Zapfendorf
Ausstellung

Skurrile Kunst in einer verlassenen Metzgerei

Kunst mit Jagdtrophäen? - In Zapfendorf wurde die Ausstellung Re(h)inkarnation eröffnet.
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Das Objekt "Kernrer(h)aktor" im Eingangsbereich Foto: Mathias H. Walther
Das Objekt "Kernrer(h)aktor" im Eingangsbereich Foto: Mathias H. Walther
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Kunst kann irritieren, kann verstören. Nicht nur durch die Exponate, auch durch die gewählte Location. In Metropolen - aber auch, oder gerade, auf dem flachen Land. So wie gerade in Zapfendorf, wo der Memmelsdorfer Künstler Denis Delauney noch bis 6. Dezember seine Ausstellung Re(h)inkarnation präsentiert - in den Räumen einer alten, zum Abriss bestimmten Metzgerei. Skurril ist nicht nur der gewählte Ausstellungsort - die Exponate sind es nicht minder: Verfremdete einstige Jagdtrophäen, Rehschädel, denen der Künstler farbiges Leben und Botschaften eingehaucht hat.

Wie bei einer Zeitreise fühlt man sich beim Besuch der Ausstellung im schmucklosen Gebäude in der Hauptstraße 27 der Marktgemeinde Zapfendorf an der Schnittstelle des Landkreises Bamberg zum Nachbarkreis Lichtenfels. Die Fenster sind trübe und matt vom Straßenstaub der vergangenen Jahre. Vergilbte Gardinen über Tapeten mit dem Charme der 1960er-Jahre. Der Putz bröckelt, die Farbe blättert. Es sind Spuren des Verfalls, der konservierte Charme vergangener Zeiten, die einen einzigartigen Zauber morbider Vergänglichkeit entfalten. Eine Kunstausstellung inmitten übriggebliebenen Interieurs eines fleischverarbeitenden Handwerksbetriebs. Ein Transparent an der Hauswand verkündet den letzten Vorhang in der Metzgerei Schober: Eine Kunstausstellung, von der ein Besucher der Vernissage meint: "So etwas erwartet man in Leipzig oder Frankfurt - aber in Zapfendorf?" Dennoch waren rund 50 Besucher zur Vernissage gekommen - größtenteils aus der Region, aber auch aus Magdeburg, aus Frankfurt am Main, aus Nürnberg und aus der weißblauen Landeshauptstadt. Was nicht nur den Bürgermeister der Marktgemeinde, Volker Dittrich, freudig staunen ließ. "Weidmannsheil, liebe Kunstjäger!" So begrüßte denn auch der Coburger Journalist Dieter Ungelenk bei seiner mit Sprachwitz vorgetragenen Eröffnungsrede die zur Vernissage mit "faszinierenden Reh-Zykling-Objekten" Angereisten. Sehr zu deren Vergnügen kalauerte Ungelenk fröhlich weiter: "Gemeinhin ragen die nackten Reh-Schädel ja in deutsche Wohnzimmer oder Wirtsstuben hinein, als stolze Trophäe oder schlicht als Auswuchs eines rustikalen Geschmacks. Für den einen ist es der ästhetische Offenbarungseid, für den anderen Sinnbild eines Jagdtriebs, der längst nicht mehr dem Überleben dient." Auf Denis Delauneys Arbeiten eingehend attestierte der Redner: "Dekorativ und demonstrativ zur Schau gestellt, kann das Gehörn allerlei auslösen: Faszination, Irritation - im besten Falle - den wir hier sehen - sogar Inspiration."

Die Ausstellung Re(h)inkarnation zeigt eine Serie skurriler Wandobjekte, in deren Zentrum jeweils der gehörnte Schädel steht, naturbelassen, monochrom eingefärbt oder grellbunt bemalt. "Individuelle Gestaltung und Kontext verleihen den Geweihen ganz unterschiedliche Charaktere", beschrieb es Ungelenk. Unschuldig, bizarr oder aggressiv blickten sie drein - aus bunten Glubschaugen, aus Spiegeln oder Atom-Symbolen, verbunden mit dem Wortspiel Kern-Re(h)aktor.

Bis 6. Dezember zu sehen

Die Ausstellung "Re(h)inkarnation" ist noch bis 6. Dezember in Zapfendorf, Hauptstraße 27, bei freiem Eintritt zu sehen. Öffnungszeiten sind freitags von 14.30 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 14 bis 17 Uhr. Besichtigungstermine können auch telefonisch (01 79 / 1 30 07 12) oder per Email (denisdelauney@yahoo.de) vereinbart werden.

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