Kloster Banz
Aktion

Schnupperkurs Bogenschießen im Waldklettergarten

Bei einem Schnuppernachmittag im Waldklettergarten Banz konnten die Teilnehmer einiges über Geschichte und Technik des Bogenschießens lernen und sich selbst daran versuchen.
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Gar nicht so einfach: Katrin Weiß (Mitte links) und Annegret Steiner (Mitte rechts) üben die richtige Handhabung des Bogens. Fotos: Miriam Hegner
Gar nicht so einfach: Katrin Weiß (Mitte links) und Annegret Steiner (Mitte rechts) üben die richtige Handhabung des Bogens. Fotos: Miriam Hegner
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Glattpoliert, aus hellem und dunklem Holz, lehnen und liegen die Profibögen neben den schlichten Übungsbögen, dazwischen ein Korb mit Lederhandschuhen und Köcher mit buntgefiederten Pfeilen. Christian Simeoni hat die ganze Ausrüstung für den Einsteigerkurs auf dem schattigen Waldboden ausgebreitet. "Dieser Bogen ist aus Eibenholz", erklärt er, und hält ein helles, schmales Exemplar in der erhobenen Hand. "Das eignet sich besonders gut, und wurde schon vor vielen Tausend Jahren für den Bogenbau verwendet."

Der gelernte Modellbauer ist Bogenbauexperte und ausgebildeter Trainer für Bogenschießen. Sein Wissen gibt er in Schnupper- und Anfängerkursen an interessierte Neulinge weiter. Seit kurzem finden solche Kurse auch regelmäßig in Kooperation mit dem Waldklettergarten Banz auf dessen Gelände statt.
"Meine Kurse richten sich an Interessierte aller Alterklassen, besondere Vorkenntnisse muss man nicht mitbringen", erklärt Christian Simeoni. Kinderkurse unterrichtet er ebenfalls. "Wer fit ist, kann auch mit 80 noch Bogenschießen lernen", ergänzt Sabine Simeoni, die zusammen mit ihrem Mann den Einsteigerkurs leitet.

Annegret Steiner ist extra aus Sonneberg nach Banz gekommen, um beim Kurs dabei zu sein. Sie hat Bogenschießen schon einmal ausprobiert, in der Rehaklinik. "Dort wurden Sportkurse angeboten, die auf Konzentration und innere Ruhe abzielen. Mit Yoga und Qi Gong konnte ich nicht viel anfangen, deshalb hab ich Bogenschießen gemacht." Sie war sofort begeistert. "Man kommt wirklich zur Ruhe und findet zu sich, wenn man sich Zeit lässt. Mir hat das total Spaß gemacht, ich möchte weiter Bogenschießen, und mache diesen Kurs, um die Technik zu lernen."

Zu der kleinen Gruppe der Kursteilnehmer gehören auch Dominik Kuchlbauer und Bernhard Waidhas, Mitarbeiter des Klettergartens. Beide haben das Bogenschießen schon früher ausprobiert. "Aber das ist eine ganze Weile her", sagt Dominik Kuchlbauer. "Da kann eine kleine Auffrischung nicht schaden." Seine Freundin Katrin Weiß ist dagegen geübte Bogenschützin - bisher allerdings nur virtuell. "Im neuen Lara-Croft-Abenteuer wird viel mit dem Bogen geschossen. Das macht mir super viel Spaß, deshalb wollte ich's auch mal in Echt ausprobieren."

Jahrtausendalte Jagdwaffe

Zur Einführung erzählt Christian Simeoni den Schnupperkurslern etwas über die Geschichte des Bogenschießens. "Schon vor 30.000 Jahren benutzten Menschen Pfeil und Bogen zur Jagd", erklärt er. Auch als Kriegswaffe wurde der Bogen eingesetzt, bis er im 17. Jahrhundert von den Feuerwaffen verdrängt wurde. "Zwei Amerikaner entdecken den Bogen als Jadgwaffe um 1900 wieder, da Feuerwaffen in ihrem Bundesstaat verboten worden waren." Aus der Jagd entwickelte sich der Sport, der zur olympischen Disziplin wurde, und auch in Deutschland immer beliebter wird. "Dort werden allerdings High-Tech-Geräte benutzt, aus Carbon und mit kraftverstärkenden Rollensystemen", erklärt Simeoni. "Das ist nicht so meine Welt." Er selbst baut und benutzt sogenannte Primitiv-Bögen, die sind aus Holz und so gemacht, wie es sie schon vor Jahrhunderten gab. "Deshalb heißt es auch traditionelles Bogenschießen."

Nun geht es an die Technik. "Wir stehen 90 Grad seitlich zum Ziel versetzt, Füße parallel," erklärt Simeoni. Mit einem Übungsbogen und noch ohne Pfeil probieren die Kursteilnehmer dann die Handhaltung. "Wenn ihr Rechtshänder seid, spannt die rechte Hand die Sehne", erklärt Simeoni., "Der Mittelfinger liegt am Mundwinkel an." Konzentriert versuchen die Kursteilnehmer die Anweisungen umzusetzen, doch das ist gar nicht so einfach. "Dein Pfeil würde schräg nach unten fliegen, deiner links am Ziel vorbei", urteilt Simeoni reihum.

Dann darf auf die gelb-rot-blaue Zielscheibe geschossen werden. "Beide Augen offen lassen", erinnert Simeoni seine Schützlinge. Das sei nämlich der Unterschied zwischen dem Zielschießen und dem instinktiven Schießen, so wie er es unterrichtet. "Es geht darum, nicht nur das Ziel, sondern auch die Umgebung wahrzunehmen."
Das ist für die Anfänger allerdings nicht einfach, die Pfeile fliegen meist zu hoch. "Obwohl ich doch die Mitte anfixiere", wundert sich Annegret Steiner. "Die Hand-Augen-Koordination ist schwieriger als ich gedacht hatte", findet auch Dominik Kuchlbauer. Zwei seiner Pfeile treffen, zwei fliegen glatt über die Scheibe weg. Bernhard Waidhas geht es ähnlich. "Ich hab aber nicht erwartet, dass es gleich klappt", sagt er, "ich denke, man braucht einfach Übung." Kursleiter Simeoni stimmt ihm zu. "Die wenigstens treffen gleich, die waren dann in ihrem früheren Leben wohl Bogenschützen. Alle anderen müssen üben." Etwa hundert Schuss brauche man mindestens, "bis Auge, Hirn und Hand so koordiniert sind, dass man dorthin schießt, wo man hinschaut."

Den Vogel abgeschossen

So oft kommen die Teilnehmer des zweistündigen Kurses nicht zum Schuss, doch zum Schluss dürfen sich noch an einem 3D-Ziel versuchen, drei kleinen Waldkäuzen, aus Schaumstoff, versteht sich. "Mit 3D-Zielen ahmt man die Jagd auf Wildtiere nach, die in Deutschland verboten ist", erklärt Simeoni. Das hat auch seine Vorteile: Die Schaumstoffkäuzchen sitzen nebeneinander oben auf der Zielscheibe, und flattern auch nicht davon, als viele der Pfeile einfach an ihnen vorbei sausen. Annegret Steiner jedoch trifft gleich zweimal, und hält mit ihrer Begeisterung nicht hinterm Berg. "Ich mach auf jeden Fall mit dem Bogenschießen weiter", sagt sie, "der Kurs war super, ein Traum!" Die anderen stimmen ihr zu. "Es hat genauso viel Spaß gemacht wie im Computerspiel", findet Katrin Weiß, "nur die Handhabung ist anders."
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