Vierzehnheiligen
Traktoren-Wallfahrt

Segen für Dieselrösser und Fahrer

123 Schlepperfahrer aus allen Gegenden Deutschlands kamen zur Basilika Vierzehnheiligen - um zu danken und zu fachsimpeln.
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Pater Heribert Arens segnete die Fahrzeuge und ihre Fahrer. Es assistierte Stadtrat Walter Mackert (rechts).Andreas Welz
Pater Heribert Arens segnete die Fahrzeuge und ihre Fahrer. Es assistierte Stadtrat Walter Mackert (rechts).Andreas Welz
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Mit Demut und Diesel bewegte sich am Samstag ein rollender Pilgerzug zur Basilika. 123 knatternde und schnaubende Ackerrösser erklommen mit ihren stolzen Besitzern den Heiligen Berg, um dort christliche Weihen zu empfangen. "Eine Traktorwallfahrt ist etwas ganz anderes, eine andere Art der Glaubensverehrung, die inzwischen viel Zuspruch gefunden hat", stellte der Vorsitzende der Oldtimerfreunde Bad Staffelstein, Reinhard Derra, fest. Sie sei inzwischen eine regelrechte Sternwallfahrt: Die Traktoren kämen aus allen Himmelsrichtungen, manche aus über 400 Kilometern Entfernung.

Auch für Walter Mackert von den Oldtimer-Freunden Staffelstein, die die Wallfahrt organisiert hatten, ist sie ein Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer: "Dafür, dass man das ganze Jahr mit dem Traktor unterwegs war, in Hobby oder Beruf, und dafür, dass nichts passiert ist, verbunden mit der Bitte, dass auch im nächsten Jahr nichts passieren wird", sagte er.

Am weitesten hatte es ein Bulldogfreund aus Köln. Andere kamen aus Ober- und Niederbayern, aus der Rhön, Fulda, Würzburg, Kitzingen und Schweinfurt.

Raritäten waren mit von der Partie. Bevor beispielsweise der Glühkopfmotor eines Lanz-Bulldogs aus den 30er-Jahren angeworfen werden kann, muss er per Lötlampe auf Temperatur gebracht werden. Und dann kommt das markerschütternde Plopp-plopp, wenn der Motor von Hand mit dem umgesteckten Lenkrad angeworfen wird.

In den historischen Festzug reihten sich aber auch jüngere Schlepper aus den 50er- und 60er-Jahren ein, nicht nur perfekt restaurierte, sondern viele "Arbeitstiere", von denen die Kleineren vor allem zur Waldarbeit taugen.

Angeführt wurde die Kirchenparade von einem Eicher-Diesel mit der Weihekerze, die später am Gnadenaltar entzündet wurde. Gefolgt von Reinhard Derra mit Thermenkönigin Katharina I.

An der Basilika waren die Parkplätze knapp. Schließlich standen rund um das Gotteshaus Lanz, Eicher, Deutz, Fendt, Güldner, Bautz, McCormick, Schlüter, Hanomag, Massey-Ferguson, verschiedene Ausführungen des Porsche-Traktors sowie russische, französische und tschechische Fabrikate in Reih' und Glied.

Der Guardian des Klosters, Pater Heribert Arens, begrüßte die Wallfahrer. Er begleitete mit Kirchenschweizer Daniel Reitz und der Leuchsentaler Blasmusik aus Mistelfeld den Ein- und Auszug der Pilger in und aus der Basilika. Der Franziskaner betonte, dass auch ein gesegnetes Fahrzeug und sein Fahrer nicht vor jedem Unfall gefeit seien, doch "Gott wird uns in allen Situationen begleiten."

In seiner Ansprache in der Basilika ging der Geistliche auf den Heiligen Pantaleon ein, dem die Wallfahrt gewidmet war. Aus dem Lukasevangelium zitierte er die Krankenheilung durch Jesus. Dazu passe die Lebensgeschichte Pantaleons, der als Arzt Kranke kostenlos behandelte. Der frühchristliche Märtyrer und Heilige gehöre zu den vierzehn Nothelfern und sei der Patron der Ärzte und Hebammen. Sein Martyrium hätte auch darin bestanden, dass man ihm die Hände auf den Kopf nagelte. Wir sollten die segensreiche Arbeit seiner Hände an unseren Mitmenschen weiterführen, so Pater Heribert. Die Wallfahrer sprachen die Fürbitten.

Nach der Andacht segneten Pater Johannes Thum und Pater Heribert Arens die Traktoren und ihre Besitzer auf dem Basilika-Vorplatz. Bevor die Fahrzeuge wieder in alle Himmelsrichtungen aufbrachen, fand sich noch Zeit zur Einkehr und zum Gespräch. Teilnehmer der Traktorenwallfahrt zeigten sich begeistert. Es sei schön, im Kreis der Gleichgesinnten miteinander Gottesdienst zu feiern und auch mal zu fachsimpeln, sagte einer. Dann tuckerte die Kolonne bei Sonnenschein wieder Richtung Heimat.



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