Bad Staffelstein
Billard

Billard-Fans in Bad Staffelstein: Das Kugelstoßen der Könige

Heutzutage wird fast überall auf der Welt Billard gespielt - auch in Franken. Bernd Havla, Vorsitzender des SBC Staffelstein, erklärt, wie der Sport funktioniert und was Billard mit Schach zu tun hat.
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Bernd Havla ist Vorsitzender des Staffelsteiner Billard-Clubs. Fotos: Hartmut Klamm
Bernd Havla ist Vorsitzender des Staffelsteiner Billard-Clubs. Fotos: Hartmut Klamm
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Billard ist heute vielen nur als Kneipensport bekannt - dabei war es vom 16. bis ins 18. Jahrhundert eher das Spiel der Könige. Bereits Ludwig XIV., den man den "Sonnenkönig" nennt, und die schottische Königin Maria Stuart haben mit einem längeren Holzstock - dem Queue (sprich Kö) - kleine Kugeln über eine Tischplatte geschossen.

Über 35 Spielarten

Heute ist Billard längst in der ganzen Welt verbreitet und es haben sich über 35 verschiedene Spielweisen entwickelt. Eine davon, das Poolbillard, wird in Bad Staffelstein semiprofessionell gespielt. "Beim Pool unterscheidet man vier Spielarten. Die bekannteste davon ist das sogenannte 8-Ball", erklärt Bernd Havla, Vorsitzender des SBC Staffelstein. Dabei wird die schwarze Kugel mit der Zahl 8 als letztes versenkt.

Des Weiteren gibt es noch 9- und 10-Ball. Hier müssen die Spieler die Kugeln der Reihenfolge nach in den Taschen unterbringen. Die Königsdisziplin ist das Spiel "14 und 1 endlos", wobei man pro versenkter Kugel einen Punkt bekommt. Die vier Disziplinen werden im Spielbetrieb sowohl als Einzel als auch als Doppel ausgetragen. Wenn die Spieler zu zweit am Tisch stehen, dürfen sie sich - im Gegensatz zu vielen anderen Spielen - untereinander absprechen und beraten.

Eine Billard-Mannschaft besteht aus mindestens vier Spielern. Sollten es mehr sein, dann darf gewechselt werden - allerdings nicht innerhalb einer Partie. Obwohl die Mannschaft des SBC Staffelstein noch relativ jung ist, spielt sie bereits in der Bezirksliga und steht dort auf Platz 2. Die "Zweite" ist Erster in der Kreisklasse und hat den Aufstieg in die Kreisliga fest im Blick.

Mit Training viel zu machen

Doch welche Talente braucht ein Billardspieler überhaupt? "Es ist komisch", sagt Havla, "manche haben es einfach im Blut. Aber auch die, die sich am Anfang etwas ungeschickt anstellen, können mit ein wenig Training richtig gut werden." Und die Übungen sind vielfältiger, als man zunächst annehmen würde. Anfänger müssen zuerst an ihrer Körperhaltung arbeiten, da die meisten zu starr sind und deshalb die Kugel nicht gerade in der Mitte treffen. Man brauche keine Kraft, sondern Schwung und Gefühl, sagt Havla. Darum gilt es zunächst, das Handgelenk zu lockern und den Queue nicht zu fest zu halten.

Die zweite Lektion: Treffsicherheit. Damit die Spieler in der Lage sind, die Kugel zielgenau zu erwischen, werden leere Flaschen auf den Tisch gelegt. Nun müssen die Spieler versuchen, mit dem Queue das Loch zu treffen, ohne den Glasrand zu berühren. "Das ist gerade am Anfang schwieriger, als es sich anhört", sagt Havla. Es komme schon einmal vor, dass die Flaschen quer über den Tisch geschleudert werden - was gleich zur nächsten Trainingseinheit führt: der Stoßstärke. Nur ein Spieler, der weiß, wie stark er die Kugeln treffen muss, weiß auch, wie sie am Ende des Stoßes liegen.

Sind diese Grundlagen vermittelt, dann geht es mit einem der wichtigsten Bereiche des Billardspiels weiter: dem Stellungsspiel und der Planung. Denn ohne geht es nicht, wie Havla erklärt: "Das ist ein bisschen wie beim Schach. Man muss vorausdenken und sich den nächsten Stoß überlegen." Eine einzelne Kugel zu versenken bringe nicht viel, wenn im Anschluss die "Weiße" schlecht liegt. Eine solche Planung ist aber nur möglich, wenn man die Grundlagen beherrscht, denn nur dann lässt sich abschätzen, wie sich die Kugeln beim Stoß verhalten. Mathematiker haben beim Billard indes keinen Vorteil: "Es geht um Automatismen. Man hat es nach einiger Zeit einfach im Gefühl und muss nicht mehr überlegen. Da heißt es dann ,nicht mehr nachdenken, sondern einfach spielen'", erläutert Havla.

Obwohl die Entwicklung des Billardsports in Deutschland seit rund 15 Jahren positiv verläuft, gibt es in Nordbayern und insbesondere in Franken nur wenige Vereine. Warum das so ist, lässt sich nicht so einfach sagen. Eine Rolle könnte aber das Finanzielle spielen, denn ein Turnier-Billardtisch ist teuer und kostet zwischen 3500 und 5000 Euro - wobei nach oben keine Grenzen gesetzt sind. An ein eigenes Vereinsheim ist bei vielen Klubs deshalb nicht zu denken, denn dazu bräuchte man mehr Mitglieder. So mieten sich die Vereine eben in Kneipen ein - wie auch der SBC. Und wie in jedem anderen Sport sind auch die Billard-Klubs auf Sponsoren angewiesen, die etwa auf den Trikots der Teams werben können. Diese sind Teil der Kleiderordnung beim Billard und ergänzen die Ausstattung aus schwarzen Schuhen, schwarzen Socken und einer schwarzen Hose.

Havla, der seit seinem 14. Lebensjahr Billard spielt, hatte einst einen eigenen Spieltisch im Keller stehen. Er stellte jedoch schnell fest, dass es allein nicht so richtig Spaß macht. Denn, und das ist ihm besonders wichtig: Billard ist ein Mannschaftssport.

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