Lichtenfels
Protest

Sind die Lichtenfelser Demo-müde?

Sorgen um den Klimaschutz wollten sich im Schatten einer AfD-Veranstaltung nur noch rund 200 besorgte Bürger machen.
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Das ist ein Statement für Klimawandel und Humor. Foto: Markus Häggberg
Das ist ein Statement für Klimawandel und Humor. Foto: Markus Häggberg
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Letztlich dürften die Veranstalter zumindest teilweise zufrieden gewesen sein: Es wurde laut, es wurde deutlich und es wurde auch Stellung bezogen. Wohl an die 180 Menschen folgten am Mittwochabend dem Demonstrationsaufruf des Bündnisses "Lichtenfels ist bunt" und fanden sich am Marktplatz ein.

Es war ein bisschen wie in Dumas Roman "Die drei Musketiere". Eigentlich geht es in ihm nur um den vierten Musketier, um Comte d'Artagnan. Mochte das Bündnis "Lichtenfels ist bunt" seine Kundgebung auch unter das Motto "Demo für Menschenrechte und Klimaschutz" gestellt haben, die eigentlichen Adressaten des Ganzen schien im Stadtschloss zu sitzen. Dort lud die AfD einen Mann ein, der sich "Energierealist" nennt, von Energiewenden weniger hält und Walter Schorsch heißt. Dort hinauf trommelte sich letztlich auch eine bald 20-köpfige Samba-Truppe - ein protestierendes Statement in Dezibel. Doch es begann mit einer kleinen Ratlosigkeit gegen 18 Uhr. Um diese Zeit blickten die Initiatoren Valentin Motschmann und Johannes Söllner noch ein wenig nach links und rechts des Marktplatzes, ob noch Besucher zuströmten.

Spiegel lügen nicht

Bei der Auftaktveranstaltung von "Lichtenfels ist bunt" gab es vor Monaten noch 600 Besucher, nun wirkt es rückläufig. Im Umkreis von 20 Kilometer, so Motschmann, habe man geworben und gerade die "Rückmeldungen bei Facebook seien ein guter "Spiegel". Spiegel lügen nicht, die 200 Meldungen sollten letztlich die Kategorie sein, innerhalb derer sich die Teilnehmerzahl bewegte. Ein Polizeiaufgebot fand sich ein, darunter auch Zivilbeamte.

Zeit genug, sich umzuhören. Bei der Gelegenheit konnte man auf Pia Pornschlegel und Bianka Mayer stoßen, zwei Mitglieder der Coburger Samba-Truppe, die auf ihren Einsatz wartete. Bianka Mayer kam "für eine offene Gesellschaft, für Demokratie und Menschenrechte", wie sie sagt. Dafür und für den Auftritt hat sie extra mit einer Kollegin "die Schicht getauscht", während sich Mitstreiterin Pia gleich ganz freigenommen hat. Etwas irritiert war hingegen Gertraud Püls. Nicht vom Geschehen, das sie begrüßte, sondern von dem, was sie an diesem Mittwoch in ihrem Postkasten fand: ein Schriftstück mit unbekanntem Absender, auf dem die Klimakrise geleugnet wird, was eher zur Haltung der AfD passt. Gegen 18.20 Uhr war es dann aber soweit und Johannes Söllner trat begrüßend ans Mikrofon. "Ob man der AfD nicht unnötig eine Bühne gibt", sei er angesichts solcher Aktionen gefragt worden, so der junge Mann. Aber dann verwies er auf ein Rechtsrock-Konzert in der Nähe, das erschreckend viel Zulauf erhalten habe. Fazit: Jetzt erst recht.

Aber im Grunde begann alles mit dem Auftritt einer Achtjährigen, die eine geradezu flammende Rede hielt, die sich an das Verantwortungsgefühl der Erwachsenen und Mächtigen richtete. Man müsse "Politiker endlich zum Handeln bringen", so das Kind, welches über sich erzählte, an Freitagen und ganz im Sinne von Friday's for Future auch nicht mehr zur Schule zu gehen. Wer dieser Walter Schorsch im Stadtschloss sei, dazu äußerte sich Philipp Bogdahn, Sohn des verstorbenen einstigen Bürgermeisters Winfred Bogdahn. Er schilderte den Mann als "rückwärts gewandt" und die Ansichten der AfD zum Klimawandel als "Klolektüre".

Dann gehörte der Platz für Minuten Aipalé, einer Samba-Truppe aus Coburg. Sie sollte auch die Führung übernehmen und die Besucher hinter sich vereinen, als es in Richtung Irish Pub ging, einem Zwischenstopp auf dem Weg zum Stadtschloss.

Dort sollte es aber vor allem der Vorsitzende der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz, Anton Reinhardt, sein, der in Hörweite zum Stadtschloss seine Sorge um den Klimaschutz bekräftigte. 200 Millionen Tonnen Kohlendioxid würden "aufgrund des Strom- und Wärmebedarfs in privaten Haushalten pro Jahr in Deutschland in die Luft gepustet". Das Einsparpotenzial sah Reinhardt bei 50 Prozent liegen, "denn jede Kilowattstunde, die nicht verbraucht wird, muss nicht erzeugt, transportiert oder gespeichert werden". Dabei hinterfragte Reinhardt durchaus auch sein eigenes privates Konsumverhalten. Als er der Presse sein Redemanuskript aushändigte, trat aber auch zutage, dass er einen an ihn adressierten Überweisungsträger, um Papierverschwendung zu vermeiden, vorbildlich umseitig beschrieben hatte. In Richtung Stadtschloss gewandt sagte er mehrfach: "Wir können uns nicht einfach zurücklehnen wie die AfD und den menschengemachten Klimawandel leugnen." Dorthin aber sollte es die Menge samt Samba-Truppe zu zwei weiteren Reden noch ziehen - dem Protest einen Rhythmus gebend.

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