Lichtenfels
Schach

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Die besten deutschen U12-Talente zeigten auf Schloss Schney ihr Können. Der SV Seubelsdorf bewährt sich als Gastgeber der deutschen Mannschaftsmeisterschaft.
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Beste Spielbedingungen bot die Franken-Akademie im Schloss Schney für die deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Jugendlichen in der Altersklasse U12, nicht nur im Spielsaal selbst, sondern auch bezüglich Rahmenprogramm, Unterkunft und Verpflegung. Fotos: cv
Beste Spielbedingungen bot die Franken-Akademie im Schloss Schney für die deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Jugendlichen in der Altersklasse U12, nicht nur im Spielsaal selbst, sondern auch bezüglich Rahmenprogramm, Unterkunft und Verpflegung. Fotos: cv
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"Schlauberger - Oberstratege - Querdenker". Markante Hauptwörter prangten dieser Tage am Eingang der Franken-Akademie im Schloss Schney vor dem Hintergrund brauntoniger Schachfiguren. Selbstbewusst klangen diese Einwortsätze, aber sie hatten schon auch ihre Berechtigung. Denn bei der deutschen Mannschaftsmeisterschaft der Jugendlichen in der Altersklasse U12 waren die Schach-Schlauberger aus ganz Deutschland bis gestern tatsächlich unter sich.
"In den Türrahmen muss noch ein Klebeband", empfiehlt Schiedsrichter Alexander Wodstrschil aus dem schwäbischen Rain am Lech beim Eintreten in den Regieraum gleich neben dem Turniersaal. Ein Detail, eine Belanglosigkeit. Aber eine mit Symbolcharakter. Denn wirklich alles soll professionell sein, was die Rahmenbedingungen für die jungen Denksportler anbelangt, und da kann ein zu lautes Türenschließen schon stören.
"Turnierruhe" heißt das Zauberwort bei jeder schachlichen Großveranstaltung.
Irgendwie hat man das Gefühl, hier in Schney wird sie besonders großgeschrieben. "Da sitzt die deutsche Elite. Die Kinder bringen über Stunden unglaubliche Konzentrationsleistungen und haben es verdient, dass man sie während der Partien in ihrer eigenen Welt in Ruhe lässt", erklärt Cheforganisator Klaus Wiemann vom SV Seubelsdorf. Seit Monaten hat er für diese Veranstaltung geschuftet, und dass faktisch alles reibungslos über die Bühne geht, ist letztlich das größte Kompliment für ihn.
Damit also Ruhe im Saal herrscht, haben sich alle rund 40 Betreuer der fast 100 Kinder und auch die Schach-Kiebitze stets hinter einer fast magischen gelben Linie in mindestens zwei Metern Entfernung von den Brettern aufzuhalten. Auch das hat seinen Sinn, zumal der Einflussnahme von Dritten sonst Tür und Tor geöffnet wäre. Das totale Verbot von Handys und sonstigen elektronischen Geräten tut ein Übriges. Doch was ein wahrer Schach-Enthusiast ist, für den ist Fairplay selbstverständlich.
So rauchten also über vier Tage die Köpfe, zweimal täglich setzten sich die Schülerinnen und Schüler (auch sieben Mädchen waren mit von der Partie) ans Brett, um zwischen zwei und vier Stunden diesen "stummen Dialog mit dem Gegner" auszutragen auf den 64 Feldern, die in dieser Zeit ihre Welt bedeuten. Das ist aber schon das Einzige, was diese deutsche Meisterschaft mit den Schachturnieren von anno dazumal gemein hat.
Ansonsten haben die neuen Medien, das Internet vor allem, dieses traditionelle Spiel komplett revolutioniert. "Schach ist vernetzt und ist im Netz auch gut darstellbar", erläutert Mitorganisator und IT-Experte Klaus Steffan. In riesigen Datenbanken spielt man Partien des potenziellen Gegners nach, um sich in der Wettkampfvorbereitung auf dessen Stil, Stärken und Schwächen einzustellen. Gleich nach dem Match werden Partien-Notationen im Netz eingestellt, man verfügt über einen separaten Analyseraum, eine Medienzentrale, jeweils betreut von Schülern der deut-schen Schachschule des Meranier-Gymnasiums, dazu gibt es Ersatzspieler- und Blitzturniere.
Schach total also. Fast beruhigt es da, wenn SVS-Betreuer Matthias Bergmann von einer Begebenheit mit einem frisch angereisten Teilnehmer und dessen erster Frage zu berichten weiß: "Wo ist die Turnhalle?" Klar: Zwischen den Partien muss die Anspannung raus, muss dem Bewegungsdrang nachgegeben werden. Ganz normale Kinder also, nur eben mit der Sonderbegabung Schach.
Gewonnen hat die Schneyer Konkurrenz die SG Aufbau Elbe Magdeburg vor dem Hamburger SK und dem Treptower SV 1949. Die Seubelsdorfer "Schachkids" Daniel und Vanessa Wiemann, Sebastian Werner, Verena und Tobias Kolb kamen mit vier Mannschaftspunkten auf den um einen Rang verbesserten 19. Platz, nachdem in der letzten Runde noch ein glatter 4:0 Sieg eingefahren werden konnte. Eines ist sicher: Wer bei der alten Frage, ob Schach denn Sport sei, ein bisschen arg vor-schnell die Brett-Strategen als "Klötzchenschieber" (Zitat Franz Beckenbauer) abtut, der wäre hier in Schney vielleicht zu einer etwas differenzierteren Anschauung gekommen.
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