Bad Staffelstein
Literatur

Skurrile Geschichten zum Lachen: Helmut Vorndran liest in Redwitz

Helmut Vorndran las in Bad Staffelstein aus seinem neuen Buch "Die Kamuelsfeder".
Artikel drucken Artikel einbetten
Sichtlich gut aufgelegt: Der Autor Helmut Vorndran bei seiner Lesung in Bad Staffelstein  Foto: Markus Häggberg
Sichtlich gut aufgelegt: Der Autor Helmut Vorndran bei seiner Lesung in Bad Staffelstein Foto: Markus Häggberg
Der Andrang war groß. Schon um 19 Uhr saßen die Menschen im Biergarten des einst im Mittelalter als Spital dienlichen Fachwerkbaus in Bad Staffelstein und harrten aus. Um 20 Uhr erschien dann Helmut Vorndran, Autor, Kabarettist, Gründungsmitglied des "Totalen Bamberger Cabarets (TBC)" und erklärter Kelten-Fan. Der Künstler hatte einen besonders guten Tag erwischt und zeigte sich in der gut zweistündigen Lesung auf der Höhe seines Witzes.
In der Stadtbücherei sei man bei Lesungen immer so "gequetscht gewesen", beteuerte Erwin Richter, Vorsitzender des Vereins "Freunde der Stadtbücherei". Darum also die Lesung unter freien Himmel neben der Lauter. Was der Titel des neuen Buches "Die Kamuelsfeder" eigentlich bedeutet, habe auch er, Richter, nicht herausgefunden.

Aber eines würde sich an diesem Abend doch erweisen, ergänzte Vorndran: "Hier war ja noch nie was und nun muss ich als Dummy herhalten und schauen, ob das klappt."

Und es klappte. Eine sommerabendliche Veranstaltung passt hierher, eine Lesung erst recht. Und so las Vorndran aus seinem 2018 erschienenen Buch, stellte Geschichten und Anekdotisches heraus, sponn Fäden hinüber in weitere Kapitel und erklärte: "Ich habe noch nie so viel während des Schreibens gelacht." Und weiter: "Das ist eine Krimi-Lesung, in dem es keinen einzigen Mord gibt."
Tatsächlich konfrontierte Vorndran die Zuhörer mit Geschichten, die an sich schon so skurril sind, dass sie für sich selbst stehen könnten. Da wäre beispielsweise der Mann aus Prächting, der ein Kochrezept entwickelt, das jedem nur erdenklichen Mangel an Zutaten und hygienischen Unfällen geschuldet war, damit in eine Casting-Show gerät und Milliardär wird. Da wäre auch ein italienischer Kommissar, der am Flughafen mit einer schönen Blondine augenflirtet und eigentlich auf eine deutsche Kriminalistin wartet, diese aber nicht kennenlernen will, weil er Klischees im Kopf hat. Womöglich trägt sie Seitenscheitel, ist eine graue Maus im Faltenrock und lenkt ihn noch vom blonden Engel ab. Bis er erkennen muss, dass der Engel die Kommissarin ist.

Geschickt erzählte Vorndran aus Episoden, die erst spät miteinander verknüpft werden, und lag damit bei den oft lachenden 70 Zuschauern goldrichtig.

An Erzählkunst hat er gewonnen, auch wenn sein Stil mitunter nach lakonischen Gestelztheiten klingt und dann und wann auch vermeidbar klischeehafte Formulierungen und Füllwörter beinhaltet.
Doch unterm Strich blieb das Vergnügen. Erst recht beim Signieren, wo er die köstliche Marotte pflegte, exakt das als Widmung in die ihm vorgelegten Bücher zu schreiben, was die Fans als Wunsch an ihn herantragen, aber nicht druckreif formulieren. So schrieb er in die Widmungen alles Gesagte, inklusive "Ääh" und "Hmm" und "Ach, das weiß ich jetzt auch nicht".

Elf Monate habe er an dem Buch gearbeitet, erklärte Vorndran. Elf Monate arbeite er immer an einem Buch. Und ja, Fortschritte als Schriftsteller habe er an sich festgestellt. Das habe Gründe: "Das erste Buch ist das einfachste Buch (...), das zweite Buch ist eine schwere Prüfung, (...) beim dritten Buch willst du den Erfolg halten."

Mit jedem Buch müsse man es dem Verlag und sich selbst neu beweisen. Am Mittwoch bewies Vorndran, dass er vergnüglich Werbung für sich machen kann.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren