann kamen Mammutbäume, riesige Seen und tolle Wälder. Den Höhepunkt gab es aber auf der vierten Etappe, als die Strecke zwischen zwei Vulkanen hindurchführte - gigantisch."


Fahrerisch anspruchsvoller als Trans-Alp



Fahrerisch seien die Strecke schwieriger als eine Trans-Alp gewesen, urteilt der erfahrene Biker. Singletrails, auf denen schon einmal ein Baum quer lag, Flussdurchquerungen und spektakuläre Abfahrten wechselten sich ab. "Südamerika ist einfach anders”, lautet das Fazit Rübensaals.

Auf die Zielankunft in Bucón hätte der 46-Jährige allerdings verzichten können. "An dem Touristenort ging es zu wie auf dem Ballermann auf Mallorca", erzählt der Ausdauersportler. Dennoch will er wieder nach Chile zurückkehren. Diesmal aber nicht für ein Rennen: Mit seinem Partner plant er eine Route von Feuerland nach oben.