Lichtenfels
Ringen

AC Lichtenfels verkauft sich respektabel

Was für ein respektabler Auftritt war das für den AC Lichtenfels! Gegen den Deutschen Vizemeister KSV Köllerbach gab es zwar eine 12:23-Heimniederlage, doch bot die ersatzgeschwächte Lichtenfelser Ringer-Bundesliga-Mannschaft für das Publikum am Samstag einen unterhaltsamen Abend.
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"Ein bisschen Schultersieg" war's vielleicht doch, als Simon Pilzweger (AC Lichtenfels, oben) in dieser Situation den Köllerbacher Ivan Deliwerski "in die Zange" nahm. Letztlich aber siegte der Gastringer mit 3:1 Runden. Fotos: Christian Voll
"Ein bisschen Schultersieg" war's vielleicht doch, als Simon Pilzweger (AC Lichtenfels, oben) in dieser Situation den Köllerbacher Ivan Deliwerski "in die Zange" nahm. Letztlich aber siegte der Gastringer mit 3:1 Runden. Fotos: Christian Voll
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Das 12:23 gegen den deutschen Vizemeister KSV Köllerbach hört sich nach einer gemäßigten Abreibung an - und war doch viel mehr als das: zum Beispiel der endgültige Beweis dafür, dass der ACL sogar ohne die krank bzw. verletzt fehlenden Andi Eichheimer, Zbigniew Baranowski und David Vala heuer eine absolut konkurrenzfähige Bundesliga-Truppe beisammen hat. Diese ring zwar mit Spitzenteams noch nicht auf Augenhöhe, verteilt aber auch keine Geschenke mehr.
Zwei Ersatzleute "leistete" sich der ansonsten top aufgestellte Gast aus dem Saarland. Deren Kämpfe gingen dann auch mit 0:7 Punkten "weg".
Miloslav Metodiev (ACL, 120 kg, griechisch-römisch) hatte beim 5:0 gegen den rund 30 Pfund leichteren Jannik Kaisner ebenso wenig Mühe wie Serghei Shiskov (ACL, 84 kg, Freistil) mit Alexander Geid: Nach gut einer Minute und einem 10:2-Zwischenstand hieß es bereits "Tusch" und Schultersieg für den ACL-Co-Trainer. So sind die ACler heuer: Schwachstellen braucht sich der Gegner nicht viele erlauben, dann sind sie da!
Dass man in der Endabrechnung gegen ein Großkaliber wie Köllerbach die Ringerwelt nicht aus den Angeln heben würde, war vorher schon klar. Auf ACL-Seite aber wollte man zumindest besser abschneiden als vor zwei Wochen, als trotz etlicher knapper Duelle ein am Ende deprimierendes 5:29 in Mömbris auf der Anzeigetafel stand.
So hatte der Abend einen erfrischenden Unterhaltungswert, und das nicht allein wegen der jugendlichen und rhythmisch einwandfreien ACL-Trommler-Combo, auch nicht wegen der kreativ-humorvollen Fan-Gesänge ("Deutscher Meister wird nur der ACL!" - bei deutlichem Gesamtrückstand...), sondern wegen der ansehnlichen Darbietungen der Kämpfer in Rot und Blau. Im Ganzen gesehen aber waren die Gäste oft einfach einige Prozentpunkte gewiefter, abgezockter - eben doch besser. Nicht immer spektakulär, manchmal fast etwas defensiv, aber immer präsent und explosionsartig alle Dynamik in eine Aktion pro Runde legend - so geht modernes Ringen. So ähnelten sich die vier Köllerbacher 3:0-Siege in den Klassen 55 Freistil (Andrei Dukov gegen den tüchtigen ACler Adam Bienkowski), 66 kg Freistil (Martin Daum gegen den diesmal glücklosen Tim Müller), 66 kg griechisch-römisch (Tomasz Swierk gegen Rumen Savchev) und 74 kg griechisch-römisch (Timo Badusch gegen Tobias Schütz).

Zwei KSV-Kämpen schwitzen


Den einzig wirklich leichten Gästesieg landete Lyuben Iliev (96 kg, Freistil) auf Schulter gegen den noch verletzten und kurzfristig eingesprungenen ACler Christoph Meixner.
Mindestens zweimal aber mussten die KSV-Kämpen richtig schwitzen: Zum einen, als John Zaidov (ACL, 60 kg, griechisch-römisch) den rumänischen Topringer Virgil Munteanu nicht nur wegen dessen zweier durchaus umstrittener Verwarnungen in Bedrängnis brachte, ehe der Köllerbacher das knüppelharte Duell mit einem regelrechten "Wut-Dreier" in Runde 4 zum 1:0/1:0/0:1/3:1 nach Hause zwang. Zum anderen bei Simon Pilzweger (ACL, 74 kg, Freistil), den viele in Runde 1 schon als Schultersieger gesehen haben wollten, nachdem er Ivan Deliwerski kurzfristig bös "in die Zange" genommen hatte. Ganz Sportsmann räumte "Pilzi" aber in bestem Hessen-Akzent ein, die Zeit sei vielleicht wirklich "ei bissi kurz" gewesen, die er seinen Widersacher auf beiden Schultern hatte. Am Ende verlor er das Duell zweier feiner Kämpfer mit 1:3 (4:4/0:6/0:1/0:1).

Faire Gratulation


Noch einer hatte schließlich an diesem Abend den Fair-Play-Preis verdient: Jan Fischer (KSV, 84 kg, griechisch-römisch), seines Zeichens mehrfacher Deutscher Meister und EM-Medaillengewinner. Als Favorit gegen den ACler Artur Omarov gestartet, klopfte er im Bodenkampf noch während der letzten Sekunden der finalen Runde 4 seinem Lichtenfelser Bezwinger anerkennend und gratulierend auf den Rücken. "Es soll keine Ausrede sein, dass ich die letzten Tage nicht ganz fit war", gab Fischer hinterher zu Protokoll, "doch mir hat heute einfach der letzte Punch gefehlt: In der dritten Runde bei der Bodenabwehr und in der vierten Runde beim Wurf, als die eigentliche Arbeit, das Herausheben, schon erledigt war." Die stimmungsvollen ACL-Fans indes freuten sich mit und über ihren "King Artur", der damit einen richtig prominenten "Skalp" in seine Ringer-Trophäensammlung einreihte und mit 0:1/1:0/1:0/1:0 gewann an einem Tag, der auch kaum richtig enttäuschende und enttäuschte Verlierer kannte.
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