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Lichtenfels
Flechthandwerk

Sechs wollen Meister werden

Es ist nicht nur seit drei Jahren der erste Meisterkurs an der Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung, sondern auch ein ungewöhnlich großer mit bekannten Namen.
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Die Herstellung einer gewürfelten Truhe ist Pflicht bei der Meisterprüfung. Fachlehrer Uwe Böker (rechts) erklärt, worauf es ankommt. Im Bild (v. l.) die Meisterschüler Anne Rumpel, Nina-Regina Nötzelmann, Julia Treubel, Nepomuk Neyer, Lefteris Philippidis und Emmanuel Heringer. Foto: Popp
Die Herstellung einer gewürfelten Truhe ist Pflicht bei der Meisterprüfung. Fachlehrer Uwe Böker (rechts) erklärt, worauf es ankommt. Im Bild (v. l.) die Meisterschüler Anne Rumpel, Nina-Regina Nötzelmann, Julia Treubel, Nepomuk Neyer, Lefteris Philippidis und Emmanuel Heringer. Foto: Popp

Es ist etwas Besonderes: Sechs Flechtwerkgestalter bereiten sich derzeit auf die Meisterprüfung vor, die vom 18. März bis 2. April an der Lichtenfelser Fachschule stattfinden wird. "So viele hatten wir schon ewig nicht mehr", sagt Fachlehrer Uwe Böker,"sonst waren es immer ein oder zwei Leute." Die letzte Meisterprüfung hier war 2017. Man könnte meinen, die drei Frauen und drei Männer hätten sich abgesprochen. Ganz so ist es nicht - aber man kennt sich, mitunter auch von gemeinsamen Projekten in den vergangenen Jahren. Für den Ältesten in der Runde, Lefteris Phillippidis, war es tatsächlich ein Anstoß, als er von Emmanuel Heringer erfuhr, dass dieser sich angemeldet habe. "Ich hab' im Spaß gesagt: Das wär' auch was für mich", erzählt der 49-Jährige, der auch bei den Lebenden Werkstätten im Deutschen Korbmuseum in Michelau schon mitgewirkt hat. 2003 hatte er in Lichtenfels die Ausbildung abgeschlossen und sich bald danach in Coburg selbstständig gemacht. Einen Meistertitel braucht man dafür im Flechthandwerk nicht. Der Meisterkurs ist eine neue Herausforderung, und Phillippidis ist stolz darauf, die beiden theoretischen Prüfungsteile in Betriebswirtschaft und Pädagogik bereits geschafft zu haben. Er war dazu in Bamberg, Emmanuel Heringer beispielsweise in seinem Heimatlandkreis Rosenheim, wieder anderen stehen diese Module noch bevor. Für die Fachpraxis und -theorie führten sie ihre Wege alle in Lichtenfels zusammen, wo sie zu unterschiedlichen Zeiten ihre Ausbildung abgeschlossen hatten. Bei Heringer war das 2004.

"Geschenk und Chance"

Zuvor hatte der heute 42-Jährige Zimmerer gelernt, sich danach noch zum Gestalter im Handwerk weitergebildet. Seit zehn Jahren ist er selbstständig und stellt vor allem Zäune, Sichtschutz- und Fassadenelemente her. Er betrachtet den Meisterkurs als "Geschenk und Chance", sich noch einmal bewusst mit der Flechterei auseinanderzusetzen, um nicht stehenzubleiben. "Im täglichen Geschäft komme ich nicht dazu." In Lichtenfels verbindet man seinen Namen vor allem mit kreativen Projekten zum Korbmarkt, zuletzt 2018 mit dem übermannshohen "Flechter-Ei".

Bei Nina-Regina Nötzelmann sind viele, die sie kennen, wohl davon ausgegangen, dass sie den Meistertitel längst hat - schließlich ist die Michelauerin seit 2016 Landesinnungsmeisterin und hatte zuvor bereits die Funktion als Stellvertreterin inne. Diese Aufgaben waren jedoch nicht von einer bestandenen Meisterprüfung abhängig. Dass sie diesen Weg nun beschreitet, ist für die Flechtwerkgestalterin auch "eine Prestigesache". 2009 war ihr Abschluss an der Lichtenfelser Berufsfachschule. Seither hat man sie in der Öffentlichkeit bei kreativen Projekten und zwischenzeitlich auch (in Teilzeit) als Mitarbeiterin des Deutschen Korbmuseums wahrgenommen. Sie freut sich besonders über die "tolle Gruppe", in der man sich gegenseitig inspiriere und motiviere.

Julia Treubel ist seit 2019 selbst Fachlehrerin (in Teilzeit) an der Berufsfachschule. Da sie bereits einen Meisterbrief als Schreinerin hat, wäre ein zweiter im Flechthandwerk für die Unterrichtstätigkeit nicht nötig - sie macht ihn trotzdem und fühlt sich dabei an ihre "total schöne Schulzeit hier" erinnert.

Nepomuk Neyer ist Österreicher und an seine Ausbildungsstätte zurückgekehrt, "um noch einmal tiefer in die Materie einzudringen" und die Wanderschaft abzurunden, die bei ihm länger war als die traditionellen drei Jahre.

Anne Rumpel, Absolventin von 2018, ist mit 20 Jahren die Jüngste im Bunde und möchte im Meisterkurs mehr Sicherheit für die Selbstständigkeit bekommen. Wie alle hier liebt sie dieses Handwerk, das großen Wandel durchlebt hat. Uwe Böker, der die Leitung des Meisterprüfungsausschusses übernommen hat, kann davon erzählen. Vor rund 25 Jahren hat er in Lichtenfels (damals noch vor Alfred Schneider und Kurt Schütz) selbst die Meisterprüfung abgelegt. In Nordrhein-Westfalen baute er eine Flechtwerkstatt für Blinde und Sehbehinderte mit auf. Einrichtungen wie diese gebe es mittlerweile nicht mehr, berichtet er. Vor fast 20 Jahren kam Böker an die Schule zurück. Aktuell lernen dort 25 Schüler, vier in der Abschlussklasse. "Wir hoffen, dass es mit den Zahlen wieder aufwärts geht", sagt er und sieht Perspektiven vor allem darin, dass es sich hier um ein wirklich nachhaltiges Metier handelt.

Prüfung

Die eigentliche Prüfung findet vom 18. März bis 2. April in Lichtenfels statt. Die angehenden Meister müssen drei Werkstücke herstellen, eines davon ist frei wählbar. Pflicht ist eine rechteckige Truhe, außerdem muss ein selbst entwickeltes Möbelstück gefertigt werden. Dies alles in je drei Tagen. Vorsitzender des Meisterprüfungsausschusses ist Fachlehrer Uwe Böker (in der Nachfolge von Günter Mix); weitere Mitglieder sind Bernd Witzgall (Schney), Joachim Höfner (Küps-Theisenort) und Bundesinnungsmeister Ronald Helbing (Thüringen).

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