Bad Staffelstein
Genusswandern

Schritt für Schritt Ostern genähert

Die Tour mit Hildegard Wächter ist eine gesellige und kreative Unternehmung.
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Zu schön geschmückten Osterbrunnen führte die Lautergrund-Wanderung.
Zu schön geschmückten Osterbrunnen führte die Lautergrund-Wanderung.
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Eine Weggabelung auf einer Anhöhe. Mal wieder eine Anhöhe. Ginge man alleine, sparte man sich solche Hügel, aber in Gesellschaft und im Plausch merkt man gar nicht, wie man bewältigt, was ansonsten strapaziös wäre: Das Genusswandern ist ein Gemeinschaftserlebnis zwischen Wegstrecke und Einkehr. In der Karwoche bedeutete das auch den Weg zu fränkischem Brauchtum und Do-it-yourself.

Hildegard Wächter geht voran. Dann und wann lässt sie sich zurückfallen, um mit den Wanderern ins Gespräch zu kommen. Doch bald darauf ist die Genussbotschafterin und Wanderführerin wieder vorne an der Spitze des Trosses zu finden. 26 Wanderer folgen ihr, elf mehr als das Programmheft als Höchstzahl empfiehlt. Das spricht von sechs bis 15 Personen und einem Teilnehmerpreis von 12,50 Euro. Es spricht aber auch davon, dass zehn Kilometer mit leichtem Schwierigkeitsgrad anstehen. Oder, wie das Smartphone einer Teilnehmerin es ausrechnet, 18 000 Schritte, beginnend am Stadtturm an der Alten Darre.

Schon an der ersten Station, der Stadtpfarrkirche St. Kilian, ist zu entdecken, worum es heute in besonderem Maße geht: Osterbrunnen. Bald liegt ein steiler Waldweg hinter einem und vor einem ein Kamm, der sich wie ein Stück hierher verirrte fränkische Schweiz ausnimmt. Rechts geht es nach einigen Kilometern zum Dornig, geradeaus geht es auf einen noch höheren Kamm. In diesem Moment aber ist verschnaufen angesagt, es ist kurz vor 11 Uhr.

Um die selbe Zeit, allerdings ein paar Kilometer entfernt, ist Adelgunde Gagel dabei, für die Wandergruppe in Loffeld für Kaffee, Kuchen und Brotzeit einzudecken. Auch sie ist Botschafterin für Genuss und trägt das Konzept der Genusswanderungen mit. Im ehemaligen Schlachtraum ihres Nebenerwerbshofs unweit des Geldnersaals hat Gagel weitere Vorbereitungen getroffen. Reste von Nylonstrümpfen liegen bereit, auch unterschiedliche Blätter und Eier. Was hier stattfinden wird, bezieht sich auf eine verspielte Tradition, wonach Eier einst "gebatikt" wurden.

Hildegard Wächter war Lehrerin. Oberlehrerhaft ist sie nicht. Wenn sie erzählt, wozu sie im Vorfeld ihrer Wanderungen recherchiert, dann wirkt das in natürlicher Freundlichkeit. Das, worum es ihr auf dem Weg in der Karwoche geht, ist das Brauchtum des Brunnenschmückens. Dementsprechend hat sie auch die Route festgelegt. Sie führt zu aufwendig gestalteten Brunnen mit Girlanden voller bemalter Eier, eingebettet in ländlichem Idyll und zum christlichen Brauchtum gehörig. Um die Mittagszeit trifft der Tross in Loffeld bei Adelgunde Gagel ein, ist Osterbrot, sitzt beieinander und sorgt für ein kleines Gedränge in der Küche. Jeder legt die von ihm selbst gebatikten Eier in die Töpfe. Sie sind über einem Zwiebelsud eingefärbt worden und haben davon ihre Blattabdrücke in Weiß erhalten. Jeder darf sich ein paar Eier in einen Mini-Korb legen und diesen mitnehmen. Einmal mehr bleibt die Genusswanderung angenehm in Erinnerung. Zufällig ist an ihr wenig, die Touren selbst, die sich Hildegard Wächter ausdenkt, werden von ihr im Vorfeld abgegangen.



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