Lichtenfels
Fest

Schützentag: Der Hut für die Frauen muss nicht mehr sein

Beim Bezirksschützentag in Lichtenfels gab es für die Scharfschützen eine erfreuliche Mitteilung: Künftig müssen die Frauen beim Festumzug zum Münchner Oktoberfest keine Kopfbedeckung mehr tragen.
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Der Umzug führte die Schützen von den Innenstadt zum Schützenhaus. Fotos: Andreas Welz
Der Umzug führte die Schützen von den Innenstadt zum Schützenhaus. Fotos: Andreas Welz
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Nicht der Bierpreis und das Wiesn-Spektakel in München erregen derzeit die Gemüter der Königlich Privilegierten Scharfschützengesellschaft Lichtenfels, sondern fehlende Damenhüte der schmucken Tracht ihrer Schützen schwestern. Beim großen Trachten- und Schützenzug durch die Münchner Innenstadt zur Theresienwiese waren bisher die Damen vom Obermain ausgeschlossen, weil sie barhäuptig am ersten Wiesn-Sonntag mitmarschieren wollten. Jetzt dürfen sie, auch ohne Hut.

Diese kleine Sensation hatte am Sonntag Bezirksschützenmeister Volker Gottfried eher beiläufig beim 62. Bezirksschützentag in Lichtenfels angekündigt. Seit rund 20 Jahren habe er gegen die Hutpflicht gekämpft, aber stets erfolglos. Der Festring München 1956 hatte stets auf die strenge Kleiderordnung verwiesen: Damen ohne Kopfbedeckung dürfen nicht mitmarschieren.
Der Organisator habe akzeptiert, dass sich Damen mit geliehenen Hüten ins Glied einreihen durften, später wurden sogar kleine Hauben und Schleier erlaubt. Wenn am 22. September um 9.45 Uhr die Welt nach München schaut, werden erstmals Schützendamen ohne Hut an den Zigtausenden von Schaulustigen und den internationalen Medien vorbeiziehen, es sind die Damen der SSG Lichtenfels. Den Erfolg verdanke man letztendlich Bezirksheimatpfleger Günther Dippold, erläuterte Gottfried. Er habe in einer Studie herausgefunden, dass die Hutpflicht neueren Datums sei. Historisch gesehen hätten Damen schon früher ohne Hut teilnehmen dürfen. Ein "Tüchla", das getragen wurde, könne nicht als Hut gelten. Das wurde schließlich vom Präsidium, Beirat und der Geschäftsführung des Festrings - ausnahmslos Herren - akzeptiert.

Die umfangreiche Tagesordnung in Lichtenfels sah die Proklamation der Bezirksschützenkönige und zahlreiche Ehrungen durch den stellvertretenden Landesschützenmeister Dieter Vierlbeck und Bezirksportleiter Harald Goch vor.


Großzügige Zuschüsse

Der Schützenmeister der SSG, Siegfried Jäkel, erhielt zum 600-jährigen Bestehen der Gesellschaft eine kunstvolle Schützenscheibe. Jäkel und Kurt Hofmann von der SSG Lichtenfels wurden für Verdienste im Schützenwesen mit dem Ehrenkreuz Stufe II des Deutschen Schützenbundes ausgezeichnet. Jungschützenkönigin wurde Johanna Wunner aus dem Landkreis Kronach und Schützenkönigen Dagmar Witzgall aus Heinersreuth.
Schützenmeister Siegfried Jäkel bedauerte, dass Gesetze geschaffen wurden, die den Schützen das Leben schwer machten. Er versicherte, das Erbe der 600-jährigen Schützengesellschaft werde aufrecht erhalten. Tradition heiße für ihn auch Fortschritt. Bezirksschützenmeister Volker Gottfried zog für die oberfränkischen Schützen eine positive Bilanz. Der Mitgliederrückgang halte sich in Grenzen.

Bürgermeisterin Biancas Fischer dankte den Schützen für ihr ehrenamtliches Engagement: "Die Korb- und Schützenstadt Lichtenfels freut sich über Gäste, die sich bei uns wohlfühlen." Bezirkstagspräsident Günther Denzler respektierte die Schützenvereinigungen als moderne Vereine mit aktiver Jugendarbeit. Landrat Christian Meißner bezeichnete die Lichtenfelser Scharfschützengesellschaft als Flaggschiff des Landkreises.

Der Fraktionsvorsitzende FDP im Bayerischen Landtag, Thomas Hacker, verwies auf die geplante Änderung der Bayerischen Verfassung nach der das Ehrenamt gestärkt werden solle. SPD-Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld sprach den Schützenvereinen ihr Kompliment aus. Mit dem breiten Angebot, erreichten sie die gesamte Gesellschaft und seien für die Zukunft gut aufgestellt. Sie erinnerte an großzügige Zuschüsse zum Unterhalt und Bau von Sportstätten. Stellvertretender Landesschützenmeister Dieter Vierlbeck erklärte den Mitgliederschwund durch die demographische Entwicklung und durch das Ausbleiben des Nachwuchses. Die Veranstaltung hatte am Samstag mit einem Rathausempfang begonnen. Am Sonntag fand in der evangelischen Kirche ein Gottesdienst statt. Pfarrerin Anne Salzbrenner predigte über Hoffnung und Glauben nach der Auferstehung Christi. Jungen Menschen machte sie Mut, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Im Anschluss marschierten die Schützen mit der Leuchsenthaler Blasmusik von der Kronacher Straße zum Rathaus und weiter zum Schützenhaus.
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