Burgkunstadt
Modellflug

Ruhige Hand, viel Erfahrung und etwas Glück

Weitere Auszeichnung für den erfolgreichen Modellflug-Piloten Wolf Fickenscher: Der Champion aus Neuses am Main wurde deutscher Vizemeister.
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Wolf Fickenscher von der Segelfluggruppe "Kordigast" Burgkunstadt katapultiert einen Segelflieger mit 300 Stundenkilometer in den Himmel. Im vergangenen Jahr wurde das Modellfliegerass deutscher Vizemeister in der Klasse F 5B. Stephan Stöckel
Wolf Fickenscher von der Segelfluggruppe "Kordigast" Burgkunstadt katapultiert einen Segelflieger mit 300 Stundenkilometer in den Himmel. Im vergangenen Jahr wurde das Modellfliegerass deutscher Vizemeister in der Klasse F 5B. Stephan Stöckel
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Wolf Fickenscher, das sportliche Aushängeschild der Segelfluggruppe "Kordigast" Burgkunstadt, hat seine umfangreiche Trophäensammlung um eine weitere Auszeichnung aufgestockt. Im vergangenen Jahr wurde der Modellflugpilot aus Neuses am Main deutscher Vizemeister. "Ich weiß nicht, wie er es wieder hinbekommen hat", staunte Vorsitzender Werner Hahn bei der Jahreshauptversammlung am Freitagabend im Hotel "Drei Kronen" in Burgkunstadt. "Man braucht eine ruhige Hand, eine lange Erfahrung und ein bisschen Glück. Außerdem muss man konzentriert und konstant fliegen", erklärte der Modellflugchampion, der bereits mehrfach die deutsche Meisterschaft in der Klasse F 5B errungen hatte.

Dass er im vergangenen Jahr nicht ganz oben auf dem Siegertreppchen stand, führt er auf die hohe Leistungsdichte unter den deutschen Spitzenpiloten zurück. "Es gibt ein paar, die seit einigen Jahren die Szene beherrschen. So kommt es, dass an der Spitze immer dieselben Leute sind, nur die Reihenfolge ändert sich jedes Jahr", sagte Fickenscher. Die deutsche Meisterschaft war bei Wettbewerben in Bad Brückenau, Burgkunstadt und Gommersheim ausgeflogen worden.
Auf Fickenschers Konto gehen auch sieben Weltmeistertitel - drei im Einzel und vier mit der deutschen Nationalmannschaft. 2018 hätte er bei der WM in Japan seine Erfolgsserie fortführen können. Daraus wird nichts. Die deutsche Nationalmannschaft, bestehend aus Heiko Greiner und Christian Ulbrich, die beide in Baden-Württemberg wohnen, sowie Wolf Fickenscher, verzichteten auf eine Teilnahme. "Wir hätten nur mit Fernsteuerungen fliegen dürfen, die in Japan zugelassen sind. Wir hätten unsere Ausrüstung umstellen müssen. Der finanzielle und zeitliche Aufwand wäre zu groß gewesen", begründete Fickenscher die Absage. Traurig über die entgangene Chance ist der Modellflugpilot nicht, der bescheiden feststellte: "Ich bin bereits bei acht Weltmeisterschaften erfolgreich mitgeflogen. Das reicht."

Bei den oberfränkischen Meisterschaften in der Klasse F5B-J kam es zu dem seit Jahren bekannten Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel. Heiko Koch aus dem Küpser Ortsteil Schmölz wurde im vergangenen Jahr Erster, sein Vater Harald aus Kronach Zweiter. 2016 war es genau umgekehrt gewesen. "Man muss genau abschätzen können, wann der perfekte Zeitpunkt zum Landen gekommen ist. Mit 70 Jahren, wo die Sehkraft langsam etwas nachlässt, ist das nicht mehr so einfach", kommentierte der Senior seinen zweiten Platz, der zugleich stolz auf den Erfolg seines Filius ist.

Vorsitzender Werner Hahn überreichte gemeinsam mit Bürgermeisterin Christine Frieß Wolf Fickenscher und Harald Koch für ihre sportlichen Erfolge Pokale. Die Trophäe für Heiko Koch, der verhindert war, nahm dessen Vater entgegen.

Hahn freute sich über den vermehrten Flugbetrieb auf dem Kaltenreuther Flugplatz. 2017 waren es 178 Tage gewesen, an denen geflogen wurde - vier mehr als im Jahr zuvor. Erfreulich: Statt mit Verbrennungsmotoren fliegen immer mehr Piloten Modelle mit leiseren Elektromotoren. "Die Bevölkerung, speziell im angrenzenden Baugebiet Lerchenbühl, bleibt von Lärm verschont", hob der Redner hervor.

Im vergangenen Jahr war es zu keinem Schadensereignis gekommen. Nach Ansicht Hahns bestätige das das umsichtige Flugverhalten der Piloten, was wiederum zu keinerlei Beschwerden seitens der Bürger geführt habe. Da sogenannte Quadrokopter, landläufig "Drohnen" genannt, immer populärer werden, wurde vom Gesetzgeber ein Kenntnisnachweis für Flugmodelle eingeführt. Hahn appellierte an alle Mitglieder, diesen zu absolvieren.

Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU) ermunterte die Mitglieder, ihr exotisches Hobby auch weiterhin mit Herzblut zu betreiben.

Einstimmig beschlossen wurde, am Sonntag, 24. Juni, wieder einen Flugtag auf dem Flugplatz in Kaltenreuth durchzuführen. Bereits am Sonntag, 27. Mai, findet dort ein Wettbewerb der Klasse F5B-J / Elektroflug für Jedermann statt. Die nächste Monatsversammlung des Vereins ist am Freitag, 2. März, um 19 Uhr in der Gaststätte Günther in Burgkunstadt.

Die Flugklassen
Klasse F 5B (Wolf Fickenscher): Es sind drei Flugaufgaben zu absolvieren: Streckenflug, Zeitflug und Landung. Alle drei Flugaufgaben werden pro Durchgang ohne Flugunterbrechung geflogen. Zunächst muss innerhalb von 200 Sekunden eine Strecke von 150 Metern so oft wie möglich ohne Motor durchflogen werden. Anschließend findet ein zehnminütiger Segelflug statt. Für die Landung gibt es drei Kreise, die wie eine Zielscheibe angeordnet sind. Wird zum Beispiel im kleinsten Kreis gelandet, der einen Durchmesser von zehn Metern hat, dann ergibt das 30 Punkte.

Klasse F5B-J (Harald und Heiko Koch): In dieser Disziplin werden keine Strecken geflogen, sondern eine bestimmte Zeit. Zunächst muss nach exakt 180 Sekunden ein Tor durchflogen werden. Nach weiteren 180 Sekunden in der Luft ist eine zielgenaue Landung auf einer abgesteckten Linie zu absolvieren. Punktabzüge gibt es, wenn die Zeit unter- oder überschritten wird oder die Landung nicht zielgenau erfolgt. Quellen: Deutscher Aero Club e.V. Bundeskommission Modellflug/ Werner Hahn.
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